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Linux-Magazin 01/2003

SuSE Linux Enterprise Server 8 im Test

Aufpoliert

Seit Ende November liefert SuSE den neuen Enterprise Server 8 aus, der erstmals auf United Linux basiert. Das Linux-Magazin hat den Golden Master des neuen Flaggschiffs getestet.

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SuSE Linux Enterprise Server 8, kurz SLES 8, basiert als erste Distribution auf dem brandneuen United Linux 1.0[1] und besteht daher aus gleich vier CDs: drei United-Linux-CDs, die bei allen United-Linux-Partnern bis aufs Byte identisch sein sollen, und der SLES-CD. Die Box, die seit Ende November für rund 900 Euro im Handel ist, soll zudem noch eine umfangreiche Dokumentation enthalten, sie war aber bei Redaktionsschluss noch nicht verfügbar.

Der Kern von SLES 8 ist mit Kernel 2.4.19, GCC 3.2 und Glibc 2.2.5 sehr aktuell. Wenn man allerdings die Update-Pakete im Maintenance Web der Vorgängerversion berücksichtigt, relativiert sich der Vorsprung: Für den SLES 7 wurden inzwischen Kernel 2.4.18 und Glibc 2.2.5 freigegeben. Der Red Hat Advanced Server 2.1 ist im Vergleich dazu mit Kernel 2.4.9 (Laufwerke bis maximal 1 TByte) und Glibc 2.2.4 ziemlich angegraut: Red Hat scheut sich bis heute, die Änderungen im Memory Management ab Kernel 2.4.10 in die Server-Distribution einzubauen.

Dennoch ist unmittelbar nach der Erstinstallation ein Kernel-Update fällig: Die am 13. November veröffentlichte Sicherheitslücke, mit der lokale Benutzer den Kernel lahm legen können, ist auch im Kernel des SLES 8 enthalten.

SuSE Linux
Enterprise Server 8

 
 

Lieferumfang:

4 CDs, Handbücher

Support:

Zeitlich unbegrenzter Installations-Support, Standard- und
Premium- Support gegen Aufpreis

Service:
(Update)

Über Maintenance Web, 1 Jahr inklusive, jedes weitere Jahr
750 Euro

Preis:

ca. 900 Euro

Backports von Kernel 2.5

SuSE hat einige Backports in den SLES 8 mit aufgenommen, die im Serverumfeld besonders interessant sind. Dazu zählen unter anderem der Scheduler von Kernel 2.5 und asynchrones I/O, mit dem SLES auf mehreren Prozessoren besser skalieren und auch unter hoher Last schneller reagieren soll. Zudem gibt es Posix Event Logging und Dynamic Probes, mit denen eine Fehlermeldung etwa per SMS an den Administrator geschickt und ein Failover gestartet werden kann, sowie Flexible Crash Dumps und Next Generation Posix Threads.

SuSE garantiert beim SLES 8 fünf Jahre Support über das Maintenance Web, das erste Jahr ist im Kaufpreis enthalten, jedes weitere Jahr soll 750 Euro kosten. Auch der SLES 7 wird über das Maintenance Web weiterhin gepflegt, ein Update auf den SLES 8 ist allerdings nicht möglich: Bei den internen Tests traten laut Ralf Flaxa von SuSE zu viele Probleme auf, sodass man letztlich besser auf das Update verzichtete. Die richtige Entscheidung, denn so wird dem Administrator nicht vorgespiegelt, man könne ein funktionierendes Update durchführen, obwohl das System am Ende doch komplett neu installiert werden muss.

Installation

Für die Installation wird von der SLES-CD gestartet, nach der üblichen Bootprozedur erwartet den Admin dann der Yast 2 mit einer nur in Englisch verfügbaren Lizenzvereinbarung, die bestätigt werden muss - ob die Vereinbarung in Deutschland juristisch relevant ist, ist zumindest sehr zweifelhaft.

Auf den ersten Blick hat sich an der Installation nur wenig geändert, die Optik ist nahezu identisch mit der von United Linux 1.0 und SuSE 8.1 Professional. Die größten Neuerungen sind die Unterstützung für bis zu 600 Festplatten pro Server und redundant ausgelegte Laufwerke (Multipathing). Laut SuSE sind die einzelnen Zugriffskanäle auch parallel nutzbar, um die Transferrate zu steigern. Yast 2 erkennt redundante Laufwerke über identische MD5-Hashes, die sich aus Seriennummer, Modell und Hersteller - also für jedes Gerät einzigartig - zusammensetzen. Sind zwei Hashes identisch, handelt es sich daher sehr wahrscheinlich um ein Laufwerk mit mehreren Zugriffswegen.

Als Bootloader werden sowohl Grub als auch Lilo eingesetzt. Letzterer wird allerdings nur dann installiert, wenn das Root-Dateisystem auf einem RAID liegt. Interessant ist, dass SuSE beide Bootloader mit dem gleichen Yast-2-Modul konfiguriert. Doch dazu später mehr.

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