Erst seit Moneyplex 2001 steht für Linux-Anwender eine anspruchsvolle Finanzverwaltungs-Software bereit[1]. Das ist im Applikationenwettlauf mit Windows kein großes Manko - auch dort gibt\'s vergleichbare Programme nicht im Dutzend. Nach Moneyplex 2002 erscheint nun Version 2003 (intern 5.5), deren große Neuerung die Integration des neuen HBCI-PIN/TAN-Standards ist: Fin TS. Einige Sparkassen und Genossenschaftsbanken wollen Fin TS bald anbieten oder tun es bereits.
Bei Redaktionsschluss lag das endgültige Produkt noch nicht vor. Die Tester mussten es aus Moneyplex 2002 für Linux und einem Online-Update (2,7 MByte) synthetisieren - was sich einfach gestaltet: entweder mit dem Installationsassistenten für die Produktaktualisierung oder mit der Update-Funktion.
Statt gedruckter Handbücher befindet sich im Unterverzeichnis »../moneyplex/ linux« der CD eine »readme.txt«-Datei mit der Installationsanleitung. Diese war zum Test nicht aktuell, soll aber bis zur Auslieferung des Produkts aktualisiert sein. Ein 157-seitiges Handbuch in Form einer PDF-Datei ist nach erfolgter Installation über die eingebaute Hilfefunktion erreichbar - allerdings bezieht es sich auf die Version 2002.
Der Hersteller Matrica empfiehlt für Moneyplex Distributionen von Red Hat, Mandrake und SuSE. Für SuSE 7.0 und das Internetbanking mit dem PIN/TAN-Verfahren schreibt der Hersteller die Installation der OpenSSL-Bibliotheken vor. Der vorliegende Test wurde jeweils mit den aktuellen Distributionen von SuSE, Mandrake und Red Hat durchgeführt - mit vergleichbaren Ergebnissen. (Zum Thema Updates siehe Kasten "Update - mal einfach, mal trickreich".)
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Hersteller: Matrica Informationstechnologien GmbH, 73432 Aalen
Internet: [http://www.matrica.de]
Voraussetzungen: 64 MByte RAM, Grafikkarte mit 64k Farben und 800x600, 30 MByte frei auf der Festplatte
Preise: Moneyplex 2003 ca. 60 Euro, Moneyplex 2003 Pro ca. 80 Euro, Moneyplex 2003 Business ca. 200 Euro; auch Windows-, OS/2- und Windows/Linux-Bundle-Versionen erhältlich[5]
HBCI-Internetbanking: Versionen 2.01, 2.1 und 2.2 mit Diskette, Chipkarte und HBCI-PIN/TAN
PIN/TAN ohne HBCI: Möglich mit Postbank, Spardabank, Netbank, PSD-Bank, Consors
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Die Installation ist simpel
Die Installation sollte unter dem Account des späteren Moneyplex-Benutzers passieren. Der Vorgang startet mit der Eingabe von »sh setup.sh«. Nun muss man nur noch den Anweisungen der Installationsroutine folgen - die Standardvorgaben sind meist passend. KDE- und Gnome-Besitzer finden anschließend ein Moneyplex-Icon auf ihren Desktops. Beim ersten Programmstart meldet sich Moneyplex mit dem Fenster für die Produktregistrierung - Seriennummer und Benutzerdaten sind jetzt gefragt. Zudem speichert Moneyplex statistische Daten über das Rechnersystem (Betriebssystem, Prozessor) - abschaltbar ist dieses Verhalten nicht.
War die Seriennummer gültig, erscheint der Dialog zur Konfiguration. Wenn das Internetbanking mit einem Chipkartenleser laufen soll, muss der Benutzer die Schnittstelle angeben, an der das Gerät hängt, etwa »COM2«. Der Pfad zum Treiber für das Chipkartenlesegerät muss bekannt sein und wird direkt eingetippt (Abbildung 1). Für den Test stand ein Kaan Professional von Kobil zur Verfügung. Den aktuellen Treiber bietet Kobil zum Download[2]. Matrica liefert auch Treiber, sie liegen unter »../moneyplex /ctapi«, für folgende Geräte:
Abbildung 1: Wenn das Internetbanking mit einem Chipkartenleser laufen soll, muss der Benutzer die Schnittstelle angeben.
- Kobil Kaan Standard Plus (seriell)
- Kobil Kaan Professional (seriell)
- Reiner SCT Cyberjack Pinpad (USB)
- Reiner SCT Cyberjack E-com (USB)
Für Geräte von Towitoko (Chipdrive Micro, Extern, Extern II, Intern und Twin) existiert ein Open-Source-Treiber im Internet[3]. Zu dessen Installation reicht:
configure
make
make install
Der Treiber liegt danach im Verzeichnis »/usr/local/towitoko/lib«. Im Test funktionierte er mit einem externen Towitoko Microdrive einwandfrei.
Moneyplex unterstützt ebenfalls den Cyberjack Biometric der Firma Reiner SCT, einen Cyberjack E-com, der um einen Fingerabdruck-Scanner erweitert ist und so dem Benutzer die PIN-Eingabe erspart[4]. Ein Klick auf den »Test«-Button im Einstellungsdialog bestätigt, ob der Chipkartenleser erkannt wird.
Beim Beenden des Dialogs meldet sich Moneyplex nachhaltig mit der Bitte, den Pfad (voreingestellt ist »/media/floppy«) für das Diskettenlaufwerk einzugeben - selbst wenn keine Floppy, sondern eine Chipkarte zum Einsatz kommt. Richtig ist etwas in der Art von »/dev/fd0«. Nach Verlassen des Dialogs meldet sich der »Assistent für die Online-Produktaktualisierung« und verlangt nach einer Internetverbindung.
Nun muss der Benutzer die Daten des Mandanten eingegeben - meist werden es seine eigenen sein -, für den Moneyplex Bankdaten verwalten soll. Im Anschluss ist die HBCI-Version auszuwählen. Die Version sollte unbedingt korrekt sein, da sonst mit massiven Problemen beim Verbinden mit dem Kreditinstitut zu rechnen ist (siehe Abbildung 2).
Abbildung 2: Die Angaben zum HBCI-Banking sollten unbedingt korrekt sein, da sonst mit massiven Problemen beim Verbinden mit dem Kreditinstitut zu rechnen ist.
Nun stellt Moneyplex eine Verbindung zur Bank her und versucht Kontodaten einzulesen. Voraussetzung dafür ist ein gültiges Sicherheitsmedium (Chipkarte oder Diskette), das die Bankverbindung speichert. Beim Test las Moneyplex Girokonto, Sparbücher und Darlehenskonten klaglos ein und zeigte eine entsprechende Liste. Wertpapierdepots sind bei den Kontos nicht gelistet, sondern kommen unter »Depots« zu liegen.
Großer Funktionsumfang
Moneyplex verwaltet bei Bedarf mehrere Konten und Depots zugleich. Die Standard-Edition kann nur einen, die Pro-Version zwei Mandanten versorgen. Moneyplex kommt ähnlich wie der Windows-Platzhirsch Quicken mit jeder Menge Funktionen daher: So verwaltet es Überweisungen, Daueraufträge, Terminzahlungen, Sammelüberweisungen und Lastschriften. Außerdem überträgt das Programm diese so genannten Geschäftsvorfälle online an die Hausbank. Neben HBCI mit Chipkarte und Schlüsseldiskette geht das neu auch nach dem HBCI-PIN/TAN-Standard. Das konventionelle PIN/TAN-Verfahren funktioniert nur mit einigen wenigen Banken.
Das Programm archiviert alle Umsätze im Kontobuch, sie stehen dort für Auswertungen zur Verfügung. Eine Buchung wird der Benutzer meist einer Kategorie zuordnen. Als sehr nützlich erwies sich dabei die Autokategorisierung, die auf definierte Textmuster im Verwendungszweck der Buchung anspricht. Taucht auf einem Konto eine neue Buchung mit eben diesem Textmuster auf, ordnet sie Moneyplex automatisch der betreffenden Kategorie zu. Die Autokategorisierung funktioniert auch rückwirkend für vorhandene Buchungen.
Abbildung 3: Einnahmen- und Ausgabenrechnung per Auswertung-Modul.
Das Auswertung-Modul (Abbildung 3) zeigt anhand der Kategorien die Einnahmen- und Ausgabenrechnung grafisch an. Im Finanzzentrum (Abbildung 4) verschafft sich der Anwender einen Überblick über alle Konten- und Depotbestände, er erhält einen Überblick über die aktuelle Einnahmen- und Ausgabensituation und sieht den Verlauf ausgewählter Aktienkurse und Devisen. Beim Einrichten der Ansichten im Finanzzentrum hilft ein Einrichtungsassistent mit Vorschaufunktion.
Abbildung 4: Dank Finanzzentrum behält der Moneyplex-Anwender den Überblick.
Moneyplex importiert Daten aus allen gängigen Finanzprogrammen. Die Liste ist sehr reichhaltig: Mit dabei sind QIF (Quicken, MS Money, WISO), CSV (T-Online, Advancebank und Hypovereinsbank Homebanking), TXT (Star Money 2 und 3), SWIFT, MT940 (Abbildung 5). Natürlich tauscht Moneyplex mit allen Matrica-eigenen Anwendungen Daten aus. Der Datenexport beschränkt sich bis zur Pro-Edition auf ein hauseigenes XML-Format, die merklich teurere Business-Version bietet ein paar mehr.
Abbildung 5: Moneyplex bietet viele Importfilter, was den Umstieg von anderen Produkten erleichert.