Wenige Tage nach dem Tod von Edsger W. Dijkstra[1] starb der Norweger Kristen Nygaard[2] am 10. August 2002 kurz vor seinem 76. Geburtstag in seinem Haus in Oslo. Zusammen mit seinem Kollegen Ole-Johan Dahl[3], der im Juni dieses Jahres starb, entwickelte Nygaard die ersten objektorientierten Programmiersprachen Simula I (1962) und Simula 67 (1967). Einsatzzweck dieser Sprache war die Simulation diskreter ereignisorientierter Systeme. Nygaard führte als neue Konzepte Klassen, Objekte und Vererbung sowie das Multi-Threading ein. Diese Konzepte sind bis heute die Grundlage für OO-Sprachen.
Entwickler von Simula, der ersten OO-Sprache
Die Objektorientierung blieb das bestimmende wissenschaftliche Thema im Leben von Kristen Nygaard. Er leitete eine Vielzahl von Projekten, die sich mit Objektorientierung und OO-Sprachen beschäftigten. Der Informatik-Pionier leistete aber auch bedeutende Beiträge bei der Erforschung der Auswirkungen, die Computer und moderne Technologien auf die Gesellschaft haben.
Neben seinen Professuren in Aarhus (Dänemark) und später in Oslo war Nygaard auch Gastprofessor in Stanford sowie Gastwissenschaftler und Consultant bei Xerox und Apple in den USA.
Wichtige Auszeichnungen
Für ihre außerordentlichen Leistungen im Bereich der Objektorientierung wurden Nygaard und Dahl die beiden bedeutendsten Auszeichnungen im Bereich der Informatik verliehen: 2001 der A. M. Turing-Award[5] der ACM (Association of Computing Machinery) und 2002 die John-von-Neumann-Medaille[6] des IEEE (Institute of Electrical and Electronic Engineers).
In seinen späten Schaffensjahren entwarf Nygaard verschiedene didaktische Konzepte, die sich mit der Frage auseinander setzen, wie die Lehre an Schulen und Universitäten das Thema Programmierung vermitteln kann.