Open Source im professionellen Einsatz

Ein Mailserver auf der Basis von QMail

E-Post vom Sonderling

Die Entscheidung für einen Mailserver unter Linux ist nicht leicht: Einfach den bekanntesten - Sendmail - zu nehmen, verbietet sich, wenn man eine übersichtliche Konfiguration will, die auch ein anderer Admin weiterpflegen kann. Die Alternative QMail lässt sich sicherer und einfacher betreiben.

Im Privatbereich und in vielen Firmen steigt das Internet-Mailaufkommen täglich und spätestens seit dem ILOVEYOU-Virus ist Benutzern wie Admins die Gefahr eines via E-Mail ausgeführten Angriffs auf lokale Netze bewusst. Daher nehmen Verfügbarkeit und Schutz der Mailsysteme einen immer höheren Stellenwert ein.

Doch sicher ist nur, was überschaubar, verständlich und somit auch wartbar ist. Der Einzige zu sein, der die Sendmail-Konfiguration der Firma versteht, mag den Job sichern, doch was, wenn man krank wird? Die überlebenswichtige E-Mail-Infrastruktur eines Unternehmens auf einen Mail Transfer Agent (MTA) zu gründen, der sich auch ohne das Durcharbeiten Ziegelstein-großer Bücher beherrschen lässt, spart Zeit, Nerven und ist zukunftssicher. Daher zeigt dieser Artikel die Umstellung einer Standarddistribution von Sendmail auf QMail.

Was ist QMail?

QMail, ein kleiner, schneller und zuverlässiger MTA für Unix-artige Betriebssysteme, stammt von Dan J. Bernstein, einem Mathematik-Professor an der University of Illinois in Chicago. QMail entstand als Ersatz für Sendmail, das in der Vergangenheit regelmäßig mit Sicherheitslöchern und anderen Problemen auf sich aufmerksam machte.

Die Version 1.03 erschien im Juni 1998 - und seitdem gab es keine Änderungen mehr an der Basis. Der Unwille zur Weiterentwicklung und ein gewisser Starrsinn des Autors werden oft als Kritikpunkt an QMail angeführt. Andererseits spricht die Tatsache, dass seit vier Jahren keine Bugfixes erforderlich waren, eine deutliche Sprache bezüglich der Qualität des Code.

Sendmails menschenunfreundliche Konfigurationsdateien führten zu dem Mythos, einen Mailserver aufsetzen sei gleichbedeutend mit Hexenwerk und Zauberei. Auch wenn sich QMail bei der Installation spröder gibt als andere MTA-Alternativen, muss man kein Guru sein, um zum Erfolg zu kommen. Die einzigen Voraussetzungen sind gute Fähigkeiten im Umgang mit einem Unix-artigen Betriebssystem, grundlegendes Wissen darüber, was ein Mailserver eigentlich macht[1], und ein gutes Stück Geduld, denn QMail ist noch nicht mit dem Aufruf eines Skripts installiert.

Ausgehend von den zentralen QMail- Seiten im Web (namentlich [http://cr. yp.to/qmail.html], [http://www.qmail.org/] und [http://www.lifewithqmail.org/]) findet man alle benötigten Softwarepakete sowie Dokumentationen, die helfen individuelle Probleme zu lösen oder besondere Wünsche zu realisieren.

MBox versus Maildir

Wer sich jedoch auf das Abenteuer QMail einlässt, sollte über einige Besonderheiten des MTA Bescheid wissen. Dazu gehört das Format, in dem QMail seine Mails ablegt. Diese landen standardmäßig im Homeverzeichnis des Benutzers und nicht im Spool-Verzeichnis »/var/spool/mail/ Benutzername«. Das hat auch damit zu tun, dass QMail zur Ablage der Mail per Default das Maildir-Format verwendet. Der integrierte Mail Delivery Agent (MDA) hängt die Mails also nicht wie sonst üblich ans Spoolfile des jeweiligen Users an (MBox-Format), sondern speichert jede Message als separate Datei ab.

Diese Speicherform löst das Problem konkurrierender Zugriffe auf eine Datei, wenn ein Benutzer Mails abholt und der MTA gleichzeitig versucht neue Botschaften zuzustellen. Außerdem bleiben die Dateigrößen überschaubar. Werden alle E-Mails in einer Datei abgelegt, belegt diese bei entsprechendem Mailaufkommen schon in kurzer Zeit mehrere hundert MByte.

Unterhalb jedes QMail-Maildirectories und jedes Unterordners existieren immer drei Verzeichnisse: »cur«, »new« und »tmp«. »cur« enthält alle Mails, die der Benutzer bereits gesehen oder gelesen hat, »new« hingegen alle neuen Messages. Im Verzeichnis »tmp« speichert QMail neue Mails vor der Zustellung temporär zwischen.

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