Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2002

Free Standards Group

Gleich und gleich gesellt sich gern

Die Gründungsmitglieder von United Linux sind auch Mitglieder der Free Standards Group, die aus LSB und Li18nux hervorgegangen ist. Ihr Ziel: Die Struktur der Linuxe einheitlich und für andere verdaulicher gestalten. Schon die Betaversion von United Linux läuft erstaunlich gut durch die zugehörige Testsuite.

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Glaubt man seinen Mitgliedern, ist ein Hauptanliegen von United Linux, den Wildwuchs der Linux-Distributionen zu vereinheitlichen. United Linux basiert in weiten Teilen auf SuSE Linux, ein Vermächtnis, das in vielen Bereichen sichtbar ist (siehe Test ab Seite 30).

Die eigentliche Neuigkeit bei United Linux ist nicht die Technik der Distribution, sondern die Zusammenarbeit der teilnehmenden Distributoren SuSE, SCO/Caldera, Conectiva und Turbo Linux. Die Nähe zu SuSE Linux führt aber auch dazu, dass die von SuSE 8.0 und 8.1 eingehaltenen Standards fast unverändert für United Linux gültig sind. Aufgabe dieses Artikels ist es, auf diese Standards sowie die Parallelen, aber auch die Widersprüche mit United Linux näher einzugehen.

Es ist anzunehmen, dass die Gründung des Bündnisses United Linux für Scott McNeill (Abbildung 1), Executive Director der Free Standards Group (FSG)[1], eine große Bestätigung war. Schließlich ist es die Aufgabe seiner Organisation, dem Distributionswildwuchs babylonischen Ausmaßes durch Standards und die zugehörigen Testwerkzeuge eine gewisse Ordnung aufzuprägen.

Der Triumph des Schäfers

Im ersten öffentlichen LSB-Proposal vom 18. Mai 1998, einzusehen unter[3], findet sich der Satz (sinngemäß übersetzt): "Linux-Distributionen sollten das Basissystem nicht getrennt, sondern gemeinsam pflegen, wie dies schon beim Kernel passiert." Das genau ist die Idee hinter United Linux. Und was könnte für einen Schäfer (Scott McNeill) schöner sein, als dass seine Schafe (die Distributoren) freiwillig in den Stall trotten?

Die United-Linux-Initiative wäre sicherlich nicht ohne einen starken Druck des Markts entstanden. Es scheint insbesondere für SCO/Caldera (die wohl ihr Kerngeschäft von Linux weg verlagern) und Turbo Linux günstiger zu sein, die eigenen, kostenträchtigen Entwicklungsaktivitäten einzuschränken oder gar ganz einzustellen.

Conectiva wiederum taucht in der Liste der zertifizierten Linux-Distributionen auf der LSB-Webseite nicht auf. Es ist für die Brasilianer durchaus sinnvoll, eine LSB-Zertifizierung auf dem Umweg über United Linux anzustreben. Auch öffnen sie so für ihre Businessprodukte Märkte außerhalb Südamerikas, die für Conectiva ohne die Mitarbeit bei United Linux nicht erreichbar wären.

Für SuSE wiederum, die den Kern von United Linux nahezu allein entwickelt, dürfte die Initiative aufgrund der Beteiligung der Partner eine günstigere Verteilung der Entwicklungskosten bedeuten. Dank der Dominanz von Red Hats Hauptkonkurrenten SuSE innerhalb von United Linux ist trotz Einladung wohl kaum mit einem baldigen Beitritt der Rothüte zu rechnen. Ähnliches gilt für Mandrake, die deutlich näher an Red Hat liegt als die anderen großen Linux-Distributionen. Auch würde Mandrake mit einem Beitritt zur United-Linux-Initiative eines seiner wichtigsten Verkaufsargumente preisgeben: den Installer.

Abbildung 1: Scott McNeill, der ehemalige Chef von SuSEs USA-Filiale in Oakland und heutige Executive Director der Free Standards Group. (Quelle: Rüdiger Berlich)

Die Free Standards Group

Entstanden ist die FSG erst im Mai 2000 als Zusammenschluss der Gruppe Linux Standard Base (LSB,[4]) und der Linux Internationalization Initiative Li18nux, heute OpenI18N genannt[5]. Die Linux Standard Base definiert im Wesentlichen ein Basisystems, zu dem alle Linux-Distributionen kompatibel sein sollten. Applikationen und Pakete müssen folglich nur noch für dieses eine Basissystem entwickelt werden, sie laufen dann automatisch auf allen LSB-standardisierten Distributionen.

Neuerdings ist auch LANANA (The Linux Assigned Names And Numbers Authority,[6]) Teil der FSG, seine Aufgabe ist die Verwaltung des Linux-Namensraums. Es geht also zum Beispiel um die Vermeidung von Namenskonflikten bei Applikationen und Treibern. Die Open-Printing-Initiative der FSG befasst sich mit der Etablierung von Standards für eine skalierbare Druckumgebung im Linux-Umfeld.

Integriert in LSB ist der schon länger existierende Filesystem Hirarchy Standard (FHS), der seinerseits auf eine noch ältere Initiative zurückgeht. Die Free Standards Group kann man also als natürliche Evolution und Sammelbecken der Standardisierungsbestrebungen im Linux-Land verstehen.

Von Anfang an hatte die Free Standards Group die Unterstützung einer breiten Palette an Industrieunternehmen. Sogar SAP war am Anfang mit dabei, findet sich jetzt zwar nicht mehr in der Liste der FSG-Mitglieder, wird jedoch im United-Linux-Pressrelease interessanterweise wieder erwähnt.

Zu den heutigen Mitgliedern der FSG zählen die üblichen Verdächtigen: IBM, HP und Intel, aber auch Sun und Dell. Und selbstverständlich sind auch die großen Linux-Distributoren Red Hat und Mandrake und auch alle Gründungsmitglieder von United Linux mit von der Partie.[2]

Das geballte Interesse deutet auf die Wichtigkeit der Arbeit der FSG hin. Es scheint also Einigkeit über das Ob der Standardisierung zu herrschen. Nur beim Wie werden dank der Unwägbarkeiten kommerzieller Vermarktung des Linux-Betriebssystems gelegentlich neue Fragen aufgeworfen.

Um Scott und der FSG Gerechtigkeit widerfahren zu lassen: Die Liste der Distributionen, die die LSB-Zertifizierung erhalten haben (einsehbar unter[8]) schließt neben Mandrake 9.0 auch SuSE 8.1 und Red Hat 8.0 ein. Bei allen dreien geht die Zertifizierung bereits in die zweite Generation. LSB ist also durchaus erfolgreich.

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