Open Source im professionellen Einsatz

Daten-DVDs unter Linux brennen

Großbrand

DVDs treten die Nachfolge der für Videofilme oder Backups aktueller Festplatten zu kleinen CD-Rs beziehungsweise CD-RWs an. Unter Linux sind jedoch beim Brennen von DVDs ein paar Besonderheiten zu beachten.

Mit rund 700 MByte bietet die CD nur beschränkten Platz: MP3-Songs, DivX- oder MPEG-Filme und hunderte Digitalfotos lassen das Homeverzeichnis eines Benutzers schnell auf einige GByte anwachsen. Zeit für einen Wechsel: Ein DVD-R/RW-Brenner wie der DVR-104 von Pioneer (siehe Kasten) ist schon für gut 300 Euro zu haben, DVD-Medien mit 4,7 GByte Kapazität gibt es für knapp zwei Euro das Stück auf Spindel[1], das sind nur 30 Cent für 700 MByte.

Der Aufbau von beschreibbaren CDs und DVDs ist sehr ähnlich. In beiden Fällen wird ein organischer Farbstoff durch einen Laser verändert. Bei den einmal beschreibbaren Medien gibt es jeweils eine Farbschicht vor der Reflexionsschicht, bei mehrfach beschreibbaren jeweils zwei Schichten.

Während bei CDs die Reflexionsschicht unmittelbar unter dem Label liegt, hat die (einseitige) DVD oberhalb der Reflexionsschicht eine zweite, unbenutzte Scheibe aufgeklebt: Ein Kratzer auf dem Label einer CD kann sehr leicht die Reflexionsschicht zerstören, das Label einer DVD ist vergleichsweise unempfindlich. Das Zwei-Scheiben-Laminat erlaubt es auch, zweiseitige DVDs herzustellen: Es werden einfach zwei Unterseiten aufeinander geklebt, für eine Beschriftung kann dann nur der Raum um das Mittenloch dienen.

Die Schlacht der Standards

Die konkurrierenden Standards DVD-R/RW und DVD+R/RW sind technisch sehr ähnlich, DVD-ROM-Laufwerke und DVD-Player können theoretisch die Medien aller vier Standards lesen. In der Praxis machen bespielte DVD-R-Medien die wenigsten Probleme. Fast alle Laufwerke am Markt kommen mit ihnen zurecht, einerseits weil die Medien eine hohe Lichtreflexion von 45 bis 85 Prozent gegenüber einer DVD-ROM bieten, zum anderen, weil auch der einkodierte Medientyp seit langem im Umlauf und in der Firmware der meisten Laufwerke gespeichert ist.

Anders bei DVD+R: Brenner für dieses Format gibt es erst seit einigen Monaten, so dass DVD-ROMs mit älterer Firmware DVD+R verweigern. DVD+RW wiederum ist zwar deutlich älter, verwendet aber wie DVD-RW einen Rohlingstyp mit einer Lichtausbeute von nur 18 bis 30 Prozent (Abbildung 1), was neue Probleme verursacht.

Ältere Laufwerke interpretieren die geringe Reflexion nämlich so, dass eine DVD-ROM mit zwei Datenschichten (bis 9 GByte) eingelegt wurde. Die RW-Medien haben jedoch keine zweite Schicht mit Daten, weshalb der Laser nicht fokussieren kann - das Laufwerk verweigert das Medium. Als Lösung gibt es unter[6] Firmware-Updates für DVD-ROMs, die gleichzeitig Features wie Regiocode-Befreiung bieten. Auch beim NEC DV-5700A aus[7] war ein solches Update erforderlich.

Auch wenn DVD-R/RW derzeit die günstigere Lösung ist, die Schlacht um den Standard ist noch nicht geschlagen. Es wird noch einige Monate dauern, bis sich ein Typ am Markt durchgesetzt hat. Linux-Nutzer haben leider sowieso keine Wahl: Zurzeit werden nur DVD-R/RW-Laufwerke unterstützt.

Abbildung 1: Eine DVD-R (links) reflektiert deutlich mehr Licht als eine DVD-RW (rechts). Das führt bei älteren DVD-ROM-Laufwerken zu Missverständnissen.

Abbildung 1: Eine DVD-R (links) reflektiert deutlich mehr Licht als eine DVD-RW (rechts). Das führt bei älteren DVD-ROM-Laufwerken zu Missverständnissen.

Linux brennt DVDs wie CDs

Die Handhabung des DVD-Brenners ist identisch mit der eines CD-Brenners - von der IDE-SCSI-Emulation bis zu den Device-Namen. Die Brennsoftware ebenso: CDs werden auch im DVD-Brenner mit Cdrecord[2] beschrieben, nur für DVD-Medien muss es die kommerzielle Version Cdrecord-ProDVD[3] sein.

Für private Nutzung sowie Forschung und Lehre hat Autor Jörg Schilling einen Lizenzschlüssel für Cdrecord-ProDVD freigegeben, der bis Mitte Januar 2003 gilt. Danach wird es zwar auch eine kostenlose Nutzungsmöglichkeit geben, möglicherweise ist dann aber eine individuelle Registrierung erforderlich. Der Lizenzschlüssel wird als Umgebungsvariable eingebunden, eine genaue Anleitung gibt es in der README zu Cdrecord-ProDVD unter[4].

Der kommerzielle Einsatz kostet 100 Euro, dann gibt es auch keine Beschränkung der Schreibgeschwindigkeit aufs maximal Vierfache mehr. Die Bremse spielt jedoch beim Pioneer DVR-104 kaum eine Rolle, bei maximal zweifacher DVD-Geschwindigkeit gibt es keine Einbußen. Zum Brennen von CD-Rs mit achtfacher Geschwindigkeit braucht man das freie Cdrecord, die ProDVD-Version bremst auch hier.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Als digitales Abo

Als PDF im Abo bestellen

comments powered by Disqus

Ausgabe 07/2013

Preis € 6,40

Insecurity Bulletin

Insecurity Bulletin

Im Insecurity Bulletin widmet sich Mark Vogelsberger aktuellen Sicherheitslücken sowie Hintergründen und Security-Grundlagen. mehr...

Linux-Magazin auf Facebook