Open Source im professionellen Einsatz

Interview mit Markus Draeger, Direktor für Linux-Technologie bei FSC

Auf dem Weg zum Highend-Linux

In Deutschland ist Fujitsu-Siemens Computing einer der drei umsatzstärksten Hardwarehersteller. Das deutsch-japanische Joint Venture bietet mittlerweile eine breite Palette Linux-zertifizierter Rechner an - und hat vor allem im Highend-Bereich noch einiges vor.

Bei Fujitsu-Siemens Computing (FSC) ist ein dreiköpfiges Team für die Koordinierung der Linux-Aktivitäten verantwortlich. Die technische Seite betreut Dr. Markus Draeger, mit dem wir über die Linux-Pläne von FSC sprachen, über die Herausforderungen im Highend-Bereich und über das Verhältnis zu Partnern wie SuSE und Bytec.

Linux-Magazin: Herr Draeger, Sie kommen gerade vom Symposium zum Linux-Kernel Summit in Ottawa zurück, was trieb sie nach Kanada?

Markus Draeger: Unsere naturgemäß enge Zusammenarbeit mit Fujitsu bei der Entwicklung von Highend-Linux-Servern auf IA64, die primär durch die Kooperation zwischen Fujitsu und Intel getrieben wird. Die Entwicklung wird hauptsächlich bei Fujitsu laufen, wir werden die Systeme hier in den Markt bringen.

Linux-Magazin: Werden diese Rechner auch wieder Primergy heißen?

Markus Draeger: Das ist meines Wissens noch nicht endgültig entschieden.

Linux-Magazin: Wo sehen Sie die großen Aufgaben bei Highend-Features im Linux-Kernel?

Markus Draeger: Immer noch bei der Skalierbarkeit. Es gibt zwar schon große Systeme, etwa das von SGI, das ist aber für einen sehr speziellen Markt konzipiert. Linux-Server streben ja in naher Zukunft auch den Markt der Mission-critical-Unternehmensapplikationen an, wo heute noch die großen Unix-Systeme vorherrschen.

Linux-Magazin: Ist Skalierbarkeit das einzige Problem?

Markus Draeger: Im Bereich Hotplug-Fähigkeiten muss sicher auch noch einiges passieren. Bei den klassischen Hotplug-Bussen funktioniert das zwar, schwierig ist es aber insbesondere bei RAM, wenn es um das Entfernen von Speicher aus dem System geht. Das ist nach Aussagen von Entwicklern überhaupt noch nicht geklärt.

Linux-Magazin: Wie sehen Sie das Verhältnis von Linux und Windows auf diesen Systemen. Denn Microsoft drängt auch immer stärker auf diesen Markt.

Markus Draeger: Wir sehen uns als Infrastruktur-Partner, der die drei wichtigsten Betriebssysteme, also Windows, Linux und Solaris, aus einer Hand anbieten kann. Deshalb werden wir natürlich auch die Microsoft-Karte spielen, genauso aber auch die Linux-Karte.

Linux-Magazin: Was ist bis zum Erscheinen der großen Server von Fujitsu-Siemens noch zu erwarten? Soll beispielsweise das Flexframe-Konzept ausgebaut werden, das ein SAP-System mit einer flexiblen Anzahl von teilweise virtualisierten Linux-Servern realisiert?

Markus Draeger: Wir sind uns bewusst, dass dieses Konzept viel Potenzial hat. Im Moment sind wir froh, ein sehr schönes SAP-Produkt zu haben und das Konzept damit zu popularisieren. Ansonsten bieten wir ja seit etwa einem halben Jahr Linux flächendeckend über unsere gesamte Hardwarepalette an, wenn Kunden es wünschen auch auf BS-2000-Mainframe und dem Sparc-basierten Primepower.

Linux-Magazin: Gab es bereits Kunden, die Linux auf dem Mainframe von FSC wollten?

Markus Draeger: Sicher gibt es Kunden, die bereits einen Mainframe haben und kleinere Server auch darauf konsolidieren.

Linux-Magazin: Arbeiten Sie dabei auch mit virtuellen Servern? IBM propagiert das ja zum Teil auch im Hosting-Bereich.

Markus Draeger: Nein, wir sehen da auch nicht so viele Vorteile drin. Bei uns läuft Linux auf maximal 14 logischen Partitionen, das sollte genügen.

Linux-Magazin: Was tut sich beim High-Performance-Computing, also bei Linux-Clustern?

Markus Draeger: Da müssen natürlich immer die neuesten und schnellsten Systeme her, dort steht demnächst die Einführung von Itanium-2-Systemen an. Sonst läuft das Geschäft weiter wie in den letzten Jahren. Wir sind da ja auch nicht ohne Erfolg - wenn selbst die Entwicklungsabteilung bei Ferrari in Modena damit rechnet.

Linux-Magazin: Ist FSC direkt in bestimmte Open-Source-Projekte involviert?

Markus Draeger: Das Thema Linux-Entwicklung passiert bei Fujitsu. Wir reden hier natürlich schon mit, aber wir wollen im Moment nicht massiv in die Linux-Entwicklung einsteigen. Andererseits: Fujitsu sitzt in Japan, SuSE in Deutschland, auch hier sind Gespräche im Gange, hier wären wir natürlich sehr hilfreich.

Linux-Magazin: FSC hat auch eine größere Zahl von Desktop-Systemen der Scenic-Reihe für Linux zertifiziert, und zwar derzeit für SuSE 8.1. Soll in dieser Weise fortgesetzt werden? Immerhin drückt SuSE auch für Desktops immer teurere Produkte in den Markt.

Markus Draeger: Das könnte sich in der Tat ändern. Wir haben bei den Servern gesehen, wie SuSE relativ massiv den Markt von den Professional-Versionen weg zu steuern versucht, hin zum Enterprise-Server. Im Zuge dieser Aktion hat SuSE die Zertifizierung für Professional-Produkte auf Servern eingestellt. Wir können Primergy-Server also nur noch für SuSE Linux Enterprise zertifizieren. Beim Desktop ist das ein anderes Spiel, da der Markt noch nicht so gut eingeführt ist. Andererseits versucht SuSE auch hier, die Business-Produkte zu platzieren. Ob sich später auch die Zertifizierungspolitik von SuSE ändern wird, kann man jetzt noch nicht sagen.

Linux-Magazin: Wird es irgendwann einmal Linux-zertifizierte Notebooks geben, beispielsweise der Lifebook-Serie?

Markus Draeger: Wir wählen immer wieder Lifebooks dafür aus. Es gab sogar schon einmal ein Linux-zertifiziertes Amilo-Consumer-Notebook. Unsere Fertigung ist aber stark Kosten-getrieben und die Komponenten wechseln häufig. Auch ist noch nicht klar, ob der Markt groß genug ist. Unsere Politik ist, ein umfassendes Linux-Angebot über die Produktpalette bereitzustellen. Dazu gehört auch eine Auswahl von Client-Geräten, das muss aber nicht die ganze Palette sein. Hier passt auch der Ansatz von Bytec gut hinein, mit der OFC-DVD drei verschiedene Linux-Varianten zur Installation anzubieten.

Linux-Magazin: Bei Notebooks sind ja technische Probleme immer noch an der Tagesordnung, vor allem beim Power-Management.

Markus Draeger: Es wird spannend sein zu sehen, wie weit die Linux-Community mit dem nächsten Kernel kommt, wenn dann ACPI etwas besser implementiert ist. Vielleicht können wir von der Hardware-Seite auch etwas mehr tun, damit die Implementierungen besser den Standards genügen. Beim Power-Management ist die Hardware-Entwicklung der Entwicklung von Linux etwas voraus.

Linux-Magazin: Arbeiten sie an ähnlichen Dingen wie IBM mit dem TCPA-Chip?

Markus Draeger: Nein, da schauen wir uns die Spezifikationen an. Wir werden hier keine Vorreiter-Rolle spielen.

Linux-Magazin: Siemens und auch Fujitsu-Siemens Computing sind langjährige Partner von SCO. Wie wichtig sind Ihnen deren Betriebssysteme, zum Beispiel Unixware. Hat es eine strategische Bedeutung?

Markus Draeger: Strategische Bedeutung hat es sicherlich nicht, aber es ist auch dafür ein gewisser Markt vorhanden. Im Interesse der vorhandenen Kunden zertifizieren wir selbstverständlich auch künftige Versionen auf unserer Hardware. Größere Änderungen kommen da ja kaum vor, sodass sich der Aufwand in Grenzen hält.

Linux-Magazin: Aber zurück zu Linux: Könnte auch Debian für Sie in Zukunft interessant werden?

Markus Draeger: Für uns selbst ist das schwierig, wir begrüßen es aber, wenn Distributoren wie Bytec Debian unterstützen und auch zertifizieren. Unseren Support haben sie dabei.

Linux-Magazin: Herr Draeger, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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