Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2003

Red Hat 8.0, Mandrake 9.0 und SuSE 8.1 als Desktop-Systeme

Fotofinish

Kurz nach SuSE 8.1 erschienen neue Major Releases von Red Hat und Mandrake. Beim Vergleichstest für den Desktop-Einsatz liegen alle drei Kandidaten etwa gleichauf. Das deutlichste Unterscheidungsmerkmal ist die Versionsnummer, die auch bei Linux zum reinen Marketinginstrument wird.

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Null-Releases wie die 8.0 von Red Hat oder die 9.0 von Mandrake stehen im Allgemeinen für technischen Fortschritt, Minor-Releases wie die 8.1 der SuSE deuten hingegen traditionell auf mehr Sicherheit und Stabilität hin. Da aber alle Linux-Distributoren mit demselben Wasser kochen, verlieren die Versionsnummern ihre Bedeutung; technisch sind sich alle etwa gleichzeitig erscheinenden Distributionen sehr ähnlich (Tabelle 1), dazu trägt auch die bei allen Testkandidaten vorhandene LSB-1.2-Zertifizierung bei. Zum Test standen die Professional-Versionen der drei Distributionen (bei Mandrake Power Pack).

Die leidige Installation

Eine Installation dauert maximal eine Stunde im monate- oder jahrelangen Leben des Systems und ist damit eigentlich weniger wichtig. Da aber vorkonfigurierte Linux-Rechner aus dem Supermarkt immer noch nicht die Regel sind, ist sie eine Einstiegshürde für neue Benutzer. Die Hersteller hatten jedoch jahrelang Zeit, diese Hürde niedriger zu legen, sodass gerade die mangelnde Verfügbarkeit vorkonfigurierter Systeme zur konkurrenzlos einfachen Installation durch den Benutzer geführt hat.

Allenfalls die Partitionierung kann größere Probleme bereiten, etwa beim Zusammenspiel mit NTFS. Wer Linux auf einer Festplatte mit einer einzigen, großen NTFS-Partition installieren will, ohne diese vorher zu entfernen, ist auf Werkzeuge Dritter angewiesen, etwa Partition Magic. Die meisten darüber hinaus auftretenden Fehler und Inkompatibilitäten sind jedoch eher Ärgernisse als echte Show Stopper.

Alle drei Kandidaten ließen sich auf allen drei Testsystemen installieren, und zwar auf einem IBM-Notebook Marke Thinkpad A22M, einem Low-End-Celeron-500 mit Standardhardware und einem Dual-P-III mit 80-GByte-IDE-Platte und einer U2W-SCSI-Platte an einem Tekram-DC390U2W-Controller.

In wenigen Fällen war während der Installation eine kleine Hilfestellung notwendig. So weigerte sich SuSE Linux 8.1 zunächst, eine lauffähige X-Konfiguration auf dem Laptop zu erstellen. Eine Rückfrage beim Support lieferte jedoch innerhalb annehmbarer Zeit eine gangbare Lösung. Nach dem Abschalten der ACPI-Unterstützung funktionierte die Installation einwandfrei. Red Hat 8.0 und Mandrake 9.0 waren auch ohne diese Hilfestellung in der Lage, ein lauffähiges System auf dem Thinkpad zu erstellen. Red Hat 7.3 hatte noch ähnliche Probleme wie die aktuelle SuSE.

Anders als in der Version 8.0 war SuSE Linux 8.1 auch nicht in der Lage, den U2W-SCSI-Controller des Serversystems selbstständig zu identifizieren. Hier musste das passende Kernelmodul »sym53c8xx« mit Hilfe von Linuxrc vor der eigentlichen Installation geladen werden. Dieser im Grunde triviale Fehler wird hoffentlich in der nächsten Version behoben sein.

Mandrake zeichnete sich durch eine problemlose Installation auf allen Geräten im Testfeld aus. Negativ zu bemerken sind hier höchstens die lieblose Verpackung der CDs in einzelnen dünnen Hüllen und das Fehlen einer DVD in der Power-Pack-Edition. Eine DVD-Edition ist laut[3] nur separat erhältlich. Schön ist hingegen, dass Mandrake selbst bei einer Installation auf ein System mit SuSE-Partitionen in der Lage war, die vorherigen Mountpoints korrekt zuzuordnen, es war kaum Handarbeit notwendig.

Red Hat hatte Probleme mit der Partitionierung der IDE-Festplatte des Celeron 500 und meldete sich mit einer unvollständigen und gemischtsprachigen Fehlermeldung. Erst ein Wechsel auf die Konsole zeigte sie komplett. Danach ließ der Installer nur noch den Reboot und den Neustart der Installation zu. Erst die Verwendung bereits vorhandener Partitionen erlaubte die Installation auf diesem System.

Will man bereits während der Installation eine Auswahl an weiterer Software treffen, kann SuSE dank der eingebauten Suchfunktion gegenüber der Konkurrenz punkten. Bei Tausenden von Paketen ist das sehr hilfreich.

Ein Versuch, den verfügbaren Hauptspeicher eines der Installationssysteme mittels eines Boot-Parameters der Art »mem=32M« künstlich zu beschränken, zeigte, wie speicherhungrig die heutigen Installationsroutinen sind. Red Hats Anaconda wollte 48 MByte RAM, SuSEs Yast 2 und Mandrakes Drak-X benötigten 64 MByte, um zu starten.

Bei weniger Speicher startet nur Red Hat automatisch die textbasierte Installation. Mandrake fordert zum Reboot und zur Benutzung des textbasierten Installers auf. SuSE schließlich bittet bei einer Speichergröße von 48 MByte um die Aktivierung einer Swap-Partition. Da sich diese in unserem Fall auf der SCSI-Platte befand, deren Controller von SuSE nicht erkannt wurde, scheiterte die Installation. Bei nur 32 MByte Hauptspeicher brach der Bootprozess bei SuSE sogar nach der Meldung »Moving to tmpfs ...« mit einer Kernel Panic ab.

Partitionsvielfalt

Sehr unterschiedlich ist die vorgeschlagene Aufteilung einer gut 17 GByte großen SCSI-Platte. (Abbildung 1). Einer kleinen Bootpartition von 97 MByte folgt bei Red Hat eine sehr große Rootpartition von 16 GByte mit dem Ext-3-Dateisystem. Eine eigene Homepartition fehlt. Red Hat hält sich an die alte Regel, den Swapspace doppelt so groß einzurichten wie den im Testsystem 512 MByte großen Hauptspeicher, und legt demgemäß eine 1 GByte große Auslagerungspartition als »/dev/sda3« an.

Mandrake trennt die »/home«-Partition (»sda6«, 11 GByte) vorbildlich von der Rootpartition (»sda1«, Ext 3) mit 5,3 GByte. Die Größe der Auslagerungspartition (249 MByte) ist allerdings ebenso eigentümlich wie die Tatsache, dass diese, wie auch die Homepartition, Teil einer erweiterten Partition ist. Es waren im Testsystem noch genug primäre Partitionen vorhanden. Eine eigene »/boot«-Partition wird nicht angelegt. SuSE schließlich begnügt sich mit einer gerade mal 12 MByte großen Bootpartition (»sda1«), gefolgt von 640 MByte an Swapspace (»sda2«) und einer 16,4 GByte großen Rootpartition unter ReiserFS. Wie bei Red Hat ist keine eigene »/home«-Partition vorhanden.

Abbildung 1: Die vorgeschlagenen Partitionierungen einer SCSI-Platte.

Insgesamt machte Mandrakes ohne jeden Fehler ablaufende Installation den besten Eindruck. Allerdings sind die Probleme mit den beiden anderen Distributionen bei vorhandenen Linux-Grundkenntnissen leicht zu umgehen. Wer einen einigermaßen standardkonformen Rechner sein Eigen nennt, sollte mit keiner der drei Distributionen auf größere Hindernisse stoßen.

Mandrake erlaubt schon während der Installation das Anlegen eines passwortfreien Logins. Das für sicherheits- bewusste Administratoren vermutlich haarsträubende Feature kann für gut abgeschirmte und administrierte Desktop-Umgebungen jedoch eine interessante Alternative sein. Auch Red Hat bietet diese Funktion an, richtet sie aber bei der Installation nicht ein.

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