Open Source im professionellen Einsatz

Desktop-Linux von SuSE, Xandros und Lycoris

Fenster-Dekoration

Das ideale Desktop-Linux gibt es (noch) nicht. Alle drei vorgestellte Kandidaten haben ihre speziellen Stärken und Schwächen. Und teilweise kopieren sie Aussehen und Verhalten von Windows recht ungeniert.

Nach dem Erfolg von Linux im Servergeschäft folgt nun ein erneuter Anlauf, um den Desktop zu erobern. Jedenfalls deuten neu erscheinende Desktop-Distributionen und entsprechende Konferenzen darauf hin. Im Februar traf sich in San Diego das Who\'s who der Linux-Welt zum ersten Desktop Linux Summit. Das von der kalifornischen Firma Lindows ins Leben gerufene Event zeigte, wie viel Schwung mittlerweile in der "Desktop Linux"-Bewegung ist.

Dabei sollte allerdings gerade Lindows auch die Gefahren bewusst machen, die mit der Einführung von Desktop-Linux- Produkten einhergehen. So findet sich in der FAQ zum Produkt Lindows OS folgender Hinweis (hier in der Übersetzung): "Die Lindows.com-Mitgliedschaft steht immer nur dem einzelnen Kunden zur Verfügung. Wir bitten alle Mitglieder, keine Kopien von Lindows OS an andere Personen weiterzugeben und die mitgelieferte Lizenzvereinbarungen zu beachten."[1]

Die hier vorgestellten Produkte Xandros, SuSE Office Desktop sowie Lycoris bringen teilweise kommerzielle Programme als Dreingabe (neudeutsch Add-on) mit, wie das fast alle Distributionen für den Bürogebrauch ebenfalls tun. Wo diese zum Kernbestandteil der Distribution werden, führen sie dazu, dass das Produkt nicht mehr frei kopierbar ist. Das wiederspricht in jeder Hinsicht der Linux-Philosophie.

Nicht alles ist frei

Wo diese Beigaben vom eigentlichen System getrennt sind, mag es dem Kunden durchaus zum Vorteil gereichen. Schwierig ist es, wenn die Trennung aufgehoben wird. Bei Xandros ist das der Fall, auch wenn dieser Hersteller nicht sehr deutlich darauf hinweist. Der Dateimanager XFM, eine zentrale Komponente der Distribution, steht nicht unter einer freien Lizenz[2]. Xandros gibt es in einer Standardversion ohne Drittprogramme für günstige 40 US-Dollar, enthält es zusätzlich die Crossover-Office- Tools und einen Resizer für NTFS, kostet es rund 100 Dollar. Der SuSE Linux Office Desktop (für rund 130 Euro) enthält ebenfalls einen NTFS-Resizer und Crossover Office. Wer das nicht braucht, für den mögen herkömmliche günstigere Distributionen wie SuSE 8.1 Professional die bessere Alternative sein, auch im Hinblick auf beliebige Kopierbarkeit innerhalb des Unternehmens.

Lycoris, das frühere Redmond Linux, gibt sich hingegen eher Open-Source-orientiert und liefert mit dem Grundpaket keine kommerziellen Applikationen aus. Nach außen hin emuliert es dafür das Look & Feel von Windows XP. Es kostet etwa 30 Dollar.

Reboot und Resize

Zum Verkleinern von NTFS-Partitionen dient bei SuSE eine separate Software, der Acronis Office Selector. In unserem Test haben wir uns mit Acronis an das Resizen einer NTFS-Partition unter Windows XP gewagt. Die CD mit dem Acronis Selector ist bootfähig. Nach dem Start des Systems verlangt der Boot Selector eine 25-stellige Seriennummer. Nach dessen Eingabe verkleinert das Programm automatisch eine vorhandene NTFS-Partition und legt eine 15 MByte große FAT-Partition an. Danach sind ein Reboot und die nochmalige Eingabe dieser Seriennummer erforderlich.

Das Programm installiert sich dann in der angelegten FAT-Partition und schreibt sich in den Master Boot Record. Nun ist ein erneuter Reboot angesagt, diesmal von der Platte. Danach lassen sich alle gängigen Dateisystemtypen ohne Datenverlust per Maus oder durch direkte Eingabe der gewünschten Größe verändern. Nach einem erneuten Reboot kommt endlich SuSE Linux (oder ein anderes Betriebssystem) auf die frei gewordene Partition.

Bei Xandros ist das Verkleinern der NTFS-Partition deutlich stressfreier. Die Kanadier setzen zwar auch auf kommerzielle Software, haben diese jedoch im Gegensatz zu SuSE nahtlos in ihre Installationsprozedur integriert und für den Anwender völlig transparent gemacht. Wählt er nach dem Booten von der CD die »Custom Installation« aus, bekommt er Gelegenheit, vom System erkannte Windows-Partitionen zu verkleinern. Ob es sich dabei um FAT- oder NTFS-Partitionen handelt, teilt Xandros nicht mit, das dürfte auch nur die wenigsten interessieren.

Es erscheint jedoch eine Warnung, dass der Resizing-Vorgang bei stark fragmentierten Filesystemen mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann. Im Test war eine 4-GByte-Partition mit frisch aufgespieltem Windows XP in etwa drei Minuten auf 2 GByte verkleinert.

Xandros benutzt eine geskriptete Variante von Powerquests Partition Magic für die eigentliche Verkleinerungsarbeit. Dies Werkzeug ist aber nur während des Installationsvorgangs einsetzbar. Nachträgliche Änderungen an NTFS-Partitionen sind damit nicht möglich. Die Zeit der kommerziellen Partitionierwerkzeuge dürfte allerdings bald abgelaufen sein. Das freie Linux-NTFS-Projekt[3] enthält ebenfalls ein Werkzeug zum Verändern von NTFS-Partitionen und Man-drake 9.1 wird die erste Distribution sein, die es einsetzt.

Das Installationstool von Xandros ist auch dahin gehend freundlich zu Windows-Nutzern, als es vorhandene Windows-Partitionen zusätzlich mit ihren Laufwerksbuchstaben benennt, also beispielsweise »C:«. Als Dateisystemtypen stehen ReiserFS und Ext 2 zur Verfügung, Ext 3 fehlt.

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