Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2003

Das große Buch Linux

Tux liest

Die mit den Distributionen gelieferten Handbücher werden immer besser und es gibt auch mehr Installationsanleitungen im Internet. Wer braucht da noch umfangreiche Einsteiger-Handbücher? Wenn sie gut sind - jeder, der mit Linux anfängt.

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Noch vor vielleicht drei Jahren waren umfangreiche Standardwerke für Einsteiger - egal für welches Betriebssystem - in den Buchläden die Renner. Die schnellen Produktzyklen der Software machen es heute für die Verlage immer schwerer, solche Bücher zu verkaufen. Zudem werden die Handbücher, die den Distributionen beiliegen, immer besser. So sind die Grundlagenwälzer inzwischen rar.

Jetzt ist trotzdem wieder eins hinzugekommen: "Das große Buch Linux" aus dem Hause Data Becker ist nach einigen Jahren Pause völlig neu gestaltet wieder auf dem Markt. Es gehört zusammen mit dem "Kofler" aus dem Addison-Wesley-Verlag zu den echten Wälzern, die ein Lehrbuch für den Linux-Einsteiger und gleichzeitig ein Nachschlagewerk für den Fortgeschrittenen sein wollen. Schön, dass es solche Bücher noch gibt, noch besser, dass es jetzt wieder den "Großen Eßer" gibt.

Grafisch orientiert

Das Buch richtet sich in erster Linie an Ein- und Umsteiger, es beschreibt und erklärt die Installation des Linux-Basissystems und der wichtigsten Anwenderprogramme. Es ist kein Kommandozeilen-Buch, obwohl bei den grafischen Tools fast immer der dahinter stehende Befehl erläutert wird. Natürlich muss da etwas auf der Strecke bleiben: Dem Kompilieren des Kernels etwa sind nur knapp neun Seiten gewidmet.

Allgemein steht die Darstellung der Linux-Interna gegenüber den Anwendungen zurück. Erfährt der Durchschnittsanwender vom eigentlichen Betriebssystem nur so viel, wie er tatsächlich braucht, etwa zur Installation oder Benutzerverwaltung, so findet er bei den Anwendungsprogrammen alle, die er heute mit aktueller Hardware samt Zubehör nutzen kann.

Neben Programmen für die Video- und Bildbearbeitung, Videokonferenzen und DVD-Wiedergabe behandelt ein eigenes Kapitel die für Linux verfügbare Produktivsoftware im Büro. Hier beschreibt Eßer nicht nur alle wichtigen Office-Pakete wie Open-, Star- und KOffice oder das Tex/Latex-Satzsystem, er zeigt auch, wie etwa mit VMware oder Wine/Crossover Office auch fremde Software unter Linux produktiv nutzbar ist.

Topaktuelle Hardware

Positiv fällt auf, wie aktuell die beschriebene Hardware ist: DVD-Brenner, USB 2.0 oder Wireless LAN sind State of the art, ausführlich und mit vielen Tabellen beschrieben. Überhaupt sind umfangreiche Tabellen und der ausführliche Referenz- und Troubleshooting-Teil am Ende des Buches genau das, was künftige Poweruser brauchen. Ausführliche Installationsanleitungen - getrennt für die aktuellen Mainstream-Distributionen SuSE, Red Hat und Mandrake - helfen über die ersten Hürden hinweg.

Der daran anschließende Anwendungsteil zeigt, was man heutzutage schon alles mit Linux machen kann - und wie. Dabei stellt der Autor nicht nur die Programme vor und zeigt, wie man sie einrichtet, er beschreibt auch, wo es manchmal hakt und was man dagegen tun kann. Ein Kapitel über die Shell-Programmierung zeigt dem Anwender, wie er mit Bordmitteln die Arbeitsabläufe automatisieren kann.

Wer heute ein so umfangreiches Buch für Linux-Adepten schreiben will, muss sein Konzept zwischen zwei Extremen ansiedeln: dem Lehrbuch und dem Lösungsbuch. Das eine vermittelt Grundlagen so ausführlich wie möglich und bietet ein Fundament, um das System zu administrieren und Software zu nutzen. Das andere zeigt, wie konkrete Aufgaben oder Probleme zu lösen sind, und damit sozusagen nebenbei, was hinter den Kulissen abläuft. Das "Große Buch Linux" ist ausgewogen, aber eher von der Art eines Lösungsbuchs.

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