Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2003

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

Ähnlich wie große Köche arbeiten auch Software-Autoren an immer neuen Kreationen für die Benutzer. Wir picken die Leckerbissen für Sie heraus. Diese Woche: Kopete, Prokyon3, Arson, Phoenix. Außerdem: Word-Dokumente als E-Mail-Anhang und ein Rezept.

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What\'s cooking? Heute stehen ein schmackhaftes Tool, um CDs zu verwalten, ein leckerer Chat-Client, ein würziger Webbrowser, Speisekarten im DOC-Format, ein feuriger Brenner und ein russischer Fleischtopf auf dem Plan.</>

Abbildung 1: Der Suchdialog von Prokyon3 lässt kaum Wünsche offen.

Prokyon3

Wer seinen Linux-Computer dazu benutzt, um die Inhalte seiner CDs digital zu speichern und zu verwalten, wird nach einiger Zeit bestimmt ein Problem bekommen: Spätestens dann, wenn sich auf der Festplatte Tausende von MP3- und Ogg-Dateien in Hunderten verschiedenen Verzeichnisse und Unterververzeichnisse tummeln, ist der Überblick vollends verloren.

Ähnliche Probleme muss wohl auch Holger Sattel gehabt haben, als er sich daran machte, Prokyon3[6] zu schreiben. Prokyon3 ist ein QT-3-basiertes Frontend für MySQL[7], das es erlaubt, Musikdateien im MP3- oder Ogg-Vorbis-Format intelligent zu archivieren. Das Programm kann verschiedene Datenbanken anlegen, in denen es die Stücke nach Titel, Künstler, Dateiname und anderen Kriterien sortiert.

MP3-Dateien bieten über so genannte ID3-Tags die Möglichkeit, Informationen über ein Lied gleichzeitig mit ihm abzuspeichern. Prokyon3 liest diese Tags aus. Als ein angenehmes Extra erweist sich dabei der im Programm enthaltene ID3-Tag-Editor: Mit ihm kann der Benutzer die ID3-Informationen eines Liedes beliebig modifizieren. Auch an das Abspielen der Musikstücke hat der Autor gedacht: Prokyon3 generiert aus den in einer Datenbank abgespeicherten Titeln eine Playlist, die von Programmen wie Xmms[8] nutzbar ist. Alternativ lassen sich solche Programme auch direkt aus Prokyon3 heraus starten.

Was Prokyon3 noch für Musikfans interessant macht, sind eine intelligente Suchfunktion für die Datenbanken, der Zugriff auf Musikdateien über SMB oder NFS sowie eine persönlichen Favoritenliste. Wer der Musiksammlung auf seinem Rechner nicht mehr Herr ist oder dem Chaos vorbeugen möchte, der sollte sich Prokyon3 einmal anschauen.

Kopete

Das ICQ-Protokoll wird immer beliebter - kein Wunder, erlaubt es doch die einfache Kommunikation per Internet ohne den Umweg über E-Mail. Nachrichten an Empfänger, die gerade nicht online sind, werden dabei gespeichert und ihnen erst dann angezeigt, wenn sie sich am ICQ-Server anmelden.

Klar, dass auch bei KDE ein ICQ-Client nicht fehlen darf: Mit Kopete[1] tritt ein umfangreicher Alleskönner gegen Konkurrenten wie Licq[2] und MICQ[3] an. Kopete unterstützt die Standardfunktionen, die jeder ICQ-Client beherrschen sollte. Dazu gehören: verschiedene Kontaktlisten anlegen oder eine Sounddatei abspielen, wenn ein Buddy online geht. Auch die individuelle Konfiguration des Benutzerinterface über das KDE-GUI oder über das Kopete-Menü gehört zum Standardprogramm.

Die wahren Qualitäten von Kopete offenbaren sich allerdings erst, wenn man sich ein wenig genauer mit dem Programm beschäftigt. Denn das, was der Benutzer zu sehen bekommt, ist nicht etwa der fertige ICQ-Client, sondern vielmehr ein GUI-Gerüst, das je nach Bedarf Protokollmodule nachlädt.

Auf diese Weise lässt sich Kopete um jedes erdenkliche Kommunikationsprotokoll erweitern. Zur Zeit gibt es neben einem Modul für AIM auch bereits Erweiterungen für Jabber und MSN. Damit nicht genug: Mit dem IRC-Modul wird Kopete auch zu einem voll funktionsfähigen Client für das IRC-Protokoll, der sich hinter XChat[4] und KVirc[5] nicht verstecken muss.

Erfreulich ist an Kopete, dass es in fast allen Teilen bis ins kleinste Detail konfigurierbar ist. Jedes Modul verfügt über einen eigenen Dialog für die Einstellung der persönlichen Präferenzen; sogar jedes einzelne Fenster lässt sich nach den Wünschen des Benutzers anpassen. Auch der Dialog, über den sich eine eigene Kontaktliste erstellen lässt, erlaubt feinste Maßarbeit.

Abbildung 2: Kopete in Aktion, hier das Hauptfenster.

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