Open Source im professionellen Einsatz

OPIE-Entwicklertreffen

Endspurt zur 1.0

Versprechen kommerzielle Projekte zu viel, entstehen oft freie Alternativen, etwa OPIE als Pendant zur Qtopia-Oberfläche für PDAs. Ein virtuelles Entwicklertreffen stellte die Weichen für die erste stabile Release.

Vor kaum einem Jahr fanden sich PDA-begeisterte Entwickler zusammen, um ihre Kritik an der lizenzrechtlich umstrittenen PDA-Oberfläche Qtopia der Firma Trolltech in konstruktive Bahnen zu lenken: Auf Basis der damals aktuellen Qtopia-Version 1.4 starteten sie das Projekt OPIE (Open Palm Integrated Environment)[1],[2], das nicht nur die Prestige-Hardware Sharp Zaurus, sondern auch andere PDAs, darunter den Compaq iPAQ, unterstützen sollte.

Seitdem hat OPIE viele neue Entwickler und Nutzer gefunden. So setzen es die beiden PDA-Linux-Distributionen Familiar und Open Zaurus ein. Mittlerweile legt der Stand des Projekts die Veröffentlichung einer stabilen Version 1.0 nahe. Um die Entwicklung dahin (und darüber hinaus) zu besprechen, trafen sich zahlreiche OPIE-Entwickler am 15. Dezember 2002 im IRC.

Daten zum Austauschen

Die wichtigste Aufgabe eines PDA ist das Verwalten von Kontaktdaten und Terminen. Am effektivsten erfüllt er sie, wenn seine Programme auf eine gemeinsame Datenbasis zurückgreifen. Die Vision für OPIE 1.0 sah ein Datenbankmanagement-System wie MySQL als einheitliche Schnittstelle für alle OPIE-Programme vor. Leider stellte sich der Umstieg vom bisherigen XML-Format auf MySQL oder SQL Light als nicht so einfach heraus. Daher wird diese Technik erst in OPIE 1.1 Anwendung finden.

OPIE-1.0-Programme verwalten ihre Daten gemeinsam über eine von den Entwicklern XRef (Crossreferencing) genannte Methode: Ein Anwender erstellt eine neue Aufgabe in dem entsprechenden Programm Aufgaben (siehe Abbildung 1, rechts). Sie erhält ein Fälligkeitsdatum und wird mit den Namen von Mitarbeitern assoziiert. Dank XRef erscheint sie automatisch im Terminkalender oder in der Aufgabenübersicht für den heutigen Tag (Abbildung 1, links). Ein Klick auf die Mitarbeiternamen ruft deren Adressdaten auf.

Abbildung 1: So äußert sich XRef für Anwender.

Abbildung 1: So äußert sich XRef für Anwender.

Wie viele andere Open-Source-Projekte litt OPIE in der Vergangenheit darunter, dass zahlreiche Programmierer Englisch als Mutter- oder Arbeitssprache verwenden und die Lust auf Übersetzungen in andere Sprachen gering war. Mittlerweile gehören Vertreter aus fünf Ländern zu dem seit Sommer 2002 bestehenden OPIE-Internationalisierungsteam, das rasch dafür sorgte, dass viele die Lokalisierung verhindernde Programmierfehler entdeckt und behoben wurden.

So war Mitte November das Adressbuch zwar übersetzt, konnte in der lokalisierten Ausgabe aber keine Daten speichern. Dank der grundlegenden Überarbeitung von Stefan Eilers und anderen lässt es sich nun wirklich lokalisieren und hat sich - ein erfreulicher Nebeneffekt - wesentlich besser in OPIE integriert.

Inzwischen ist OPIE vollständig übersetzbar. Allerdings kommen nur jene Sprachen in die Release, in die alle PIM-Applikationen und die Bibliotheken vollständig übertragen wurden. Sicher ist das bislang für Deutsch, Französisch und Dänisch.

In den verbleibenden zwei bis drei Monaten bis zur 1.0-Release hat das Verbessern der vorhandenen Funktionen Priorität. Einige Programme aus den bisherigen Betaversionen werden in der stabilen Release fehlen, da ihren Entwicklern die Zeit für adäquate Korrekturen und Anpassungen fehlt. Dazu gehören die Textverarbeitung OPIE Write, das Spreadsheet, das GSM-Tool sowie der Mail-Client OPIE Mail.

Dennoch bleibt nicht einfach alles beim Alten: Den bisherigen Dateimanager ersetzt eine von Grund auf neu geschriebene und erweiterte Version namens Advanced FM. Sie wird in der 1.0-Release Plugins unterstützen und FTP-fähig sein.

Neue Versionierung

Die vielleicht wichtigste Entscheidung für die Außenwelt ist aber bürokratischer Natur: Ab sofort folgen die OPIE-Versionsnummern dem Modell des Linux-Kernels: Demnach wird nach dem Erscheinen der stabilen Version 1.0 die Entwicklung neuer Funktionen in OPIE 1.1 stattfinden, die wiederum in OPIE 1.2 umbenannt wird, sobald sie stabil ist. Damit das alles nicht gar so phantasielos aussieht, haben sich die Entwickler ein Gimmick ausgedacht: OPIE 1.0 heißt in Wahrheit OPIE I und bekommt derzeit ein eigenes Logo auf den Leib geschneidert. (pju)

Infos

[1] OPIE-Homepage: [http://www.opie.info/]

[2] Carsten Niehaus: "Zwergen-Desktop", LinuxUser 10/02, S. 58

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