Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2003

Stalker Communigate Pro 4.0

Filmreif

Stalker ist nicht nur der traurige Held aus einem russischen Film, sondern auch der Firmenname der Communigate-Regisseure. Der Server ist nicht nur für große Umgebungen geeignet, sondern lässt den Admin über seine Funktionsvielfalt nicht im Unklaren.

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Stalker ist eine Figur aus der russischen Science-Fiction-Novelle "Picknick am Wegesrand". Andrej Tarkowski hat den Stoff 1979 atemberaubend verfilmt. Der Held ist mit zwei Männern, einem Schriftsteller und einem Physiker, auf der Suche, auf einer Jagd in mythisch- gefährlichem Gebiet, der Zone. Hier gelten die uns bekannten Naturgesetze nur bedingt. Stalker führt die beiden anderen zu einem enigmatischen Zimmer, das angeblich Wünsche wahr machen kann. Die amerikanische Firma Stalker Software heißt nach diesem Helden und sieht ihre Stärke im Jagen nach neuen technologischen Lösungen.

Communigate Pro vom Stalker lässt sich ohne irgendwelche Registriervorgänge von der Stalker-Seite downloaden. Knappe 3,2 MByte umfasst die RPM-Datei. Eine Source-Version liegt auch vor. Nach »rpm -i CGatePro-Linux.i386.rpm« und einigen Sekunden ist Communigate Pro im Verzeichnis »/opt« installiert. Hier entsteht ein Unterverzeichnis namens »CommuniGate«.

Ein Blick in dieses Verzeichnis zeigt die beiden Dateien »mail« und »sendmail«, die wahrscheinlich die beiden bekannten Standardprogramme ersetzen. Im »/bin«-Verzeichnis wurden folgerichtig das Originalprogramm »mail« in »LegacyMail« umbenannt und ein Softlink auf das Communigate-Mail gelegt. Bei einer Deinstallation muss also nur Legacy Mail zurückkopiert werden.

Dem Installationshandbuch zufolge - siehe [http://www.stalker.com/CommuniGatePro/default.html#Current] - liegt im Verzeichnis »/etc/rc.d/init.d« ein Start/Stop-Skript namens »CommuniGate«. Das Hauptverzeichnis von Communigate Pro ist »/var/CommuniGate«. Nun wird der Server konfiguriert: Hier macht es Stalker dem Admin einfach. Im Browser muss er nur »http:// Ihr.Server .Domain:8010« eingeben, wobei »Ihr.Server.Domain« natürlich die Adresse des Communigate-Servers ist.

Vor dem Konfigurieren authentifiziert sich der Admin als »postmaster«. Das jeweilige Zugangspasswort wird bei der Installation zufällig erzeugt. In der Datei »/var/CommuniGate/Accounts/postmas- ter.macnt/account.settings« ist es in der dritten Zeile zu finden. Es erscheint eine Webseite mit jeder Menge Konfigurationsparametern. Sie wirkt beim ersten Mal unübersichtlich, ist aber auf den zweiten Blick wohlgeordnet.

Die fünf Hauptmenüpunkte »Settings«, »Accounts«, »Domains«, »Directory« und »Monitors« verzweigen zu diversen Unterpunkten. Hier seien nur die wichtigsten Parameter besprochen. Die meisten haben ohnehin sinnvolle Vorgaben. Für die fortgeschrittene Konfiguration zieht der interessierte Admin am besten die Dokumentation zu Rate.

Settings

Die Vielfalt des Menüpunkts »Settings« (Abbildung 1) gibt dem Admin die Möglichkeit, alle wichtigen Grundeinstellungen zügig vorzunehmen. Gleich der erste Unterpunkt »GENERAL« beschreibt die Basiseinstellungen. Hier ist bereits der Domainname des Servers vorgegeben. Die Wahl des Umfangs der Protokolldatei »Internal Log« reicht von »Crashes Only« über »Failures«, »Major & Failures«, »Problems« und »Low Level« bis zu »All Info«. Die letzten beiden Level sind Garanten für ein riesiges Logfile.

Das Feature »Crash Recovery« im Web-Konfigurator wollte im Test nicht recht funktionieren. Es stellte zwar die meisten Daten nach einem mittels »kill« provozierten Crash wieder her, aber die Daten aus dem gerade laufenden Prozess waren verloren.

Abbildung 2: Der Bereich »Settings« im Web-Konfigurator. Die meisten Parameter sind bereits sinnvoll vorbelegt, so zum Beispiel auch der Domainname.

In der Praxis ist das aber keinen echtes Problem, da immer mindestens zwei Instanzen von Communigate laufen. Die Backup-Instanz übernimmt das Handling, wenn die primäre Instanz ausfällt. Bei einem Ausfall initialisiert sich der Server sofort automatisch neu, was eine Ausfallzeit von weniger als einer Zehntelsekunde bedeutet.

Zerteile und beherrsche

Wer Communigate Pro auf einem Server mit mehreren Domains betreiben will, hat zwei Möglichkeiten für das Clustering: statische und dynamische Cluster. Die statischen nutzen für jede Domain einen eigenen Server. Will ein statischer Cluster in Interaktion mit einem Account auf einem anderen Cluster treten, wickelt er die Kommunikation ausschließlich über TCP/IP mit dem anderen Host-Server ab.

Bei dynamischen Clustern greifen die Cluster-Server direkt auf die Account-Daten zu. Diese Architektur verschafft dem Serververbund die höchste Verfügbarkeit, da alle Accounts nutzbar bleiben, selbst wenn nur noch ein einziger Server läuft.

Communigate Pro 4.0

Hersteller: Stalker Software

Internet: [http://www.stalker.de]

Preise: Die Lizenzgebühren richten sich nach den eingerichteten Benutzerkonten und Mailinglisten. Die Anzahl der Domains, Konten- und Domain-Aliase, Gruppen und Weiterleitungen sowie die Zahl der Empfänger der Mailinglisten ist nicht beschränkt.

Einzel-Server:
50 Konten, 5 Mailinglisten ca. 580 Euro
200 Konten, 15 Mailinglisten ca. 1160 Euro
1000 Konten, 100 Mailinglisten ca. 2320 Euro
30000 Konten, Zahl der Mailinglisten unbegrenzt ca. 5800 Euro
200000 Konten, Mailinglisten unbegrenzt ca. 34800 Euro
Konten und Mailinglisten unbegrenzt ca. 69600 Euro
Cluster und Virenscanner (McAfee und Sophos) auf Anfrage
MAPI-Funktion:
25 Verbindungen ca. 1390 Euro
50 Verbindungen ca. 2320 Euro
100 Verbindungen ca. 4060 Euro
400 Verbindungen ca. 11600 Euro
1000 Verbindungen ca. 23200 Euro
Support (in englischer Sprache):
2 Jahre Update-Download und Standard-E-Mail-Support kostenlos
5 vorher vereinbarte Telefonate ca. 700 Euro
5 Telefonate mit max. 4 Stunden Reaktionszeit ca. 2320 Euro
Bis 4 Telesessions pro Monat (Reaktionszeit max. 8 h) ca. 5800 Euro/Jahr
Bis 4 Telesessions pro Monat (Reaktionszeit max. 6 h) 8120 Euro/Jahr

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