Noch ältere Distributionen waren nicht mehr aufzutreiben - diese hier reichen bis Herbst 1994 zurück.
Aufmerksamen Lesern ist der Anfang der Linux-Geschichte ja bekannt: 1991 programmiert und veröffentlicht Linus Benedict Torvalds den ersten Kernel, gruppiert ihn mit GNU-Tools, begeistert damit zahlreiche Programmierer und zofft sich mit dem Betriebssystem-Guru A. Tanenbaum (siehe [1], [2], Kernel-Versionen und Zeittafel).
Im Sommer 1992 erschienen die ersten Linux-Distributionen; eine der ersten war das Softlanding System (SLS) von Peter MacDonald, von der letztlich über die Slackware fast alle modernen Distributionen abstammen. Die ersten deutschen Linux-Anbieter entstanden im Spätjahr 1992: SuSE, Delix, Unifix und Lunetix. SuSE wurde inzwischen die erfolgreichste Distribution in Europa, nicht zuletzt wegen der konsequenten Internationalisierung.
Die Käufer kamen großteils aus dem akademischen Umfeld. Eine nennenswerte kommerzielle Bedeutung in der IT-Landschaft erwartete damals niemand. An Hochverfügbarkeit, absturzfeste Dateisysteme oder Linux-Clustersoftware war nicht zu denken. Allenfalls der Umstand, dass die üblich eingesetzten Unix-Systeme für kleine Budgets so unverschämt teuer waren, sprach für Linux in überschaubaren Umgebungen. 1993 erschien das damals sehr hilfreiche Linux-Anwenderhandbuch. [3]
Keim für den Erfolg gelegt
Dass Linux ein Trend würde, war für Insider bereits 1994 erkennbar, denn mit Erscheinen des Kernels 1.0 fand das freie Betriebssystem immer mehr Anhänger. Neben dem Vorteil des offenen Quellcodes und der Lizenzkosten-Freiheit arbeiteten die Unzulänglichkeiten des Standardbetriebssystems Windows for Workgroups 3.11 (Blue Screen) für die Torvald\'sche Software. Zudem bilden die Linuxer die Community, deren sichtbarer Ausdruck die Linux-Usergroups sind (siehe S. 142).
Die Zeit war reif für eine publizistische Begleitung: Im März 1994 erschien in den USA das erste "Linux Journal". Die 100. Ausgabe des weltweit zweiten Magazins, das sich nur mit Linux befasst, halten Sie gerade in den Händen. Um einen Eindruck vom ersten Linux-Magazin zu bekommen, folgen ab Seite 90 fünf Seiten als Faksimile. Viel Spaß!
Ab 1997 setzten die Entwickler mit Ext3, LVM und später ReiserFS den Zug zu Hochverfügbarkeit und kommerzieller Eignung in Bewegung. Beowulf-basierte Cluster sind spätestens seit der WDR-Computernacht 1998, bei der auch das Linux-Magazin mitmischte, nichts Exotisches. Mit Adabas D portierte die Software AG die erste große Datenbank auf Linux.
Einen Hype um Linux löste 1999 die Ankündigung großer Softwarehäuser aus, ihre Programme auf Linux zu portieren. Den dicksten Fisch für Tux briet SAP mit R/3. Alle namhaften Datenbanken von Oracle, IBM DB 2 bis Informix zogen augenblicklich nach.
Auf der CeBIT 1999 saßen Pinguine an den Ständen aller Firmen. Dieser Hype spülte geradezu obszöne Geldmengen in die Szene. Der Rest ist Gegenwartsgeschichte - monatlich nachzulesen in Ihrem Linux-Magazin.
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Version
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Datum
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Größe Tar.gz
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0.01
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17. Jan. 1991
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73091
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0.10
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11. Nov. 1991
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123051
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0.95
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8. Mar. 1992
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141080
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0.97
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1. Aug. 1992
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288684
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0.99
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12. Dez. 1992
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535946
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1.0
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13. März 1994
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1259161
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1.2
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7. März 1995
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2301256
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2.0
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9. Jun. 1996
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5843677
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2.2
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26. Jan. 1999
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13080195
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2.4
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4. Jan. 2001
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24378762
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2.6
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irgendwann 2003
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???
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Januar 1991
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Linus Torvalds kauft einen 386-Rechner, um mit der MMU zu experimentieren: »ABABABABAB«
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25. August 1991
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"Hello everybody out there using Minix ..." - erstes Posting auf »comp.os.minix«
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1992
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"Linux is obsolete"; erste Portierung von X386 (heute XFree86); erste Zeitschriftenartikel weltweit erscheinen in Deutschland
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1993
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Erste deutsche Linux-Distributionen; erster öffentlicher Vortrag von Linus Torvalds
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1994
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Kernel 1.0 erscheint; erster Linux-Kongress in Heidelberg;
[http://www.linux.org]; starke Verbesserungen am Netzwerkcode; Start des Linux-Magazins; erste kommerzielle Ansätze
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1995
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Portierungen auf Sun Sparc und Digital Alpha
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1996
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Kernel 2.0 bringt symmetrisches Multiprozessing
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1997
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Anstoß für Enterprise-Features:
Hochverfügbarkeit, Journaling-Dateisysteme, Logical Volume Manager
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1998
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WDR-Computernacht: "Cluster of Working Nodes" stellt Weltrekord auf mit 512 Rechnerknoten in einem Beowulf-Cluster
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1999
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Pinguine auf der CeBIT; SAP R/3; IBM beginnt Linux zu unterstützen
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2000
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Spitze des Linux-Hype mit Börsengängen und
Firmenbewertungen mit dreistelligen Millionenbeträgen; aus einer Rippe des Linux-Magazins entsteht der LinuxUser
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Sechs Seiten des Linux-Magazins 10/1994 im Faksimile. [PDF]
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2001
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Weltwirtschaft drückt auch auf den Linux-Sektor; Konsolidierung; Microsoft-FUD
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Sechs Seiten des Linux-Magazins 10/1994 im Faksimile. [PDF]
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2002
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Der Deutsche Bundestag entscheidet auf seinen Servern statt Windows NT Linux einzusetzen
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[1] Glyn Moody: "Die Software-Rebellen - Die Erfolgsstory von Linus Torvalds und Linux"; Linux New Media AG, München 2001
[2] Linus Torvalds, David Diamond: "Just For Fun - Wie ein Freak die Computerwelt revolutionierte"; Hanser Verlag, München 2001
[3] Hetze et al., Linux Anwenderhandbuch: [http://www.linux-ag.de/linux/LHB/]
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