Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2003

Alternative Vernetzung mit Powerline- und Cable-LAN-Modems

Daten-Strom

Kein Bohren, keine Mauerdurchbrüche, keine neuen Kabel: Wo Wireless LAN nicht mehr hinreicht, bietet sich die Vernetzung über Stromleitung oder Antennenkabel an. Allerdings nicht ohne Nebenwirkungen.

436

Die nachträgliche Verkabelung eines Gebäudes ist fast immer zeitaufwändig, mit vielen (baulichen) Hindernissen gespickt - und daher teuer. Gerade in Altbauten, in denen es keine Kabelkanäle, abgehängte Decken oder Versorgungsschächte gibt, müssen oft erhebliche bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Powerline und Cable-LAN vernetzen Rechner über bestehende Strom- und Antennenleitungen miteinander. Dazu wird jeder Rechner mit einem Powerline- oder Cable-LAN-Modem ausgestattet und ans Strom- oder Antennenkabel angeschlossen.

Mit 14 MBit/s Brutto-Transferrate liegen die Powerline- und Cable-LAN-Modems im Bereich der WLAN-Geräte nach IEEE 802.11b. In massiven Gebäuden oder über Gebäudeflügel hinweg ist eine WLAN-Verbindung oft nicht möglich, während ein Powerline-Modem durchaus auch noch bis zum Nachbargebäude reicht - auf Kosten der Transferrate.

Einsatzszenarien

Cable-LAN eignet sich überall dort, wo Antennenanschlüsse zur Verfügung stehen, um beispielsweise alle Bewohner eines Mehrfamilienhauses oder die Zimmer eines Hotels mit einem zentralen Internetzugang zu versorgen. Ob es sich beim Antennenkabel um ein Breitband-Fernsehkabel, eine Gemeinschaftsantenne oder gar um eine Satellitenanlage handelt, spielt dabei keine Rolle. Ein Vorteil der Cable-LAN-Modems ist der vergleichsweise geringe Störpegel gegenüber den Powerline-Geräten, doch dazu später mehr.

Powerline-Modems lassen sich überall dort einsetzen, wo es Steckdosen gibt: Wenn etwa ein einzelnes Büro in einem anderen Gebäudeteil an das Firmennetzwerk angebunden werden soll, ist - je nach Entfernung und Bausubstanz - der Einsatz von WLAN nicht möglich. Auch die Vernetzung zweier Etagen mit WLAN-Access-Points in einem Stahlbeton-Gebäude lässt sich über Powerline bequem realisieren: Entweder wird das Powerline-Modem direkt an den Access Point angeschlossen oder man verwendet die gerade auf dem Markt erschienenen Powerline-WLAN-Router. Die Daten werden jedoch durch die ungeschirmten Stromleitungen übertragen, was zu erheblichen Störungen führt.

Tabelle 1: Alle Geräte im Überblick

Jeder mit jedem

Dank Homeplug-Standard[1],[2] sind alle getesteten Geräte untereinander kompatibel, jedes kann mit jedem - vorausgesetzt, alle Teilnehmer verwenden den gleichen 56-Bit-DES-Schlüssel. Allen Geräten liegt entsprechende Windows-Software bei, die aus einer einzugebenden Zeichenkette (dem Ausgansschlüssel) einen 56-Bit-DES-Schlüssel generiert und in das direkt am Rechner angeschlossene Modem überträgt.

Kraftcom[3] liefert bei Corinex PowerNet PN-EW sowie Corinex Cable-LAN das Linux-Administrationsprogramm Cpntool (Version 0.3.2) auf der Treiber-CD mit. Das RPM-Paket respektive Tar-Archiv enthält das Binärpogramm, Quellen gibt es derzeit nicht. Per Cpntool kann nicht nur das Netzwerk nach angeschlossenen Powerline-Geräten mit dem gleichen DES-Schlüssel abgesucht, auch der DES-Schlüssel selbst kann gesetzt oder die Verschlüsselung abgeschaltet werden. Allerdings zeigt die Konsole den Ausgangsschlüssel, aus dem der DES-Schlüssel generiert wird, bei der Eingabe im Klartext an. Also Vorsicht vor neugierigen Blicken.

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • 25c3: Quelloffenes Tool für PLC-Monitoring vorgestellt

    Für Netzwerke über das Stromkabel, sprich Powerline Communication (PLC), zeigten auf dem 25c3 zwei Franzosen ihre Software Faifa für Geräte des Herstellers Intellon.

  • Cebit 2012: AVM vernetzt das Heim

    AVM hat bei der Cebit seine neue Produktpalette vorgestellt, darunter die neuen LTE-Geräte und die intelligente Steckdose.

  • KNX-Grundlagen

    Auch im Zeitalter von Wifi, Zigbee, Z-Wave & Co. verliert das Schwergewicht unter den Systemen für Gebäude­automation, der KNX-Bus, nicht an Bedeutung, denn Zuverlässigkeit, Robustheit und Standardisierung stehen bei Bauherren hoch im Kurs.

  • Kyoto4u: Java-Software auf Lamp-Server steuert Stromverbraucher

    Die Java-basierte Software Kyoto4u schaltet und steuert über das X10-Protokoll den Stromverbrauch beliebiger Geräte. Einzige Voraussetzung dafür ist ein Webserver mit Java-Server und ein Webbrowser.

  • Doppelt genäht

    Fällt der Internetprovider aus, sitzt der Nutzer zu Hause auf dem Trockenen. Es sei denn, er hilft sich wie ein Profi und schaltet auf die Konkurrenz um. Ein Perl-Skript konfiguriert dann den Rechner neu.

comments powered by Disqus

Ausgabe 08/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.