Open Source im professionellen Einsatz

Neuberger und Hughes Easygate Workgroup Server

Teils easy, teils frei

Der Easygate Server verschafft dem Firmennetz den Zugang zum Internet. Die Open-Source-Komponente Bill Workgroup bohrt das Ganze zu einem Exchange-Ersatz auf. Seit dem letzten Kurztest hat sich die Versionsnummer um vier Zehntel erhöht und der Preise ist gefallen. Die Ergonomie bleibt vergleichbar.

Der Easygate Workgroup Server 4.5 der Firma Neuberger & Hughes aus Plochingen [1] ist eine Kombination aus ihrer Software Easygate Internet Access Gateway [2] und dem Server Bill Workgroup Data Exchange [3]. Die Easygate-Komponente bindet Firmennetze bis 200 User per ISDN und/oder DSL ans Internet an. Der Bill-Server bildet für die MAPI-Clients, die Microsoft Outlook erweitern, einen MS-Exchange-Server nach. Ein IMAP4-Server ist nicht integriert.

Das ISO-Image der aktuellen Version 4.5.74 kann jeder von der Homepage des Herstellers laden [2]. Die Hardware-Anforderungen sind bescheiden: 64 MByte Hauptspeicher, eine leere (!) 2-GByte-Festplatte, eine Netzwerkkarte und eine weitere Verbindung für den Internetzugang - alles auf PC-Architektur. Eigentlich genügt jeder Rechner, auf dem Debian 3.0 zu laufen vermag, das ist nämlich das Betriebssystem, das die Installation automatisch Easygate unterschiebt. Achtung: Das angepasste Debian Linux kann nichts mit SCSI-Platten anfangen.

Flotte Installation

Die Installation läuft ohne viel Zutun ab: Der Rechner bootet von CD, zeigt kurz an, dass er Linux lädt, und beschränkt sich auf die Frage, welche Festplatte er für die Installation benutzen soll, und eine Warnung, dass er diese gleich formatiert. Dann rutscht das System drauf. Die Konfiguration der Netzwerk- und ISDN-Karten und die Sprachauswahl erfolgen über Curses und Dialog. Nach Meldungen über den Fortschritt der Installation ist ein Reboot fällig. Dann passieren mittels Lynx die Netzwerk-Grundeinstellungen für Easymail.

Easygate startet mit laufendem DHCP-Server und sollte daher nicht unvorbereitet an laufende DHCP-Netze angeschlossen werden. Nach Anpassen an das eigene Netz ist ein Server-Neustart fällig. Über die Konsole erreicht man das textbasierte »Service«-Menü. Dort lassen sich unter anderem die zahlreich angelegten Partitionen »/dev/hda1« bis »/dev /hda13« prüfen, Profile verwalten oder Systembackups anfertigen und einspielen. In der ebenfalls angebotenen Shell ist die deutsche Tastatur aber nicht eingerichtet, mit dem Menü (zurück über [Alt]+[F2]) ist besseres Arbeiten.

Auf der Konsole ist es mit den Admin-Rechten nicht weit her: Von den 13 Laufwerken bleiben gerade mal fünf, auf denen das Root-System und die Arbeits- und Konfigurationsverzeichnisse des Kommunikationsservers liegen. Die anderen Partitionen bleiben für den Admin unbekannte Areale.

Webinterface

Der Admin des eben aufgesetzten Systems darf sich nun räumlich entfernen, denn alle weiteren Einstellarbeiten geschehen remote über ein Webinterface. Dessen Konfigurationsebenen sind tief. Damit man nicht völlig den Überblick verliert, bleiben die Untermenüs bei den Einstellungsoptionen stets aufgeklappt und sichtbar. Das ist optisch nicht unbedingt gefällig, aber funktionell. Das Hauptmenü besteht aus den Einträgen »EasyMail«, »EasyCache«, »EasyWeb«, »EasyStatistik« und »EasyConfig«. Auch die Registrierung und die Basis-Systemsteuerungen lagern hier.

Unter »EasyMail« werden Benutzerkonten und Aliase geführt sowie die Weiterleitung und die Urlaubsvertretung (Vacancy) koordiniert. Passwörter und externe Mailadressen sind hier zu verwalten. Hinter »EasyCache« verbergen sich die Steuerung und Protokollierung des Internetzugangs für die einzelnen Clients. Der Zugang kann grundsätzlich gestattet oder verwehrt oder auch auf bestimmte Zeiten oder ein Stundenkontingent beschränkt werden.

»EasyWeb« regelt den Zugriff bezogen auf einzelne Webseiten. Drei Seiten gibt das System vor: »Intranet«, »Test« und »Publikation«, weitere sind konfigurierbar und können auf interne Adressen gemappt werden. Die Clients erhalten Lese- und Schreibzugriff darauf. Der Punkt »EasyStatistik« hält Logdaten über den Internetzugang der Clients und über die ISDN-Verbindungen vor. Ans Eingemachte geht es über das »EasyConfig«-Menü (siehe Abbildung 1). Von den beiden Unterpunkten »Systemkonfiguration« und »Systemdiagnose« führt der erste in die Tiefen des Systems.

Abbildung 1: In der Mail-Konfiguration lassen sich Weiterleitungen und Urlaubsvertretungen einstellen.

Abbildung 1: In der Mail-Konfiguration lassen sich Weiterleitungen und Urlaubsvertretungen einstellen.

Schade, dass durch redundante Einträge die Übersichtlichkeit leidet. Die Formulare für Lizenzierungseinträge oder die Logdaten für den Internetverkehr der Clients finden sich an mehreren Stellen im Menübaum. Die Einrichtung des Proxyservers Easycache erfolgt nicht etwa im Menüpunkt »EasyCache«, sondern in einem gleichnamigen Untermenü von »EasyConfig« einige Etagen tiefer.

Am meisten stört aber, dass nach Änderungen des Systems grundsätzlich ein Reboot fällig ist. Bei einem Workgroup-Server, der nach Herstellerangaben für 200 Clients ausgelegt ist (und auf Debian läuft), ist das ein schlechtes Verhalten.

Der Quellcode des Servers Bill Open Workgroup ist freie Software unter der GPL und nebst Installationsanleitung downloadbar[3]. Kostenpflichtig sind hingegen die MAPI-Dienste für die Outlook-Clients. Die MAPI-Clients bilden mittels Connector die Outlook-Befehle per Corba auf den Bill-Server ab. Der in Python realisierte Bill spricht auch wieder Corba und speichert - vom Admin weitgehend unbeaufsichtigt - die Outlook-Groupwareobjekte der User.

Easygate Workgroup VPN 4.5

Hersteller: Neuberger & Hughes

Internet: [http://www.n-h.com]

Preise:

Easygate-Workgroup-Paket inkl. 5 MAPI-Clients ca. 1300 Euro

je zusätzlicher Client: 39 Euro

1-Jahres-Basissupport 600 Euro

24/7-Monitoring/Autoupdate 150 Euro

Einschließlich Security-Check 400 Euro

Alternative ohne den Kommunikationsserver: Bill Workgroup Server inkl. 5 MAPI-Clients ca. 500 Euro

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