Open Source im professionellen Einsatz

Red Hat Advanced Server 2.1 (Pensacola)

Reife-Prüfung

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Red Hats neues Flaggschiff heißt Advanced Server. Mit Zertifizierungen großer Softwarehäuser und Enterprise-Features wie Clustering und Hochverfügbarkeit empfiehlt es sich für den anspruchsvolleren Kunden. Jedoch: Trotz Versionsnummer 2.1 ist es ein Erstlingswerk - und das merkt man.

Früher gab es Red Hat für Oracle oder auch Red Hat für SAP jeweils als separates Produkt, vom entsprechenden Softwarehersteller - neudeutsch ISV (Independend Service Vendor) - zertifiziert. Damit diese Liste nicht irgendwann gegen unendlich geht, haben die Marketingfachleute in Raleigh den Advanced Server ersonnen. Diesem Produkt wollen in den nächsten Wochen mindestens 20 ISVs ihre Unbedenklichkeits-Testate ausstellen, unter ihnen die IBM Software Group, der Applikation-Server-Spezialist BEA und die SAP. Zudem will Red Hat noch verschiedene Hardwarehersteller mit ins Boot holen.

Wie der SuSE Linux Enterprise Server gezeigt hat, rechtfertigen allein schon solche Zertifikate einen hohen Preis. Red Hat hat aber im Gegensatz zur Konkurrenz auch technisch draufgesattelt und wirbt vor allem mit guter Skalierbarkeit auf SMP-Maschinen, Cluster-Unterstützung, Load Balancing mittels Piranha sowie Hochverfügbarkeit. Dem technischen Anspruch entsprechend lag unser Testschwerpunkt daher auf der Cluster-Einrichtung sowie der Hochverfügbarkeitslösung Two-Node-Failover.

Mit der (Hoch-)Verfügbarkeit der Distribution selbst war es nicht so gut bestellt: Red Hat hat es bis weit nach Redak- tionsschluss nicht geschafft, ein fertig konfektioniertes Produkt ins Testlabor zu schicken. Unser Test bezieht sich also lediglich auf die CDs, die Red Hat schließlich als ISO-Images auf dem FTP-Server der Redaktion ablegte.

Installation

Die Installation des Advanced Servers unterscheidet sich kaum von der Professional 7.3, Red Hat verwendet für beide Distributionen das gleiche grafische Installationsprogramm. Die Auswahlseite enthält jetzt zusätzlich die Advanced- Server-Option, im Gegensatz zu verschiedenen Server- und Workstation-Varianten der Professional-Ausgabe.

Die Sprachanpassung ist befriedigend, hin und wieder tauchen trotz deutscher Einstellung englische Meldungen auf. Das ist kein Beinbruch, beim Advanced Server handelt es sich schließlich um eine internationale Distribution, die auch nur mit englischsprachiger Dokumentation ausgeliefert wird. Red Hat unterstellt den Admins ausreichende Englischkenntnisse.

Die Installation im Text-Modus hat sich gegenüber der Professional 7.3 oder älteren Red-Hat-Distributionen nicht verändert, allerdings hat sich ein Fehler in die Tastaturbelegung eingeschlichen: Es ist nicht möglich, ein ö einzugeben, wohl aber ä, ü und ß.

Bei der Installation auf einem Cluster ist die Firewall-Einrichtung komplexer als auf einem Einzelrechner. Die Standardeinstellung während der Installation (mittlere Sicherheitsstufe, keine Dienste oder nur DHCP freigegeben) ist dafür nicht geeignet, sie legt der späteren Cluster-Konfiguration Steine in den Weg. Wir empfehlen zunächst keine Firewall zu aktivieren, sondern die auf den Cluster angepassten Regeln nachträglich von Hand einzutragen.

Red Hat setzt in den eigenen Distributionen auf Gnome als grafischem Frontend, KDE steht optional zur Verfügung. In der Praxis werden die meisten Server aus der Ferne bedient, ein grafischer Desktop ist hier überflüssig. Für eine reine Konsolen-Umgebung genügt es, das Gnome-Paket während der Installation abzuwählen.

Umfangreiche Hardware

Die Dokumentation beschreibt einen Zwei-Knoten-Failover als eine der typischen Anwendungen für Advanced Server 2.1. Dieses Szenario sollte der Test nachvollziehen. Der Cluster für unser Testsystem umfasste zwei Dual-Athlon-Rechner mit 1,533 respektive 1,666 GHz Taktfrequenz, jeweils ausgerüstet mit einem Adaptec 29160 U160-SCSI-Controller. Die Installation des Red-Hat-Systems erfolgte auf den internen Festplatten der beiden Rechner.

Die Unterstützung dieser Hardware gab wenig Anlass zu Klagen, allerdings wurde das RAID-0 eines Promise Fasttrack 100 als zwei separate Festplatten erkannt. Ein bestehender RAID-Verbund müsste daher aufgelöst oder durch ein Software-RAID ersetzt werden. Auch gab es Probleme mit dem APIC des Asus- Boards A7M266-D im ersten Rechner. Bei der Initialisierung blieb der Kernel stets hängen, aber der Boot-Parameter »noapic« sorgte für Abhilfe.

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