Aus Linux-Magazin 09/2003

2. European Python and Zope Conference

Abbildung 1: Unter die Konferenzbesucher mischten sich auch Moshe Zadka (mittleres Bild, links) und Python-Erfinder Guido van Rossum (rechts).

Mehr als 250 Teilnehmer trafen sich zur European Python and Zope Conference 2003 (EPC2003) Ende Juni in Charleroi, Belgien. Damit war sie etwas besser besucht als die erste im Vorjahr am gleichen Ort.

Abbildung 1: Unter die Konferenzbesucher mischten sich auch Moshe Zadka (mittleres Bild, links) und Python-Erfinder Guido van Rossum (rechts).

Abbildung 1: Unter die Konferenzbesucher mischten sich auch Moshe Zadka (mittleres Bild, links) und Python-Erfinder Guido van Rossum (rechts).

Diese zweite Konferenz setzte die kurze Tradition fort, die Denis Fr?re und Tom Deprez sowie viele Freiwillige mit wenig Geld, aber viel Engagement begründeten. Die Veranstalter präsentierten in diesem Jahr mit Zope einen zusätzlichen, dritten Track, womit die Themenpalette noch breiter als im Jahr zuvor bei der EPC2002 war. Der Zope-Teil befasste sich nicht nur mit den neuesten Entwicklungen zur kommenden Version 3, sondern enthielt auch spezielle Vorträge zu Extreme Programming und Unit-Testing mit Zope, Anwendungen in der öffentlichen Verwaltung sowie einer Reihe von Content-Management-Systemen wie Plone und Silva auf Zope-Basis.

Erfahrungsberichte

Der Python-Teil reichte von Details zur finalen Version 2.3 über einen Ausblick zu 3.0 bis hin zu exotischen Projekten wie Stackless Python, Psyco und Pypy. Hinzu kamen Erfahrungsberichte aus der Wirtschaft sowie viele Frameworks zur Visualisierung oder zu GUI-, XML- und Netzwerkanwendungen. Auf der offiziellen Website zur Konferenzreihe [http://www.europython.org] dürften bald viele Präsentationen für jene zum Herunterladen bereitstehen, die nicht dabei sein konnten. Ebenfalls ist dort die vollständig mit Python erstellte Konferenzbroschüre zu finden, die weiter gehende Informationen und einige interessante Interviews enthält.

Zum Ablauf der Python-Konferenzen gehört, dass neben dem Python-Erfinder Guido van Rossum ein Gastredner einen Keynote-Vortrag hält. Nach Eric S. Raymond im Jahr zuvor kam dieses Mal Francis Glassborow zu Wort, ein Rekord-Rezensionsschreiber, der rund 1000 Programmierbücher besprochen hat.

In seinem Vortrag “Building a Success-ful Distributed Community” erinnerte Glassborow daran, dass eine Community trotz aller Technik in erster Linie immer noch durch die Menschen und ihre Art miteinander umzugehen bestimmt wird. Alle technische Unterstützung könne nichts daran ändern, dass es, auch ihretwegen, zu Missverständnissen auf Grund unterschiedlicher Kulturen und mangelnder Sprachkenntnis kommt. Er muss es wissen, denn er prägte die international renommierte ACCU, die “Association for C and C++ Users” wesentlich mit.

Guido van Rossum teilte in seinem eigenen Keynote-Vortrag zuerst die üblichen Statistiken mit. Die Download-Zahlen für [http://www.python.org] gehen weiterhin kontinuierlich nach oben, wenngleich man natürlich nichts über Mirrors sagen kann.

Die Microsoft-Plattform, die quasi als einzige noch ohne Python ausgeliefert wird, hält dabei einen ziemlich konstanten Anteil von 65 Prozent. So bleibt weiterhin der Ruf nach einer PR-Offensive bestehen, wenn man erreichen will, dass jeder schon einmal von Python gehört hat – ähnlich wie bei Java.

Diskussionen

Die endgültige Version von Python 2.3 ist für August geplant, sie soll keinerlei bedingte Ausdrücke enthalten – das war ein großes Diskussionsthema zu Anfang dieses Jahres. Guido überließ die Entscheidung der Community, die sich zwar vehement, aber nicht eindeutig genug dazu geäußert hat.

Guido van Rossum scheint jetzt gegenüber dem Konzept der Interfaces nicht mehr abgeneigt zu sein. Weil es jedoch eine größere Änderung in der Sprache bedeute, wolle er es lieber gleich richtig machen oder gar nicht. Es ist also noch nicht so recht zu erkennen, ob und wann mit dieser Neuerung zu rechnen ist.

Sehr fasziniert scheint van Rossum von dem noch sehr jungen Projekt Pypy zu sein. Er nahm zudem an einem der Konferenz vorgeschalteten Sprint teil, bei dem die Teilnehmer in kürzester Zeit neue Features ausprobierten. Das Projekt setzt es sich zum Ziel, einen Python-Interpreter vollständig in Python selbst zu implementieren.

Das Projekt läuft seit Anfang des Jahres und bringt es immerhin schon auf etwa ein 20000stel der Performanz eines in C implementierten Interpreters. Durch einige sehr clevere Spezialisierungstechniken von Armin Rigos Psyco hofft man jedoch, diesen Faktor erheblich zu verbessern.

Entkoppelt

Die Entkopplung des Interpreters vom Laufzeitsystem bringt interessante Probleme und faszinierende Möglichkeiten bei der Generierung von mehr Typinformationen und der besseren Umwandlung von Python- nach C-Code sowie einer mehr datenbankorientierten Sichtweise von Python-Programmen mit sich.

Python 3.0 soll nach Guido van Rossum einige Spracheigenschaften weniger haben. Das bedeutet vermutlich die Eliminierung des noch existierenden String-Moduls und von Klassen klassischer Art, die Beseitigung von String-Ausnahmen sowie von »map« und »filter« zugunsten von List Comprehensions oder »lambda« zugunsten der Def-Anweisung, eine Vereinheitlichung der Funktionen »xrange« und »range« und eine weitere Harmonisierung bei Integers und Longs. Unklar ist jedoch, wann das passiert.

Jython

Einziges echtes Sorgenkind für ihn ist Jython: eine Python-Implementierung in Java (aktuell 2.1). Sie hat zwar viele Benutzer, aber zur Zeit nur einen Entwickler. Samuele Pedroni kann mit der schnellen Weiterentwicklung von Python allein nicht mehr mithalten, er braucht Unterstützung.

Die EPC2003 war samt den zwei vorgeschalteten Sprints (Zope und Pypy) ein voller Erfolg. Die meisten Teilnehmer planen laut einer Umfrage die Teilnahme auch im nächsten Jahr – wo immer sie stattfindet. Bleibt zu hoffen, dass die neue Sprint-Kultur weiter Fuß fasst, sie hat einige Bereiche der Python-Entwicklung sprunghaft vorangebracht. Wie sagte Francis Glassborow doch: “People matter!” (agr)

Abbildung 2: Workshop im Freien bei der zweiten Python- und Zope-Konferenz.

Abbildung 2: Workshop im Freien bei der zweiten Python- und Zope-Konferenz.

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