Der Groupware-Server Insight von Bynari lag dem Linux-Magazin in der Version 3.5.4 als TGZ-Datei zum Testen vor. Anhand der Readme-Datei wird schnell klar, dass es ohne ein paar Vorarbeiten nicht geht. In diesem Punkt fordert das Produkt mehr Kenntnisse als beispielsweise Communigate Pro. So muss der Admin die systeminternen Dienste FTP, Mail, HTTP, POP3 und andere deaktivieren. Andernfalls endet »./setup« mit einer Fehlermeldung.
Wer das Setup erfolgreich gestartet und ein paar Fragen beantwortet hat, bekommt die Meldung, dass er nun das Webinterface ansehen könne. Dafür wird der normale HTTP-Port 80 benutzt, was andere Webserver auf der Maschine natürlich nicht mögen (siehe oben).
Fremde Federn
Bei näherem Durchsehen des 104 Seiten dünnen Handbuchs stellt man fest, dass der Insight Server aus mehreren Fremdmodulen besteht. Zum Beispiel werden Cyrus IMAP und der Mail Transport Agent (MTA) Exim benutzt. Die Prozessliste zeigt, dass auch ein HTTP-Daemon (Apache) und Proftp laufen.
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Insight Server 3.5.4
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Hersteller: Bynari
Internet: [www.bynari.com]
Preise:
Family Standard Edition für 25 User ca. 600 US-Dollar
25 User zusätzlich ca. 500 US-Dollar
100 User zusätzlich ca. 1950 US-Dollar
500 User zusätzlich ca. 9500 US-Dollar
1000 User zusätzlich ca. 18000 US-Dollar
Preise für IBM i- und z-Series auf Anfrage
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Die meisten Administrationsarbeiten erfolgen via Webinterface, das auch die wichtigste Eigenleistung von Bynari an dem Produkt ist, denn Insight Server ist im Kern ein Bündel von Fremdprodukten, das ein Webinterface zusammenfasst. Die Abbildung 1 skizziert den Aufbau von Insight Server mit seinen einzelnen Komponenten.
Abbildung 1: Aufbau des Bynari-Insight-Serversystems. (Quelle: Bynari)
Ein allgemein bekannter Bestandteil ist Exim. Da die Konfiguration von Exim bei gängigen Distributionen nur hardcore über die jeweiligen Konfigdateien möglich war, erfreut nun eine auf den ersten Blick intuitive Oberfläche. Bei genauerer Betrachtung könnte sie aber durchaus noch etwas intuitiver gestaltet sein. Der Bereich »Basic Configuration« erlaubt das Einstellen von grundsätzlichen Daten wie Hostnamen, Domänen und Relay-Domains. Interessant sind auch die »Performance Options«, die die Leistung von Exim erheblich beeinflussen. So können zum Beispiel die maximalen Größen von Mail oder auch der Spoolspace festgelegt werden.
In den »Advanced Options« darf der interessierte Admin noch diverse Details einstellen. Unter anderem werden hier die LDAP-Defaultserver festgelegt sowie Host-Ausschlüsse (Rejects) und Fehlermeldungen angegeben. Die »Log Options« definieren den Umfang des Logfiles.
Spam bleibt draußen
Der Insight Server kann dank Exim eine Realtime Blackhole List (RBL) verarbeiten. Sie dient zur aktiven Abwehr von Spam über eine Liste, die dezentrale Server verwalten und auf dem neuesten Stand halten. Hierzu werden unter »RBL Options« Domänen und Hosts eingetragen, die eine solche Liste verwalten. Eine weitere Möglichkeit der Spam-Kontrolle bieten die Exim-Filter. An eine Änderung der Voreinstellungen sollte sich jedoch nur ein Exim-erfahrener Admin wagen. Es ist bei der Vielzahl der Möglichkeiten sonst ganz schnell passiert, dass der User nach einer Änderung gar keine Mails mehr bekommt.
Als interessantes Feature bietet Exim die tiefer gehende Konfiguration seiner SMTP-Optionen. Hier könnte der Systemadministrator zum Beispiel die maximale »Alive time« einstellen, ebenso wie einen »Receive timeout«. Diese Werte sollten aber nach Möglichkeit nicht verändert werden, da sie an und für sich optimal eingestellt sind.
Zu guter Letzt lässt sich noch das Handling von Nachrichten näher definieren. So kann ein Headertext beim Nachrichtenempfang hinzugefügt oder die maximale Anzahl an gleichzeitig zu empfangenden Headern festgelegt werden. Im Großen und Ganzen ist die Konfiguration von Exim über das Interface des Insight Servers recht vollständig und leicht zu bedienen.