Am 14. und 15. März war das Zentrum für Kunst und Neue Medien (ZKM)[2] in Karlsruhe Schauplatz des ersten offiziellen Treffens der Mitglieder der Linux Audio Developers Mailingliste[1]. Schon vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung gaben sich die etwa 30 beteiligten Entwickler vor Ort ein Stelldichein. Schließlich war es das erste Treffen, das auch dem persönlichen Kennenlernen der sonst per Mailingliste kommunizierenden Aktivisten diente.
Zu Beginn gesellten sich zu den Aktiven rund 50 Interessierte am Vortragssaal des ZKM, um technisch informativen und zugleich unterhaltsamen Darbietungen beizuwohnen. Diese Hoffnung erfüllte sich sogleich mit der Keynote des ersten Tages von Paul Davis, Entwickler der Harddisk-Recording-Applikation Ardour[3]. Er gab eine umfassende Orientierung über die Technik der Linux Audio Infrastruktur und der besonders aktiven Projekte Alsa, Jack und Ladspa.
Mit Blick über den Tellerrand benannte er proprietäre Software für andere Plattformen und den positiven Einfluss des BSD-basierten Mac OS X auf die Entwicklung von Audiosoftware für Linux. Selbstkritisch sprach er die Benutzbarkeit an und verwies auf den Softwaresynthesizer Steinberg Halion[4] als Vorbild für intuitive Bedienbarkeit. Als Ansporn für die Entwicklergemeinde beklagte er den Mangel an Linux-Applikationen, die ein vergleichbares Maß an Software-Ergonomie aufweisen.
Abbildung 1: Die Aktiven der Mailingliste kommen aus neun Ländern, sie sahen sich in Karlsruhe das erste Mal.
Alles mit Alsa
Takashi Iwai und Jaroslav Kysela fassten in aufeinander folgenden Vorträgen die Struktur und Funktionalität der von den meisten Projekten als Kernel-Schnittstelle verwendeten Advanced Linux Sound Architecture[5] (Alsa) zusammen. Ihre Schwerpunkte waren Techniken der Speicherallozierung, Portabilität und die Abstraktion der Soundhardware-Bussysteme USB, PCI und PCMCIA.
In der Folge machte Paul Davis den aus den Ardour-Quellen hevorgegangenen High-End-Soundserver Jack [6] zum Thema, der es Audio- und Video-Anwendungen gestattet, synchron miteinander zu kommunizieren. Ardour und verschiedene Soft- und Hardwaresynthesizer sind zu einem virtuellen Aufnahmestudio verschaltbar, das klanglich unbeeinflusst durch auf demselben Rechner laufende Anwendungen ist.
Zeitreise mit Hindernissen
Den vorletzten Beitrag am Eröffnungs-Freitag bestritt Frank van de Pol, der den Zuhörern die auch für Jack grundlegenden Begriffe der Echtzeitsynchronisation erklärte. Primär ging es um die verschiedenen Zeitgattungen (Systemzeit, Medienzeit und Musikzeit) und die damit verbundenen Probleme wie Unregelmäßigkeiten beim Füllen von Puffern (Jitter) sowie den Umgang mit unvermeidlichen Verzögerungen (Delay).
Den Ausklang des ersten Tages bildete eine Demonstration, bei der die Organisatoren des Treffens, Frank Neumann und Matthias Nagorni, den Austausch von Musik- und Klangdaten zwischen einem Hardwaresynthesizer und dem - auch in den anderen Demonstrationen gern verwendeten - Alsa Modular Synth via Jack vorführten.
Den Tagungs-Samstag eröffnete wieder Paul Davis, diesmal mit tieferen Aspekten der Echtzeitprogrammierung und Synchronisation - der Schlüsseltechnologie bei der Audio-Entwicklung. Während der Vortrag von Frank de Pol am Vortag allgemeiner gehalten war, beleuchtete Davis spezielle Techniken bei der Pufferallokation und Designprinzipien wie MVC (Model View Controller). MVC erlaubt es, die Komponenten einer komplexen (Audio-)Anwendung klar aufzuteilen, die Teile sind leicht austausch- und erweiterbar. Einen anderen Teil seines Vortrags widmete Paul Davis den spezifischen Problemen der Midi-Synchronisation, die - seiner Ansicht nach - Entwicklern eine "an Masochismus grenzende Zähigkeit" abverlange.
Danach kam Steve Harris aufs Podium, um die Ladspa-Entwicklung [7] zu skizzieren. Die generische Schnittstelle Ladspa (Linux Audio Developers Simple Plugin API) ermöglicht es, Klangfilter in Anwendungen einzubinden. Steve Harris erklärte sowohl mehrere Modulationstechniken, zum Beispiel die Ringmodulation, als auch, wie der Rahmencode von Plugins automatisch aus XML-Dateien erzeugt wird.
Abbildung 2: Beim Expertentreffen bekam Tux zwei Tage lang was auf die Ohren.