Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2003

Die monatliche GNU-Kolumne

Brave GNU World

Diese Kolumne berichtet aus der Perspektive des GNU-Projekts und der FSF über Projekte und aktuelle Geschehnisse aus dem Umfeld freier Software. Diesmal: Freie Dokumentation, GNU Press, Green Tea Press, Network Theory, GNU Free Documentation License (FDL), Bookzilla.de.

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Abbildung 1: Jahrhundertelang regelte das Copyright die Verbreitung von Schriftstücken. Freie Dokumentationslizenzen versuchen nun, das veraltete System zu modernisieren.

Willkommen zu einer neuen Ausgabe der Brave GNU World - diesmal mit einem Schwerpunkt auf freier Dokumentation und jenen Verlagen, die sich auf freie Bücher spezialisiert haben.

Freie Dokumentation

Freie Software ist für die Gesellschaft von hoher Bedeutung. Allerdings ist es nicht möglich, Wissen allein über Quellcode zu verbreiten, da bei der Umsetzung von Konzepten und Wissen in Software viele Informationen verloren gehen, aus dem Quellcode lassen sie sich nicht mehr gewinnen.

Bei komplexen Programmen ist es meist schwierig, die Funktionsweise oder Benutzung zu verstehen, wenn nur der Sourcecode vorhanden ist. Ein solches Verständnis gehört aber zum Wesen freier Software. Technische Dokumentationen bieten daher eine sehr viel effizientere Form der Wissensübermittlung, da sie auch Informationen über die Hintergründe einer bestimmten Problemstellung vermitteln, die im Sourcecode normalerweise nicht erkennbar sind. Daher ist das Konzept freier Dokumentation eng mit dem freier Software verwoben[5].

Wichtig für freie Software ist deshalb auch freie Dokumentation. Proprietäre Dokumentationen dürfen Entwickler nicht frei verteilen oder modifizieren. Fortschritte bei der Software-Entwicklung bleiben somit undokumentiert. Das führt zu Verständnis- und Benutzungsschwierigkeiten bei Anwendern und erschwert die weitere Entwicklung: Software-Entwickler müssen durch Studium des Sourcecodes herausfinden, wie weit sich das Programm bereits von der Dokumentation entfernt hat.

Eine unfreie Dokumentation wird daher ebenso wie unfreie Software durch mangelnde Wartungsmöglichkeiten schnell nutzlos. Proprietäre Dokumentationen freier Software relativieren außerdem die Chancen- und Zugangsgleichheit. Schüler und Studenten in ärmeren Gegenden können sich teure Dokumentationen oft nicht leisten.

Freie Dokumentation ist daher wichtig, um die Freiheit der Menschen im Informationszeitalter nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität zu erhalten. Grund genug also, einen Blick auf Projekte zu werfen, die sich auf freie Dokumentation spezialisiert haben.

Freie Verlage

GNU Press[6] ist das Verlagsprojekt der Free Software Foundation (FSF). Es ergänzt das GNU-Projekt, dessen Förderung alle Erlöse aus GNU Press zugute kommen. Die FSF will auf diese Weise erschwingliche Informatikbücher unter freien Lizenzen[7] verkaufen. Die Leiterin von GNU Press ist übrigens Lisa "Opus" Goldstein, eine langjährige Aktivistin der Freie-Software-Szene. Sie kennt die FSF noch aus ihren Anfangsjahren und kümmert sich um das Büro der FSF in Boston.

Ein noch sehr kleiner Verlag für freie Bücher ist Green Tea Press[8] von Allen B. Downey und Lisa Cutler. Sie gründeten den Verlag, um das Buch "How To Think Like a Computer Scientist: Learning with Python" herauszugeben, von dem es auch eine Java- und eine C++-Variante gibt. Neu im Sortiment von Green Tea Press ist das Buch "Learning Perl the Hard Way", das hoffentlich nicht das letzte Buch des Verlags sein wird.

Allan Downey beschreibt auf der Homepage von Green Tea Press auch fünf Methoden[9], mit denen Leser freie Bücher fördern können: von einfachen Mitteln wie dem Verlinken der Website über den Aufbau von Vertriebskanälen durch Anfragen bei lokalen Buchhändlern und den großen Versandhäusern bis hin zu gezielten Empfehlungen an Bibliotheken und Lehrer.

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