Seit der letzten Veröffentlichung über eine Caché-Version im Linux-Magazin 11/01 ist bereits ein gutes Jahr ins Land gegangen. Nun stellt der Hersteller Intersystems aus Cambridge, USA, ein Major Update seiner postrelationalen Datenbank Caché vor.
Eine schnelle und fehlersichere Entwicklung von Anwendungen ist heutzutage kaum noch ohne objektorientiertes Arbeiten möglich. Dem steht allerdings in vielen Fällen die Verwaltung der darunter liegenden Daten in Form von SQL-Tabellen entgegen. Dieser so genannte Paradigmenbruch kostet Performance zur Laufzeit und erfordert Verrenkungen schon beim Programmieren.
Zu den Systemen, die diesen Nachteil vermeiden oder zumindest abmildern, gehört die Datenbankverwaltungs-Software Caché, dieser Tage in der Version 5 erschienen. Das Linux-Magazin hatte die Gelegenheit, eine Vorabversion des Linux-Servers zu testen.
Caché verwaltet die Datenbestände nicht in Form flacher, relationaler Tabellen, sondern objektorientiert. Das geschieht über eine proprietäre Unified Data Architecture, die sowohl den objektorientierten als auch den SQL-Zugriff gestattet (Abbildung 1). Dadurch ist es möglich, mit den verschiedensten Frontends auf gespeicherte Datenbestände zuzugreifen und sie für die Auswertung zur Verfügung zu stellen.
So kann jeder Entwickler das ihm gewohnte Werkzeug verwenden und ist auch unabhängig vom eingesetzten Betriebssystem, das auf Server- und Client-Seite unterschiedlich sein kann. Eine besondere Möglichkeit ist die Benutzung von Caché Server Pages (CSP), die es gestatten, zur Laufzeit daten- und ereignisabhängig HTML- oder XML-Code zu generieren, der im Browser des Benutzers dargestellt wird.
Als Linux-Betriebssysteme werden Red Hat 7.2 und SuSE 7.3 unterstützt, frühere oder auch höhere Versionen und andere Distributionen sind mit etwas Anpassungsaufwand ebenfalls lauffähig, sofern sie Kernel 2.4 verwenden.
Installationshürden genommen
Bei der Installation hat sich gegenüber früheren Versionen wenig geändert (siehe auch[1]). Erleichtert wird sie besonders für Neueinsteiger dadurch, dass jetzt die Dokumentation direkt von der CD lesbar ist. Das ist auch unbedingt erforderlich, da Linux-Distributionen meist zu wenig Shared Memory für den RAM-hungrigen Datenbankserver bereitstellen, dieser aber bereits während der Installation verwendet wird, um die Systemdatenbank einzurichten. Eine Installation führt daher unweigerlich zum Abbruch, würde man nicht zuvor von der genannten Doku gewarnt. Die Abhilfe: Vor dem Start des Installationsskripts wird die Maximalgröße des Shared Memory überprüft und nötigenfalls heraufgesetzt:
# cat /proc/sys/kernel/shmmax
33554432
# echo "200000000" > /proc/sys/kernel/shmmax
Bei einer RAM-Größe von 256 MByte oder kleiner kann der Wert auch etwas niedriger angesetzt werden. Der »echo«-Befehl findet zweckmäßig seinen Platz in einem Startup-Skript wie »/etc/init.d /boot.local«.
Sonst darf sich der Administrator ruhig dem Installationsskript anvertrauen. Bugs vorheriger Versionen wurden ausgeräumt, sodass sich jetzt auch die Webserver-Anbindung fast wie von selbst installiert. Die Eingabe des Lizenzschlüssels kann man überspringen; dann läuft die Datenbank zunächst mit einer Ein-Benutzer-Lizenz [2]. Deren Erweiterung ist jederzeit möglich.
- Verbesserte Performance
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Komplette XML-Unterstützung (Klassendefinitionen, Objekte
als XML-Dokumente)
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Leider nicht für Linux: IDE mit Editoren, Assistenten und
Debugger (Caché Studio)
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Class Inspector für die effektive Bearbeitung von
Klassendefinitionen
- Basic und Java für Caché-Methoden
- Effektiveres Kompilieren von Klassen
- Erweiterungen bei SQL-Engine und SQL-Manager
- ODBC-Treiber für Linux
- Erweiterte Java-Unterstützung inclusive J2EE und EJB
- SOAP-Zugriff
- Neues Active-X-Gateway
- CSP-Technologie weiterentwickelt
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Nach der Installation ist der Datenbankserver sofort einsatzbereit. Einen ersten Eindruck von den zahlreichen Nutzungsmöglichkeiten gewinnt man durch Aufruf von »http://localhost/csp/samples/menu.csp« in einem Browser. Die Dokumentation ist gegenüber früheren Versionen wesentlich umfangreicher, konsistenter, leichter zu bedienen und auch in der Linux-Variante voll integriert. Dort ist sie mit »http://localhost: 1972/docbook/DocBook.UI.Page.cls« zu erreichen. Sie ist übrigens selbst eine Caché-XML-Anwendung.
Natürlich gibt es nicht nur Neuigkeiten bei der Dokumentation, sondern viele Erweiterungen und Verbesserungen des eigentlichen Server-Geschäfts. Einige von ihnen sind in dem Kasten "Neuerungen ... " zusammengestellt. Dem Zug der Zeit entsprechend, wird intern verstärkt auf Standards wie XML gesetzt, aber auch die Sprache Basic spielt eine größere Rolle als zuvor.
Die neue Arbeitsumgebung Caché Studio ersetzt zudem den ehemaligen Objekt-Architekten sowie das bisher vorhandene Studio und bietet eine einheitliche Arbeitsplattform für die Entwicklung von Klassendefinitionen, Methodencode und CSP-Seiten. Für Letztere ist als Alternative nach wie vor Dreamweaver von Macromedia gut geeignet, für das eine eigene Schnittstelle besteht.
Abbildung 1: Auf vielen Wegen erlaubt Caché den Zugriff auf gespeicherte Daten.
Ebenfalls neu im Studio ist ein Debugger, der Entwicklungszeiten verkürzen hilft und es erlaubt, auch kompliziertere Projekte in Angriff zu nehmen. Das Studio und die komfortablen Verwaltungswerkzeuge, die in Details verbessert wurden, brauchen natürlich ein GUI - und das ist die traurige Nachricht für Linux-Anwender: Es gibt auch in der neuen Caché-Ausgabe keine Implementierung für X-Window.
Entwicklung nur unter Windows
Wer also alles auf einem Server abwickeln möchte, kommt an VMWare und zusätzlichen Windows-Lizenzen nicht vorbei. Selbstverständlich sind alle Werkzeuge auch remote über TCP/IP einsetzbar. Für Puristen der Kommandozeile gibt es weiterhin die Möglichkeit, über Telnet alle Befehle direkt an den Datenbankserver abzusetzen. Die erforderlichen Kommandos stehen in der Caché-Object-Script-Referenz der Online-Dokumentation. Die wichtigsten sind auch in[3] ausführlich beschrieben.