Abbildung 1: Debian wird dieses Jahr zehn Jahre alt. Es ist eine der ältesten und größten Linux-Distributionen.
What's cooking - stimmt diesmal nicht so ganz, who's cooking wäre viel passender. Aber jeder bessere Reiseführer durch die Welt kulinarischer Genüsse beginnt ja auch mit einer Vorstellung der jeweiligen Küche. Also aus gegebenem Anlass:
Happy Birthday, Debian
Das offizielle Gründungsdatum des Debian-GNU/Linux-Projekts ist der 16. August 1993. Damit wird in diesem Jahr eines der größten freien Softwareprojekte zehn Jahre alt. Das ist sowohl für Entwickler als auch für die Benutzer ein Grund, überall auf der Welt Partys zu veranstalten[2].
Debians Geschichte ist beispiellos: Der Amerikaner Ian Murdock gründete im Jahre 1993 ein Projekt mit dem Ziel, eine Linux-Distribution zu erstellen, die komplett frei ist. Die Suche nach einem Namen für das frisch gegründete Projekt dauerte nicht lange: Ian setzte ihn aus dem Namen seiner Frau Debra und seinem eigenen zusammen. Er war anfangs noch selbst für die Releases verantwortlich, doch es gab bereits einige Entwickler, die ihm halfen. Im Januar 1994 brachte er Version 0.91 heraus. Sie enthielt zum ersten Mal eine Art Paketsystem und war zugleich die letzte "Ian Murdock only"-Release.
Die darauf folgende offizielle Version gab es erst im März 1995. Die Entwickler arbeiteten über ein Jahr daran, Debian intern umzubauen. Sie wollten auch Außenstehenden die Möglichkeit geben, dem Projekt zu helfen und die Entwicklung von Debian voranzutreiben.
Erstes Paketsystem
Ian Jackson hatte maßgeblichen Anteil daran: Er übernahm die Entwicklung von DPKG, dem ersten Paketsystem für Debian, das elementare Funktionen wie Paketabhängigkeiten unterstützte. Nach der Version 0.93R5 verließ Debian erstmals die x86-Gefilde: Hartmut Koptein portierte einen Großteil der Pakete auf die Motorola-M68k-Prozessorarchitektur. Auch für den PowerPC-Port war er verantwortlich, zusammen mit Martin Schulze und Vincent Renardias.
Mit der Veröffentlichung von Debian 0.93R6 im November 1995 war das Projekt auf ungefähr 60 Entwickler angewachsen. Kurz danach, im März 1996, verließ Ian Murdock das Projekt aus beruflichen Gründen. Sein Nachfolger als Debian Project Leader (DPL) war Bruce Perens. Er sorgte für die Entstehung der wichtigsten Dokumente des Projekts, der Debian Free Software Guidelines und des Social Contract[1].
Perens war auch die treibende Kraft hinter der Gründung von "Software in the Public Interest, Inc." (kurz SPI) im Juni 1997. Ursprünglich sollte SPI die Spenden an das Debian-Projekt verwalten, doch mittlerweile ist sie zentraler Anlaufpunkt für viele freie Projekte, die finanzielle Hilfe benötigen.
Die erste offizielle Wahl des DPL fand 1999 statt. Wichert Akkerman gewann die Stimmenmehrheit. Unter seiner Regie kam eine für Endanwender besonders wichtige Version zustande: Debian GNU/Linux 2.1 alias Slink hatte zum ersten Mal Apt mit an Bord, das zum Frontend für DPKG wurde. Apt ist heute äußerst beliebt - Portierungen auf Red Hats RPM beweisen das.
Den zunächst letzten großen Meilenstein setzte Debian 3.0 alias Woody im Jahr 2002: Es unterstützt elf verschiedene Computerarchitekturen und besteht aus mehr als 9000 Softwarepaketen, die von über 1000 Entwicklern gepflegt werden. Debian 3.1 (alias Sarge) soll ein weiterer Meilenstein werden: Zum ersten Mal kommt hier der Debian- Installer zum Einsatz, der das veraltete Boot-Floppies-System ablöst.