Willkommen zu einer neuen Ausgabe der Brave GNU World, diesmal mit der Per-Anhalter-durch-die-Galaxis-Nummer 42. Mag die Erde auch größtenteils harmlos sein, so ist es dennoch manchmal leicht, auf ihr die Orientierung zu verlieren. Doch glücklicherweise gibt es Gps Drive.
Gps Drive
Abbildung 1: Gps Drive ist ein Navigationssystem, nicht nur für für Linux-Laptops und -PDAs.
Wie es der Name schon andeutet, ist Gps Drive[5] von Fritz Ganter ein Navigationssystem, das sich der Satelliten des Global Positioning System (GPS) bedient. Das Programm, das unter der GNU General Public License steht, funktioniert mit den bekannten Garmin-GPS-Empfängern mit serieller Schnittstelle und mit allen anderen GPS-Empfängern, die das NMEA Protokoll unterstützen (Abbildung 3). Es läuft bereits unter GNU/Linux und FreeBSD.
Nicht nur Laptops, auch PDAs sind für Gps Drive prädestinierte Geräte. Auf dem Compaq iPAQ (Abbildung 1) und dem Yopy wurde das Programm schon erfolgreich eingesetzt. Über einen GPS-Receiver ermittelt Gps Drive die aktuelle Position und zeigt sie automatisch auf der richtigen Karte an, der Anwender muss lediglich den gewünschten Maßstab angeben. Nicht vorhandenes Kartenmaterial lädt das Programm bei Bedarf selbstständig aus dem Internet oder von einem vorgewählten Proxy, auf Wunsch auch von den speziellen Kartenservern Expedia und Mapblast.
Mit dem Programm ist ebenfalls eine genaue Routenplanung möglich, denn Gps Drive kann Wegepunkte aus einer Datei einlesen oder solche nutzen, die vom Anwender selbst dynamisch mit der Maus angelegt werden. Man kann eigene Routen aufzeichnen und an andere weitergeben, das ist praktisch zum Beispiel für gemeinsame Fahrradtouren (Abbildung 2). Damit der Benutzer nicht ständig den Bildschirm im Blickfeld behalten muss, gibt es bei Gps Drive auch eine Sprachausgabe in Englisch, Deutsch und Spanisch. Dabei kommt die Sprachsynthese-Software Festival[6] zum Einsatz.
Zu den ungewöhnlichsten Features des Systems gehört meiner Meinung nach der Friendsd-Server. Mit Hilfe dieser Komponente können mehrere Benutzer ihre Positionen untereinander austauschen. Auf den Karten erscheinen neben dem eigenen dann auch die Standorte der anderen.
Gps Drive ist in C mit dem Gtk+-Toolkit geschrieben. Es läuft recht stabil, befindet sich aber noch in der Entwicklung. Künftige Schwerpunkte werden eine echte Straßennavigation sowie Spracheingabe sein. Die Programmbedienung ist derzeit an zehn Sprachen angepasst, Fritz Ganter sucht noch Hilfe für die Übersetzung in weitere Sprachen.
Abbildung 2: Mit dem übersichtlichen Menü von Gps Drive finden verirrte Pinguine wieder nach Hause.
Abbildung 3: Gps Drive funktioniert mit handelsüblichen GPS-Empfängern mit serieller Schnittstelle, etwa den verbreiteten Garmin-Geräten.
GNU Space Chart
Auch GNU Space Chart[7] von Miguel Coca, ein neues Paket des GNU-Projekts, dient der Orientierung in unbekanntem Gelände. Das eigentliche Awendungsgebiet liegt bei diesem Programm aber in einer anderen Dimension: Hier geht es um die Planung von intergalaktischen Umgehungsstraßen. Tatsächlich war es das Interesse an Science-Fiction-Geschichten und deren "Originalschauplätzen", das Miguel mit der Arbeit an Space Chart beginnen ließ.
GNU Space Chart ist ein Programm zur Kartografie von Sternen. Es zeigt aber nicht nur ein zweidimensionales Abbild des nächtlichen Sternenhimmels, vielmehr visualisiert es die Lage der Sterne im Raum (Abbildung 4). Der Benutzer blickt aus großer Entfernung auf die Sonne oder einen anderen Stern. Er kann dann nach Belieben andere Sterne hinzufügen. Die 3D-Ansicht lässt die Sterne auf Wunsch mit Linien verbunden im Raum rotieren.
Das GPL-Programm ist in C mit Gnome-Bibliotheken erstellt worden und folglich sehr schnell. Alle Sterne in einem Umkreis von 50 Lichtjahren um die Sonne lassen sich gleichzeitig anzeigen, sie rotieren in fließender Bewegung in Echtzeit. Ein weiteres Highlight ist ein Perl-Skript, das Daten aus astronomischen Katalogen extrahiert und in der Sternenkarte darstellt.
Von Robert Chassel stammt die umfangreiche Dokumentation. Er ist zugleich der fleißigste Betatester. Miguel sieht die Zielgruppe seines Programms derzeit hauptsächlich in den Autoren und Fans von Science-Fiction-Geschichten, die sich ein anschauliches Bild von den Sternen im Raum machen möchten.
Er denkt aber auch bereits an den Nutzen, den das Programm für echte Astronomen haben könnte - wenn er von denen nur genug Feedback bekäme. Auch allgemeine Unterstützung in Form von Programmcode, beim Testen und für die Dokumentation sind ihm natürlich herzlich willkommen.
Abbildung 4: Dreidimensionale Darstellung der Bezugspunkte im Raum ist die Stärke von Space Chart.