Open Source im professionellen Einsatz

Die monatliche GNU-Kolumne

Brave GNU World

Diese Kolumne berichtet aus Sicht des GNU-Projekts und der FSF über Projekte und aktuelle Geschehnisse aus dem Umfeld freier Software und versucht Einblicke in die zugrunde liegende Philosophie zu vermitteln. In dieser Ausgabe: Datenbank für freie Treiber, LibQGL Viewer sowie Fragen zu Urheberrecht und zur FLA.

Willkommen zu einer neuen Ausgabe der Brave GNU World - ich hoffe, dass nach der letzten Ausgabe nicht zu viele Leser dem PyDDR-Fieber verfallen sind und sich mit Muskelkater von der Lektüre abgewandt haben.

Fehlende Linux-Treiber

Zurück zum Ernst das Lebens. Eins der größten Probleme für Anwender freier Betriebssysteme sind Treiber: Die frisch gekaufte Hardware war schnell eingebaut, doch die mitgelieferten Treiber sind nur für Windows zu gebrauchen. Wer nicht bereits vor dem Kauf der Hardware viel Zeit in die Internet-Recherche gesteckt hat, braucht nun manchmal Stunden, um die richtigen Treiber zu finden und zu installieren. Im Extremfall wird die entsprechende Hardware gar nicht oder nur unzureichend unterstützt. Veraltete Informationen, nicht gepflegte Links oder die eingestellte Entwicklung mancher Treiber verschlimmern die Situation.

Das ist streng genommen meist dem Unwillen der Hersteller zuzuschreiben, die sich oft einfach nicht darum kümmern, ihre Hardware auch abseits des Windows-Monopols zu verkaufen, und somit einen Teil des Marktes nicht ernst nehmen. Dabei müsste gar nicht jeder Hersteller jeden Treiber auch unbedingt in Eigenregie erstellen. Oft gibt es Freiwillige, die im eigenen Interesse die Entwicklung eines solchen Treibers übernehmen möchten.

Im Normalfall erfahren diese Entwickler nur wenig Unterstützung. Schlimmer noch, manche Hardwarehersteller versuchen aktiv, sich gegen diesen Versuch der Vergrößerung des eigenen Marktpotenzials zur Wehr zu setzen. Es gibt mittlerweile zunehmend Ausnahmen, die das Potenzial des Marktes freier Software verstehen. Sie bemühen sich darum, Treiber zur Verfügung zu stellen oder deren Entwicklung zu fördern. Aber die Regel ist es nicht.

Dabei sind ausschließlich von den Herstellern geschriebene und mitgelieferte Treiber nur die zweitbeste Lösung. Ideal wäre eine Plattform, auf der die Hersteller die Treiber gemeinsam mit interessierten Unternehmen und Freiwilligen entwickeln und warten. Auf diese Art und Weise ist nicht nur die Wartung der Treiber über Jahre nach dem Produktionsstopp möglich, sondern es entstehen auch Synergien.

Proprietär nur zweite Wahl

So verwenden heutzutage viele Karten unterschiedlicher Hersteller identische Chipsätze. Hier kann also viel Mehrfacharbeit vermieden werden. Auch die Entwicklung von Treibern, die mit mehreren Betriebssystemen funktionieren, oder die Portierung eines bestehenden Treibers auf eine neue Hard- oder Softwareplattform wären denkbar.

Im Ergebnis würden Hardwarehersteller, die sich in einen solchen Prozess einbrächten, einen deutlich höheren Nutzen ihrer Hardware in Kombination mit einer stärkeren Kundenbindung erreichen, denn der Kunde wüsste, dass die Unterstützung nicht in ein oder zwei Jahren plötzlich verschwindet. Von einem größeren Absatzmarkt einmal ganz zu schweigen.

Eingangsportal eines solchen Systems müsste eine Datenbank sein, die es erlaubt, Informationen über bestimmte Produkte eines Herstellers, nach den vorhandenen Treibern und deren Status zu suchen. Ein Nutzer könnte direkt erfahren, ob es für eine Hardware Treiber gibt und ob diese beispielsweise stabil, nur für Entwickler geeignet, verwaist oder veraltet sind.

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Ausgabe 07/2013

Preis € 6,40

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