Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2003

Wenn die Datentiefe bei einem Millimeter liegt

Spanabhebende Datenverarbeitung

Es kreischt wie ein Zahnarztbohrer oder klappert wie ein Fernschreiber: Der Tod einer Festplatte lässt fast jedem kalte Schauer über den Rücken laufen. Wenn es beim Einspielen des Backups dann Probleme gibt, ist guter Rat sprichwörtlich teuer.

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Die Todesarten von Festplatten sind vielfältig: Überhitzung, Headcrash, festsitzende oder abgerissene Köpfe, ausgeschlagene Lager, statische Aufladung, ausgetrocknete Kondensatoren, durchgebrannte Signalverstärker, Schmutz auf den Datenscheiben. Nach Murphy kommt ein Festplattenschaden immer ungelegen, meist unvermittelt - aber nur selten lautlos. Oft kündigt sich der Tod einer Festplatte durch eine charakteristische Veränderung des Betriebsgeräuschs an. Datenrettungsunternehmen wie J. Kupfrian MSS-Media können durch Analyse von Laufgeräusch und Vibrationen Art und Ausmaß des Schadens beim Betrieb beurteilen, ohne das Laufwerk zu öffnen (Abbildung 1).

Das veränderte Laufgeräusch einer Festplatte oder massives Auftreten von schlechten Sektoren sollte jeden Administrator alarmieren: Dann ist schnelles, aber besonnenes Handeln gefragt. Wer etwa schnell alle Partitionen mountet und die Dateien in Sicherheit bringen will, verwandelt bei einem Headcrash oder abgerissenen Kopf die magnetische Beschichtung der Platters schnell in Staub - spätere Datenrettung aussichtslos. Läuft die Festplatte noch, sollte man die Partitionierungsdaten notieren und die Platte dann sofort abschalten.

Professionelle Datenrettung

Die Entscheidung, eine defekte Festplatte an professionelle Datenretter zu geben, fällt angesichts der Kosten nicht gerade leicht. Schon die Bestandsaufnahme, also wie aussichtsreich die Datenrettung erscheint und was sie voraussichtlich kosten wird, schlägt mit 100 bis 300 Euro zu Buche.

Grundsätzlich gilt: Je weiter man die zu rettenden Dateien und ihre Position auf der Festplatte eingrenzen kann, desto leichter und billiger wird die Datenrettung respektive die logische Analyse. Hilfreich ist es zum Beispiel, die Partitionierungsdaten sowie Informationen über die verwendeten Dateisysteme mitzuschicken. Eine Kopie des letzten Backups liefert den Datenrettern zusätzliche Informationen über die Datei- und Verzeichnisstruktur und aus einer alten Version der benötigten Dateien lassen sich in besonders schweren Fällen noch Suchmasken generieren.

Alle Datenträger sollten sorgfältig verpackt werden, um weitere Schäden auf dem Transportweg auszuschließen. Bei Festplatten bedeutet das in jedem Fall eine antistatische und gut gepolsterte Verpackung. Sind in einem Raid-System mehrere Festplatten gleichzeitig ausgefallen, sodass ein automatisches Recovery nicht mehr möglich ist, ist das gesamte Raid mit Controller einzuschicken. Auch hier sind eigene Rettungsversuche nicht ratsam, meist wird mehr beschädigt als gerettet.

Rettungsfreundliche Dateisysteme

Bei den Dateisystemen gibt es Unterschiede, wenn auch relativ kleine. "Alle verfügbaren Linux-Dateisysteme profitieren grundsätzlich von der wesentlich besseren Dokumentation, verglichen mit proprietären Dateisystemen", so Peter Franck, Datenrettungs-Experte der Firma Ibas. Das Second Extended File System (Ext 2), da sind sich die Datenretter einig, ist am einfachsten zu handhaben und bietet bei den Unix-Dateisystemen die besten Aussichten auf erfolgreiche Datenrettung.

Holger Engelland von Kroll-Ontrack berichtet dagegen von Ext 3, dass die Inodes versehentlich gelöschter Dateien sehr schnell überschrieben werden und man nur bei kompletter Analyse des Laufwerks eine Chance auf Wiederherstellung hat. Ein weiteres Problem seien die Journals bei allen Journaling Filesystems wie Ext 3, JFS, XFS und Reiser-FS: Bei logischen und physikalischen Schäden in den Journalen käme man meist nur durch eine Analyse der einzelnen Sektoren weiter, Dateizusammenhänge ließen sich schwer wiederherstellen.

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