Die dritte Fosdem-Konferenz in Brüssel verzeichnete mehr Besucher als die vorangegangenen Veranstaltungen. Das Interesse an freier Software wächst.
Schon vor dem offiziellen Beginn der Konferenz kamen die Geeks in Scharen zum Early-Bird-Treffen. Rund 60 Fosdem-Teilnehmer trafen sich am Freitagabend in einem Pub in der Brüsseler City, um zu fachsimpeln, Neuigkeiten aus der Szene auszutauschen und um belgische Spezialitäten zu probieren. Bei der Eröffnung gab Jon "Maddog" Hall, Präsident und Executive Director von Linux International, in seiner Keynote einen Überblick über die Anfänge der Bewegung und den Zusammenhang mit der historischen Entwicklung von Unix.
Wem gehört Linux?
Neben der Frage, wem Linux eigentlich gehört ("Who owns Linux?") verglich er die derzeitige Situation von Software und Support mit dem bekannten Henne-Ei-Problem: Was kommt zuerst? Er wies darauf hin, dass "frei" immer für "freie Auswahl" stehen muss und dankte allen Autoren freier Software: "Free software is like a megaphone: I give so little, and I get back so much." Die Organisatoren gaben ebenfalls etwas zurück - mit belgischem Bier bedankte sich das Fosdem-Team bei Maddog.
Im Anschluss daran warnte Richard Stallman noch einmal vor den drohenden Softwarepatenten und gab einen Überblick über die aktuelle Situation. Nach der Mittagspause ging es mit Tutorials und Vorträgen weiter. Jakub Steiner stellte neue Features aus der Entwicklerversion von Gimp (1.3)[2] vor. Die Menü-Elemente wurden überarbeitet, die Software speichert zwischen den Sitzungen jetzt die Anordnung der Elemente auf dem Bildschirm.
Im Gnome-Meeting-Tutorial zeigte Damien Sandras den praktischen Einsatz dieser Software[3] für Videokonferenzen. Mit zwei Computern, Webcams, Mikrofonen und Telefonen verwandelte er den Hörsaal in einen virtuellen Konferenzraum. Die Teilnehmer simulierten überzeugend unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten des Systems.
Der Abschluss des ersten Fosdem-Tages stand ganz im Zeichen des Free Software Awards[4]. Lawrence Lessig, Rechtsprofessor an der Stanford Law School, erhielt eine Auszeichnung für sein Engagement für intellektuelle Freiheit. Nach einer bewegenden Dankesrede zollte die versammelte Entwicklergemeinde Lessig mit standing Ovations Respekt.
Auch am zweiten Konferenztag fanden viele Talks und Open Sessions statt. Vorträge über Toolkits, etwa GTK, wxWindows und Tcl/Tk gab es ebenso wie über Security-Themen. Im Bereich Education wurden verschiedene Projekte vorgestellt, so unter anderem Debian Edu[5]. Eine Gruppe französischer Lehrer zeigte Debian-Pakete, die wirkungsvoll im Unterricht eingesetzt werden können. Mit einem neuen Installer soll die Distribution in 15 Minuten auf der Platte einsatzbereit sein.
Gelungene Veranstaltung
Die Organisatoren, die vielen freiwilligen Helfer und die zahlreichen Teilnehmer haben das europäische Treffen der Free and Open Source Developer zu einem ganz besonderen Erlebnis werden lassen. (agr/fan)
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