Ein Grund für das verstärkte Engagement verschiedener Behörden in Sachen Linux liegt auf der Hand: Microsoft stellt im Juni 2003 offiziell den Support für Windows NT 4.0 ein; neue Lizenzen sind nur noch für Windows XP erhältlich. Das bedeutet für viele Behörden, dass ein Update fällig ist.
Teure Updates
Sollte sich ein Teil der Verwaltung für ein Update entscheiden, dann stehen zwei Varianten zur Verfügung: Eine neue Voll-Lizenz kaufen, die meist sehr teuer ist, oder einen Leihvertrag unterzeichnen, der allerdings deutlich kürzere Upgrade-Zyklen vorsieht, als sie in der Verwaltung mit vier bis fünf Jahren allgemein üblich sind.
Obwohl inzwischen wieder Gespräche zwischen der Koordinations- und Beratungsstelle der Bundesregierung (KBSt)[1] und Microsoft aufgenommen wurden, ist der Pinguin auf dem Weg in die deutsche Verwaltung. Der Rahmenvertrag zwischen Bundesinnenministerium[2] und IBM sieht vor, dass sich die behörden nach einem bestimmten Schlüssel von dem IT-Konzern Linux-Systeme installieren lassen dürfen.
In einem Interview mit der Tageszeitung "Handelsblatt" sagte der Minister Ende Juni, dass es bereits Verhandlungen mit Microsoft gegeben habe. Diese seien aber so verlaufen, dass für die Behörden als Lizenznehmer eine deutliche Verschlechterung eintreten würde. Derzeit befindet sich das Bundesinnenministerium im Gespräch mit IBM, um eine neue IT-Strategie auszuarbeiten.
Offener Quellcode nach dem 11. September 2001
Die Gespräche über neue Computer-Systeme wurden aber nicht ausschließlich durch die Verteuerung der Lizenzen für neue Windows-Versionen angeschoben. Die Regierungsbeamten nahmen den 11. September 2001 und die Terroranschläge zum Anlass, über die Sicherheit der Netzinfrastruktur zu diskutieren. Fazit: Systemen mit offenem Quellcode ist Vorrang zu geben. Zudem versprechen sich IT-Experten mehr Schutz vor Viren, da die Monokulturen im Bereich der Betriebssysteme aufgebrochen würden.
Indem die Verwaltung mehrere Dienstleister mit der Implementierung der Systeme beauftragt, macht sie sich gleichzeitig wirtschaftlich unabhängiger. Damit ist der amerikanische Softwareriese Microsoft wieder mal an einer empfindlichen Stelle getroffen. Immerhin galten lange Zeit die Produkte aus Redmond als Arbeitsgerät, das vielleicht nicht immer richtig funktionierte, aber zumindest von einem Konzern stammt, den man im Zweifel haftbar machen konnte.
Mit der Einführung von Linux und anderer Software, die quelloffen entwickelt wird, musste sich die Verwaltung, wie schon im Bundestag, auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen. Große IT-Firmen, in diesem Fall IBM, übernehmen die Migration der Systeme. Sie sind dann für das Funktionieren des Systems verantwortlich.
Die KBSt und das Bundesamt für Sicherheit- in der Informationstechnik (BSI)[3] arbeiten derzeit einen Migrationsleitfaden aus, der den einzelnen Behörden bei der Umstellung auf die neuen Systeme helfen soll. In diesen Leitfaden fließen die Erkenntnisse aus mehreren Pilotprojekten ein.
Bundesinnenminister Otto Schily setzt sich für mehr Linux in den Behörden ein.