Open Source im professionellen Einsatz

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

Ähnlich wie Köche arbeiten auch Software-Autoren an immer neuen Kreationen für die Benutzer. Wir picken die Leckerbissen für Sie heraus. Diesen Monat: Kopete 0.7 sowie Stud.IP. Außerdem: Debians Pläne zur Sarge-Release. Die vorgestellte Suppe rundet das Menü ab.

What's cooking? Wir servieren diesmal die stark aufpolierte Version von Kopete sowie ein Projekt, welches Hochschulen das Leben sehr viel leichter machen könnte. Außerdem beschäftigen wir uns mit Anthony Towns' Wort zum Dienstag. Und wer nach der Lektüre des Artikels Lust hat den Kochlöffel zu schwingen, wird an der Suppe seine Freude haben.

Abbildung 1: Der Konfigurationsdialog von Kopete. Alle Protokolle und Zusatzfunktionen haben die Entwickler in Module ausgelagert, die der Anwender im laufenden Betrieb nachlädt.

Abbildung 1: Der Konfigurationsdialog von Kopete. Alle Protokolle und Zusatzfunktionen haben die Entwickler in Module ausgelagert, die der Anwender im laufenden Betrieb nachlädt.

Kopete zum Zweiten

Seit kurzem gibt es den Kommunikations-Client Kopete in Version 0.7. Die Version 0.6 haben wir zwar schon in der ersten Projekteküche vorgestellt[1], diese neue Version bringt jedoch eine Menge zusätzlicher Features mit, die Kopete noch delikater machen. Die meisten Änderungen haben unter der Haube stattgefunden, da Kopete ohnehin die optischen Eigenschaften des KDE-Desktops übernimmt. Ein Redesign der kompletten Protokollschicht erlaubt es jetzt, sich mit mehreren Accounts in ein Instant-Messaging-Netzwerk einzuloggen. Zwar konnte auch Version 0.6 schon mehrere Zugänge verwalten, aber immer nur einen pro Protokoll, was viele von Kopete abhielt. Wie bereits vorher üblich lädt das Programm einzelne Protokolle als Modul nach. Abbildung 1 zeigt den Konfigurationsdialog.

Ein etwas ungewöhnliches Feature für einen Instant-Messenger ist die Rechtschreibprüfung: Kopete unterstützt die gängigen Spellchecker Ispell[3], Aspell[4] und Hspell[5], die das Getippte on the fly auf Fehler prüfen und unbekannte Wörter hervorheben. Wer das nicht mag, startet die Prüfung manuell vor dem Versand einer Nachricht. Das zu benutzende Wörterbuch stellt der Benutzer nach Belieben ein, um sich mit mehreren Personen in unterschiedlichen Sprachen zu unterhalten. Für die Rechtschreibprüfung benutzt Kopete ebenfalls ein Modul, das während des Betriebs nachgeladen wird.

Die Entwickler haben auch die Implementierung der einzelnen Protokolle verbessert. Das Yahoo-Protokoll hat ein völlig neues Modul bekommen, Gadu-Gadu und Jabber werden vollständig unterstützt und das IRC-Modul ist komplett neu. Es spricht nun IPv6 und beherrscht auch das »whois«-Kommando. Praktisch dabei: Der Dialog zum Hinzufügen eines neuen Buddy in die Kontaktliste dient auch dazu, im IRC nach Nicknames oder Kanälen zu suchen. Ein komplettes Rewrite hat auch die Implementierung des Oscar-Protokolls für ICQ und AIM erfahren.

Ein besonderes Feature ist die Unterstützung von GnuPG zur Verschlüsselung von ICQ- und AIM-Nachrichten. In der Kontaktliste lässt sich für jeden Benutzer ein GnuPG-Key festlegen. Kopete verschlüsselt dann alle Nachrichten an den jeweiligen Empfänger, sodass nur dieser sie lesen kann. Sollte ein Dritter den Netzwerkverkehr protokollieren, sieht er nur die verschlüsselten Daten, mit denen er nichts anfangen kann.

Die Funktion zum Mitloggen von Gesprächen, die bei Kopete 0.6 noch im Programm selbst integriert war, befindet sich jetzt im History-Modul. Ein weiteres neues Modul lässt den Anwender seinen Text mit Effekten versehen, die die Nachrichten aber eher unlesbar machen. Auch in Sachen Sicherheit hat Kopete aufgeholt. Passwörter speichert es nun nicht mehr im Klartext, sondern verschlüsselt auf der Festplatte.

Kopete hat in der neuen Version 0.7 viele Veränderungen durchgemacht, die das Programm auf ganzer Linie verbessert haben und es damit zu einem bemerkenswerten Multitalent in Sachen Instant Messaging machen.

Stud.IP

Das Schlagwort von der virtuellen Hochschule spukt seit längerem immer wieder durch die Medien. Schon bald sollen Studenten mit Notebooks ausgestattet sein und ein Internetanschluss in jedem Hörsaal den Zugriff auf die unerschöpflichen Wissensquellen des WWW ermöglichen. Die Realität sieht jedenfalls bis heute anders aus: Zwar existieren an den meisten Hochschulen mittlerweile Interneträume, von Notebooks kann aber kaum die Rede sein.

Selbst Funktionen, die heute technisch problemlos realisierbar wären, stehen den Studenten vielerorts entweder gar nicht zur Verfügung oder sind mangelhaft implementiert. Hierzu zählen das Bereitstellen von Informationen für einen ganzen Kurs auf einem zentralen Server oder die Möglichkeit, sich seinen Stundenplan aus Kurslisten heraus automatisch zu generieren.

Das Projekt Stud.IP[6] unternimmt nun den Versuch, sich dieses Problems mit Hilfe von Open-Source-Software anzunehmen. Stud.IP bietet den Studenten und Dozenten eine Groupware-Plattform, mit der sie ihre Aufgaben über das Internet verwalten. Dabei haben die Entwickler besonderes Augenmerk darauf gelegt, die technischen Aspekte vor dem Benutzer so gut wie möglich zu verstecken, um auch den Laien einen problemlosen Einstieg in die Oberfläche zu ermöglichen.

Die Stud.IP-Software vereint eine große Menge an Funktionen in einer einheitlichen Oberfläche. Lehrkräfte erstellen beispielsweise im Voraus Ablaufpläne für Vorlesungen oder Kursstunden und lassen sie den Studenten zukommen. Auch Teilnehmerlisten verwaltet Stud.IP. Die Dozenten haben die Möglichkeit, Literaturverweise online zur Verfügung zu stellen, die die Studenten dann vor oder nach der Vorlesung abrufen.

Auch an die individuellen Bedürfnisse der Benutzer haben die Entwickler gedacht: Jeder Anwender kann seinen eigenen Terminkalender führen, die Studenten lassen sich, wenn die Datenbank erst einmal korrekt eingerichtet ist, ihren Stundenplan darstellen und ausdrucken. Die Archivfunktion ermöglicht es außerdem, die Inhalte aller besuchten Veranstaltungen zu sammeln und für spätere Abfragen zu speichern. Für jeden Nutzer ist eine eigene Homepage im Konzept vorgesehen.

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