Open Source im professionellen Einsatz

Grafisches Netzwerk-Verwaltungstool Scotty

Netz im Griff

Weniger umständlich als die generischen SNMP-Werkzeuge, aber trotzdem mit allen Analyse- und Management-Funktionen ausgestattet: Scotty ist eine leistungsfähige und frei erhältliche grafische Oberfläche für SNMP und weitere Protokolle.

Es ist ein Wunschtraum vieler Netzwerkadministratoren: Ein Tool, mit dem sie auf ihrem Arbeitsplatz-PC das gesamte Netz im Blick haben. Dieses Tool sollte den Zustand des Netzes und die kleinen Konfigurationsdetails mit wenigen Mausklicks zeigen. Das SNMP-Protokoll liefert dafür die passende Infrastruktur, die Kommandozeilen-Tools von Net-SNMP und Verwandten allein sind aber nicht ausreichend.

In den letzten Jahren wurden daher viele Frontends entwickelt, die die gesammelte Information menschenfreundlich aufbereiten und in einer grafischen Oberfläche darstellen. Viele dieser Verwaltungswerkzeuge kosten jedoch eine Menge Geld, oft mangelt es am Funktionsumfang oder es hapert an der Performance - kurzum, alles Gute ist selten beisammen.

In diese Lücke stößt das von Jürgen Schönwälder entwickelte Scotty. Auf der Basis von Tcl/Tk implementiert das Paket ein System zur Netzwerkverwaltung mit einer Motif-ähnlichen Oberfläche. Die Quellcode-Distribution ist unter[1] erhältlich, einige Linux-Distributoren haben Scotty auch in ihre Paketsammlungen integriert. Nähere Informationen zu Aufbau und Handling der Software bieten[2] und[3].

Scotty, das Universaltalent

Das Scotty-Paket besteht aus zwei Komponenten: der Tcl-Erweiterung Tnm und dem grafischen Editor Tkined. Tnm (Tcl Network Management) implementiert eine Reihe von Protokollen, die über einfache Aufrufe in Tcl-Programmen nutzbar sind. Tkined ist in der Art eines Flowcharters oder vektororientierten Zeichenprogramms aufgebaut und stellt die Netzwerkstruktur grafisch dar.

Die Tnm-Erweiterung von Tcl/Tk unterstützt folgende Protokolle:

  • SNMP in den Versionen v1, v2c und v2u; v3 ist in Arbeit;
  • ICMP (Internet Control Message Protocol) mit Ping, Netmask- und Timestamp-Abfragen sowie Traceroute;
  • DNS-Lookups der Record-Typen A, PTR, HINFO, MX und SOA;
  • HTTP-Requests und -Responses;
  • RPC mit den Diensten Portmapper, Mount-Daemon, Stat- und Etherstat-Daemon sowie PCNFS;
  • NTP-Requests (Network Time Protocol, Version 3)
  • sowie UDP ohne besondere Differenzierung.

Zusätzlich zu diesen Standardabfragen liefert Scotty weitere Kommandos, die die Netzwerkverwaltung vereinfachen. Eine Auswahl zeigt Tabelle 1. Für alle Kommandos gibt es übersichtliche Manualseiten, ebenso für Tnm insgesamt. Kenner der Tcl/Tk-Sprache finden Beispielskripte im Verzeichnis »/usr/lib/ tnm*/examples«, mit deren Hilfe sie Scotty anpassen und erweitern können.

Tabelle 1: Wichtige Scotty-Kommandos

Tabelle 1: Wichtige Scotty-Kommandos

Auf der Oberfläche

Ist Scotty nicht in der eigenen Linux-Distribution enthalten, hilft[1] weiter. Ein symbolischer Link »scotty.tar.gz« zeigt dort auf die jeweils aktuelle Version (zurzeit 2.1.11). Das Auspacken und Kompilieren klappt ohne Besonderheiten. Das Paket benötigt Tcl/Tk 8.3 und eine Reihe von Bibliotheken, die auf einem gepflegten System meist vorhanden sind. Genauere Auskunft geben die mitgelieferten Readme-Dateien.

Zentrales Arbeitsmittel für den Administrator ist der Netzwerk-Editor Tkined, der sich einfach mit »tkined &« starten lässt. Seine Arbeitsoberfläche gliedert sich in drei Bereiche:

  • Eine Menüleiste am oberen Rand, die alle implementierten Skripte enthält und überdies eine Menge Parameter für das Programm selbst anbietet.
  • Darunter eine Zeichenfläche (Canvas) für die Network Map, der grafischen Übersicht über das Netzwerk.
  • Die Werkzeugleiste am linken Rand, die hauptsächlich zum manuellen Bearbeiten der Network Map dient.

Eine neue Network Map entsteht auf verschiedenen Wegen: Zum einen kann man die gesamte Map mit der Werkzeugleiste komplett von Hand zeichnen. Damit es nicht nur eine schöne Zeichnung bleibt, stellen Kontextmenüs die Verbindung zu den realen Geräten her. Die zweite Möglichkeit ist, eine Network Map als Konfigurations-File zu formulieren und mit »File | Open« in die Arbeitsfläche zu laden.

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