Willkommen auch in diesem Monat, und zwar zur fünfzigsten Ausgabe der Brave GNU World. Sie fährt an der Stelle fort, wo die vorherige aufgehört hat, nämlich beim weiten Feld der Audio-Applikationen.
LAOE[5] ist ein grafischer Soundeditor, an dem sein Entwickler, Olivier Gäumann, bereits seit Juli 2000 arbeitet. Seit kurzem ist das Programm als freie Software unter der GNU General Public License (GPL) verfügbar.
LAOE, ein künftiges Gimp für Töne
Olivier begann das Projekt, weil er lange erfolglos nach einer ähnlichen Anwendung suchte. Da er aber kein professioneller Musiker ist, ging die Entwicklung am Anfang nicht ganz ohne Irrwege und Schwierigkeiten ab. Das Design von LAOE orientiert sich an dem freien Grafikprogramm Gimp[6]. Es folgt einem Layer-basierten Ansatz mit zahlreichen Plugins und Effekten. Olivier möchte letztendlich einen Soundeditor zusammenstellen, der in seiner Funktionalität ähnlich komplett ist wie die heutigen Grafikprogramme.
Abbildung 1: Der Soundeditor LAOE lehnt sich in Erscheinung und Bedienkonzept an das Grafikprogramm Gimp an.
LAOE ist in der Lage, MP3-, WAV-, AU-, AIFF- und GSM-Files zu lesen und WAV und AIFF auszugeben. Die Implementation eines eigenen LAOE-Formats, in dem auch die unterschiedlichen Schichten und Einstellungen erhalten bleiben, ist ebenfalls geplant.
LAOE unterstützt beliebig viele Kanäle und Schichten, deren Zahl allein durch die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Hardware begrenzt ist. Für die Soundbearbeitung kommen ausschließlich Fließkomma-Operationen zum Einsatz; das soll eine möglichst hohe Präzision sicherstellen. Neben Standardfunktionen wie Kopieren, Einfügen, Ausschneiden und Verschieben ist auch ein ausgefeiltes und prinzipiell unbegrenztes Undo zum Wiederherstellen von älteren Zuständen möglich. Zudem können Bereiche anhand von bestimmten Parametern ausgewählt werden.
Neben den Werkzeugen zur Analyse verfügt LAOE auch über Wellenform-Generatoren und verschiedene Funktionen zur Amplitudenmodifikation. Die Überführung in den beziehungsweise in die Bearbeitung im Frequenzraum mittels Fast-Fourier-Transformation (FFT) wird ebenso unterstützt wie das Filtern anhand bestimmter Parameter und Frequenzen. Daneben bietet dieses Projekt viele Effekte, etwa verzögertes Echo, Pitch-Manipulation, Disharmonie-Plugin und Zeitmanipulationen. Außerdem ist es möglich, Spektrogramme anzuzeigen und direkt zu editieren.
Usability keine Nebensache
Auch auf die Bedienbarkeit hat Olivier bereits einige Zeit verwandt, so versteht LAOE auch Mouse-Stroke Shortcuts, die es beispielsweise erlauben, über das Zeichnen eines einfachen u mit der Maus das Plugin für die Undo-History aufzurufen. Wem das noch nicht genügt, der ist natürlich herzlich eingeladen, seine eigenen Effekte und Erweiterungen als Plugins beizusteuern.
Die Entwicklung von LAOE selbst ist bereits sehr fortgeschritten, sodass Olivier eigentlich plant, sich stärker auf die Dokumentation zu konzentrieren, um das Projekt populärer zu machen. Eine Kurzreferenz beziehungsweise Menükarte existiert bereits. Allerdings reißt die Zahl der Vorschläge und Änderungswünsche im Moment nicht ab, weshalb sich die weitere Dokumentation noch etwas verzögern könnte.
Der größte Nachteil von LAOE ist derzeit, dass das gesamte Musikstück in den Arbeitsspeicher geladen werden muss. Es ist deshalb nur für Musikstücke bis etwa fünf Minuten Länge vernünftig einsetzbar. Außerdem kam als Programmiersprache Java zum Einsatz - mit den schon in der letzten Ausgabe beschriebenen Problemen[7]. LAOE hängt also momentan noch von einer proprietären Plattform ab.
Ob die Zukunft nun ein freies Java bringt oder den Einsatz einer anderen Sprache - möglicherweise auch zur Vermeidung technischer Probleme -, in jedem Fall ist LAOE ein hochinteressantes Projekt, mit dem wieder ein Schritt in Richtung professioneller Audio-Applikationen getan wurde.
Abbildung 2: Die Menu Cards für den LAO-Editor. Sie bilden den Grundstock der Software-Dokumentation.
Auch wenn Olivier bisher nach eigenem Bekunden nur relativ wenig Unterstützung von anderen erhalten hat, weiß er diese zu schätzen. Er sucht also ausdrücklich nach Freiwilligen, die Lust dazu haben, mit ihm gemeinsam an diesem Projekt weiterzuarbeiten. Näheres dazu ist auf der LAOE-Homepage[5] zu finden.