Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2003

Linux World Expo and Congress in Frankfurt

Die Nähe des großen Geldes

Die Linux World Expo in Frankfurt hat sich in diesem Jahr endgültig als wichtige europäische Linux-Show etabliert. Die Ausstellerzahl ging zwar zurück, aber es kamen mehr Besucher. Gäste der parallel stattfindenden Messe "Bankers World" durften wieder umsonst rein.

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Mit der dritten Veranstaltung hat die Linux World Expo jetzt mit Sicherheit ihren Platz in der europäischen Linux-Landschaft gefunden. Trotz nicht gerade rosiger ökonomischer Lage zeigten sich die meisten der 80 Aussteller zufrieden mit der Atmosphäre und den Kontaktzahlen. Bahnbrechende Neuigkeiten gab es zwar kaum, aber alle waren da: IBM, HP, Sun, BMC und Computer Associates glänzten mit großen Standflächen. Auch Red Hat und SuSE waren gut dabei.

Weniger Aussteller, mehr Besucher

IBM übertrug ihr auf allen Messen gepflegtes Partnerkonzept auch auf die Linux World Expo, sodass viele Unternehmen wie der ERP-Software-Hersteller Pentaprise als IBM-Partner auftraten. Die Ausstellerzahl ging zwar von 90 auf 80 zurück, nach Angaben des Veranstalters kamen jedoch deutlich mehr Besucher: 14000 statt 9000 im Vorjahr.

Wie auch bisher profitierte die Besucherstatistik von den gleichzeitig stattfindenden Messen "Bankers World" und "Sparkassen IT". Jedoch verschwimmen hier die Grenzen, von Plüschpinguinen besetzte Server wurden auch auf der Bankers World gesichtet. Die Krawattendichte war in beiden Messen ebenfalls etwa gleich hoch, sodass der Besucher oft nicht wusste, ist er jetzt auf der Bank- oder der Linux-Messe.

Desktop im Visier

Trendthemen der diesjährigen Ausstellung waren zweifellos Linux auf dem Desktop sowie in Behörden und im Finanzsektor. So stellte Codeweaver am Stand von Linuxland die neue Serverversion von Crossover Office vor. Microsoft Office läuft damit in mehreren Instanzen auf dem Server, jeder Client wird über das durch SSH getunnelte X-Window-Protokoll bedient. Außerdem zeigen sich zaghafte Ansätze zu einer neuen Gründungswelle im Servicegeschäft, meist betrieben von geflüchteten oder vertriebenen Ex-Consultants der großen Unternehmensberatungen und den New-Economy-Resten.

Drei Beispiele: Die Open-Source-Projekte konzentrierten sich in einem leicht abgegrenzten ".org"-Pavillon. Die üblichen Verdächtigen wie Debian, KDE, die Free Software Foundation, Linux International und das Linux Professional Institute waren vertreten. Tom Schwaller, Ex-Chefredakteur des Linux-Magazins und jetzt Linux-Architekt bei IBM, moderierte ein Geek-Quiz, bei dem die anwesende deutsche Linux-Halbprominenz Fragen der Kategorie "Was beschreibt der RFC 1305?" beantworten musste. Anders als die Teilnehmer war das nicht sehr zahlreiche Publikum damit meist heillos überfordert, was aber auch an der ungünstigen Uhrzeit kurz vor Messeschluss gelegen haben mag.

Abbildung 1: Aric Stewart von Codeweavers führt die Serverversion von Crossover Office vor.

Da die Linux World eine Veranstaltung des US-amerikanischen Medienkonzerns IDG ist, wird sie auch in den USA stark wahrgenommen, was sich nicht zuletzt in der Anzahl und Qualität der Vortragenden bei der Konferenz sowie im Programmkomitee niederschlug. Dessen Vorsitzender war John "Maddog" Hall von Linux International.

Während des Konferenzprogramms fanden jeweils drei Vorträge parallel statt, und zwar jeweils für Administratoren, für Manager und zum Thema "Praktisches Linux". Technisch anspruchsvolle Themen waren eher in der Minderheit, es überwogen Vorstellungen von Softwareprodukten oder Erfolgsberichte wie etwa der über die Berechnung des Trickfilms "Shrek".

Noch ein pikantes Detail am Rande: Die Eröffnungskeynote konnte nicht wie geplant von IBM-Manager Jürgen Gallmann gehalten werden, da dieser zwei Tage zuvor als deutscher Geschäftsführer zu Microsoft gewechselt war. Statt dessen flog IBM kurzfristig Phil Juliano aus den USA ein.

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