Die bevorstehende Einstellung des Supports für Microsoft Exchange 5.5 bringt die Altkunden des Redmonder Unternehmens in arge Versuchung, einen Umstieg zu Linux-basierten Groupware-Alternativen zu wagen. SCO (einst Caldera) begibt sich mit dem SCO Office Mail Server in diesen illustren Kreis, denn auch die Amerikaner haben einen funktionalen MAPI-Connector für Outlook entwickelt.
Ergänzend zum Schwerpunkt im Linux-Magazin 3/03 - damals war das Produkt noch nicht lieferbar - haben wir es im Folgenden unter die Lupe genommen.
Den Server installieren und administrieren
Von der Client-Seite abgesehen war schon das SCO-Vorgänger-Produkt, der Volution Messaging Server, stabil und einfach zu installieren. Der SCO Office Mail Server führt dessen Konzept weiter. Er läuft auf vielen Linux-Distributionen und auf SCO Open Unix mit Linux Kernel Personality. Die grafische Installationsroutine startet von CD durch das Skript »install.sh«.
Der Installer erkennt fehlende, für den Betrieb des Mailservers zwingend erforderliche Pakete wie Cyrus IMAP oder Postfix und installiert sie. Im Anschluss an die Basisinstallation erledigt der Administrator seine Arbeit mit dem vom Volution Server bekannten Webfrontend über eine SSL-gesicherte Verbindung: »https:// Servername«.
Der zur Kommunikation mit dem Webfrontend erforderliche Webserver Apache wird im Zuge der Installation automatisch konfiguriert und gestartet. Man gelangt über die voreingestellte Username-Passwort-Kombination »admin | admin« in den Administrationsbereich. Hier bietet es sich zunächst an, das Standardpasswort zu ändern.
Das übersichtliche Webinterface ist gegenüber seinem Vorgänger optisch und funktionell kaum verändert. Elementare Konfigurationsmaßnahmen sind das Setzten des Domain-Namens und das Hinzufügen der Benutzer und ihrer Aliase (siehe Abbildung 1). Alle Angaben speichert das installierte LDAP-Verzeichnis dauerhaft.
Im Menüpunkt »System« ändert der Administrator sein Passwort oder lässt sich die laufenden Prozesse auf dem SCO Office Server anzeigen. Hier vergibt er auch erweiterte Zugriffsrechte für die Benutzer. Im Gegensatz zu SuSE Openexchange gibt es jedoch kein komfortables Postfix-GUI. Er muss den MTA per Editor konfigurieren.
Auch der normale Anwender kann das Administrations-Webfrontend über einen Browser aufrufen, sofern der Administrator dies zuvor im Zugriffsprofil erlaubt hat. Alle Benutzer dürfen in jedem Fall ihre persönliche Einstellungen anpassen und Mail-Weiterleitungen konfigurieren.
Abbildung 1: Das Web-basierte Administrationsfrontend des SCO-Mailservers ist sehr übersichtlich - vielleicht auch, weil der Admin Postfix von Hand konfigurieren muss.
Outlook-Anbindung über MAPI oder IMAP
Anders als bei den Server-Komponenten hat sich gegenüber dem Volution Messaging Server bei der Windows-Client-Anbindung viel zum Positiven geändert. Der Mail-Connector erlaubt es nun, in Outlook die Nachrichten-, Kalender- und Kontakt-Informationen mit einem Internet Mail Access Protocol Service (MAPI) abzugleichen. Dazu müssen Outlook 98 und 2000 im Corporate-Workgroup-Modus laufen. Bei Outlook 97 und Outlook 2002 ist das nicht nötig, da bei denen diese Services zum Default-Funktionsumfang gehören.
Der MAPI-Connector integriert eine neue Werkzeugleiste für die Collaboration-Funktionen in das Outlook-Menü, die dem Benutzer das Einrichten seines E-Mail-Accounts oder das Anpassen der Synchronisation (Replikation) ermöglicht. Außerdem kann er hier Zugriffsberechtigungen für Ordner und dergleichen mehr einstellen. Damit ist SCO der Replikationsleistung des Openexchange- Servers von SuSE einen Schritt voraus, zumal SuSE trotz Ankündigung zur diesjährigen CeBIT eine Outlook-Echtzeitanbindung nicht vorweisen konnte.
Wer ohne MAPI seine Clients per IMAP mit dem Cyrus-Server synchronisieren will, freut sich über ein Feature der Server-Seite: Über das Menü »Client-Setup« ist es möglich, IMAP-Clients wie Outlook Express oder Outlook automatisch zu konfigurieren, also die dort benötigten Benutzerkonten zum Zugriff auf den Cyrus-MTA einzurichten. »Configure« erzeugt eine Visual-Basic-Skriptdatei mit den Konfigurationseinstellungen des jeweiligen Benutzers und führt sie aus - schon wird das Konto im Client wie von Geisterhand angelegt.