Open Source im professionellen Einsatz

Die monatliche GNU-Kolumne

Brave GNU World

Diese Kolumne berichtet über aktuelle Entwicklungen innerhalb des GNU Projekts und versucht, Einblicke in die zugrunde liegende Philosophie zu vermitteln. In dieser Ausgabe: Skidbladnir, Lush, JMax, die Probleme mit Java-Abhängigkeiten sowie PyMax, die Python-Variante von Max.

Willkommen zu einer neuen Ausgabe der Brave GNU World. Für den Ausfall letzten Monat möchte ich mich entschuldigen, leider gab es Ärger mit dem Linux-Magazin: Die Redaktion hatte in Ausgabe 48 im vorletzten Magazin einen Teil der Kolumne ("Freie Software Laptops") nicht abgedruckt, der online nachzulesen ist[5]. Das hat zu einer gewissen Verstimmung und in Folge zum Ausfall der Brave GNU World des letzten Monats geführt. Doch nach intensiven Gesprächen sollte dies der Vergangenheit angehören.

Deshalb gleich zum ersten Projekt in diesem Monat: Skidbladnir,[5]. Sein Name dürfte vielen Lesern ähnlich wenig sagen wie seine Beschreibung. In den Worten des Autors Lars Brand handelt es sich um eine "Toolbox mit Informationen und Programmen zum Thema Computer-aided Innovation". Spannend ist der Hintergrund des Projekts. Die wissenschaftliche Grundlage von Skidbladnir ist die "Theorie des erfinderischen Problemlösens" des russischen Professors Altschuller, im Deutschen ist es üblich, sie mit dem russischen Akronym TRIZ abzukürzen, im Englischen als TIPS (Theory of Inventive Problem Solving. Altschuller begann diese Theorie im Jahr 1946 zu entwickeln, als er von der Armee als Patentingenieur eingesetzt wurde.

Innovationen durch Skidbladnir

Abbildung 2: Skidbladnir ist nicht nur ein Schiff in der skandinavischen Mythologie, sondern auch der Name eines Projekts zur computergestützten Innovation.

Abbildung 2: Skidbladnir ist nicht nur ein Schiff in der skandinavischen Mythologie, sondern auch der Name eines Projekts zur computergestützten Innovation.

Er entschied sich dafür, Stalin die ersten Grundzüge seiner Theorie in einem Brief mitzuteilen, worauf dieser ihn als verdächtiges Subjekt inhaftieren und in ein Lager verbringen ließ. Dort traf er auf viele ältere Professoren aus unterschiedlichen Wissensgebieten, die ihm dabei halfen, Wissen über diverse Fachgebiete zu kombinieren. Aus dem Lager entlassen, aber gegen Ende der 60er bis Mitte 70er Jahre erneut in Ungnade gefallen, begann er seine Erkenntnisse in Form von Science-Fiction-Erzählungen zu veröffentlichen, um sie trotz des Verbots populär zu machen und Geld für seine Forschungen zu haben. Dazu wählte er das Pseudonym Genrich Altow.

Wissenschaftler schreibt SF

Abbildung 1: Dieses Moonlander-Spiel entstand in der Sprache Lush, die eigentlich von Wissenschaftlern für Wissenschaftler geschrieben wurde.

Abbildung 1: Dieses Moonlander-Spiel entstand in der Sprache Lush, die eigentlich von Wissenschaftlern für Wissenschaftler geschrieben wurde.

Auf Deutsch erschienen diese Erzählungen erstmals 1977 in der DDR unter dem Titel "Der Hafen der steinernen Stürme."

Die TRIZ-Theorie basiert auf der Beobachtung, dass sich abstrahierte Problemstellungen und deren Lösungen immer wiederholen, und zwar unabhängig von Wissenschaftszweig oder Industriesparte. So wurde zum Beispiel bei der Analyse von etwa 40000 besonders erfolgreichen Patenten festgestellt, dass sie nur auf etwa 40 unterschiedlichen Lösungsprinzipien beruhen.

Eine weitere Annahme der Theorie ist, dass die Evolution technischer Systeme nach bestimmten Tendenzen verläuft und sich grundlegende Innovationen oft nur durch fachfremde wissenschaftliche Erkenntnisse hervorbringen lassen. Es geht also um eine Abstraktion von Problemlösungsstrategien.

Eine häufig gebrauchte Beispielaufgabe ist: Ein massiver Stahlwürfel von einem Meter Kantenlänge ist in eine tiefe Grube zu bewegen, ohne dass Kräne, Seile oder ähnliche Hilfsmittel benutzt werden. Er darf aber auch nicht geworfen werden. Entwickeln Sie binnen zehn Minuten drei entsprechende Verfahren.

Das bekannteste Projekt zur softwaregestützten Lösung solcher und anderer Probleme ist der Tech Optimizer, der - wie andere Applikationen auf diesem Gebiet - proprietär und sehr teuer ist.

Skidbladnir soll dessen Funktionalität auch Nutzern freier Software zur Verfügung stellen. Das Projekt besteht neben den Installationsroutinen aus drei Komponenten: Andax, das die Grundprinzipien zur Lösung technischer Widersprüche beinhaltet, Sporadikus für das Web-Brainstorming sowie Perplexus, in dem über 250 vorwiegend physikalische Effekte verfügbar sind.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Als digitales Abo

Als PDF im Abo bestellen

comments powered by Disqus

Ausgabe 07/2013

Preis € 6,40

Insecurity Bulletin

Insecurity Bulletin

Im Insecurity Bulletin widmet sich Mark Vogelsberger aktuellen Sicherheitslücken sowie Hintergründen und Security-Grundlagen. mehr...

Linux-Magazin auf Facebook