Open Source im professionellen Einsatz

Unified Messaging und Faxware mit David XL

Goliaths schwarzer Gegner

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Die Unified-Messaging-Software David ist als Windows-Software ein langjähriger, vergleichsweise kleiner Gegenspieler von MS Exchange. Nun ist David in der XL-Version auch für Linux-Server erhältlich. David bietet viele Fax-, E-Mail-, Voice-Mail, SMS- und Groupware-Funktionen.

Tobits Unified-Messaging- und Fax-System David ist in Unternehmen recht weit verbreitet. Die Serversoftware läuft auf Windows und Netware, die Clients fühlen sich nur auf Windows wohl. Jetzt legt der Ahauser Hersteller Tobit eine Linux-Variante auf, die Clients bleiben im Microsoft-Lager. Falls der Administrator eine bestehende David-Lösung auf Linux umstellt, bemerken die Anwender nichts von dem neuen Server-Betriebssystem. Installation und Administration von David XL laufen unter Linux jedoch anders als bei anderen Plattformen.

David XL zielt auf mittelständische und große Unternehmen und stellt ihnen eine vollständige Informationszentrale zur Verfügung. Die Anwender greifen über eine integrierte Clientsoftware, das Tobit Infocenter, auf alle Funktionen wie Mail, Team- und Dokumentenmanagement zu. Ihr Look & Feel erinnert stark an MS Outlook. Daneben gibt es - allerdings gegen Lizenzgebühr - eine Webclient-Alternative. Eine WAP-Schnittstelle erlaubt den mobilen Zugang via Handy oder PDA.

Auf der anderen Seite werkelt der so genannter Dv-ISE-Server. Er stellt die Dienste bereit und schlägt die Brücken zu Telefon, Fax und Internet. David XL erlaubt den Betrieb mehrerer Dv-ISE-Server, auf Wunsch mit automatischer Replikation. Zusätzlich kann der Admin den Server um Virenschutz und Backup-Funktionen erweitern. Die Verwaltung des Linux-Servers erfolgt remote über die Windows-Admin-Software, für die Linux einen Port offen hält.

Installation und Setup

Die Installation von David XL ist relativ einfach, da ein für SuSE Linux 8.0 und Enterprise Server, Red Hat Advanced Server 2.1, Red Hat 8.0 sowie Debian 3.0 geeignetes Skript mitgeliefert wird. Der Administrator führt die Server-seitige Konfiguration mit einem Administrations-Client - leider nur unter Windows - durch, der via SMB und Swat mit dem Server kommuniziert. Tobit möchte eine Konfigurationsmöglichkeit für die Linux-Kommandozeile nachreichen.

E-Mail, SMS und Fax

Das Client-Tool stellt seinen Anwendern die von gängigen E-Mail-Programmen bekannten Funktionen bereit. Das Abrufen von Nachrichten erfolgt per POP oder IMAP. Als MTA kommt wahlweise der David-eigene oder ein beliebiger externer Mailserver zum Einsatz. Zusätzlich bietet das Tobit Infocenter praktische Sonderfunktionen, beispielsweise zum Verfassen und Versenden von Serienbriefen. Unter Zuhilfenahme von Variablen verschickt der Anwender Mails an eine Liste festgelegter Mailadressen. Ein von Tobit speziell integriertes Prepaid-System ermöglicht das Versenden von SMS-Nachrichten ohne Mobilfunkvertrag. Falls gewünscht lassen sich eingehende E-Mails sofort auf ein Handy weiterleiten.

Beim Erstellen eigener Faxe - früher die große Domäne des Herstellers Tobit - wählt der Anwender komfortabel aus verschiedenen Vorlagen und Deckblättern. Eigene Logos und Unterschriften kann er dabei einbinden. Zwecks Gebührenoptimierung lassen sich Faxe zeitlich versetzt versenden. Die Serienfax-Funktion ist ähnlich einfach handhabbar wie die für Serien-E-Mails. Eingehende Faxe konvertiert der Server und stellt sie den Empfängern zu. Der Anwender kann sogar Elemente des Dokumentensystems (siehe unten) für ein eigenes Faxabruf-Systems nutzen. Weiterhin kann der Admin jedem der User eine eigene Telefon- und Faxnummer zuordnen, sie können so Faxe aus einer beliebigen Applikation versenden.

Zum Faxen muss im Server eine ISDN-Karte stecken, die von einem CAPI-Linux-Treiber unterstützt wird. In Frage kommen beispielsweise die passiven Fritz-Karten von AVM und Eicon. Weitere Linux-Software à la Hylafax ist nicht erforderlich, denn David XL enthält bereits eine eigene Lösung. Das Einrichten weiterer ISDN-B-Kanäle, etwa von Faxkarten oder GSM-Modems, erfordert allerdings weitere Ports.

David XL

Hersteller: Tobit

Internet: [http://www.tobit.com/germany]

Lizenzen: Basispaket für 5 Benutzer und 1 ISDN-Port ca. 1140 Euro für 50 Benutzer ca. 3920 Euro

Weitere 5 Benutzer ca. 450 Euro (David XL unterstützt maximal 1000 Benutzer und 250 Ports)

Web- und WAP-Modul ca. 450 Euro

Modul für Sprachausgabe und -erkennung ca. 920 Euro

OCR-Modul ca. 220 Euro

PDA-Synchronisation ca. 60 Euro

Vertrieb: Über Fachhändler, zum Beispiel Linuxland [http://www.linuxland.de]

Version Smart Start: Zeitlich auf drei Monate begrenzte, voll funktionsfähige Version. Auf der Homepage Liste mit Händlern, bei denen die Testversion erworben werden kann.

Abbildung 1: Über die Serienfunktion lassen sich Briefe, E-Mails und Faxe als Rundmail versenden. Der Clou: Für jeden Empfänger ist über ein Variablensystem beispielsweise eine persönliche Anrede wählbar.

Abbildung 1: Über die Serienfunktion lassen sich Briefe, E-Mails und Faxe als Rundmail versenden. Der Clou: Für jeden Empfänger ist über ein Variablensystem beispielsweise eine persönliche Anrede wählbar.

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