Open Source im professionellen Einsatz

Der große Red-Hat-Test aller aktuellen Versionen

Hut ab!

Obwohl erst zum Redaktionsschluss dieses Magazins erschienen, sind die Distributionen des amerikanischen Marktführers Gegenstand eines ausführlichen Tests. Er klärt, ob Red-Hat-Käufer gut behütet sind.

Als Bob Young zusammen mit Mark Ewing im Jahr 1995 die Firma Red Hat gründete, hatte er erklärtermaßen vor allem eins im Sinn: So wie der Konsument bei Ketchup "Heinz" denkt, sollte ihm bei Linux nur "Red Hat" einfallen. Der rote Hut sollte zur Marke werden, zum Synonym für Linux und Open Source. Ganz aufgegangen ist diese Rechnung nicht, ein Betriebssystem ist weder technisch noch im Marketing so einfach mit Tomatensoße gleichzusetzen.

Geblieben ist aus der Ära Young die starke Business-Orientierung; Red Hat war eben nie eine Firma von Geeks für Geeks. Geblieben ist aber auch das Bekenntnis zu Open Source und zur GPL, was bei der Community eine gewisse Nachsicht hervorruft - auch bei manchen technisch und strategisch zweifelhaften Entscheidungen aus der Firmenzentrale in Raleigh.

Red Hat und die Konsumenten

Seit wenigstens drei Jahren hat Red Hat als Kunden fast ausschließlich Unternehmen im Auge, dort sind einfach die Gewinnaussichten höher als im Geschäft mit den Boxen. Dennoch ist eine breite Nutzerbasis für den langfristigen Erfolg einer Software vorteilhaft. Kein Problem, schließlich kann sich jeder ISO-Images der jeweils aktuellen Distribution downloaden. Endanwender, die darauf bestehen, eine Box zu kaufen, müssen von Jahr zu Jahr immer tiefer in die Tasche greifen, obwohl der Mehrwert, relativ gesehen, etwa konstant bleibt.

Vor etwa zweieinhalb Jahren gab es frische Red-Hat-Schachteln noch für etwa 80 bis 120 Mark, inzwischen kostet bereits die mager ausgestattete Personal-Box 65 Euro. Besonders üppig fallen die Steigerungen bei der Professional-Version aus, die inzwischen mit 250 Euro zu Buche schlägt. Neue Versionen von Professional und Personal erscheinen relativ zuverlässig zweimal pro Jahr.

Red Hat Network

Das zentrale Instrument, um ein Red-Hat-System zuverlässig aktuell zu halten, ist das Red Hat Network. Ein Abonnement kostet in der Basisversion derzeit 60 US-Dollar pro Jahr, dafür erhält der Kunde laufend Informationen über Patches und kann diese über ein GUI einspielen. Ein bevorzugter Zugriff auf ISO-Images ist inbegriffen. Nützlich in Zeiten stark beanspruchter FTP-Server. In der Enterprise-Version kommen noch echte Systemmanagement-Features hinzu: Gruppierung von Servern nach Einsatzzweck, Rechte-Management für mehrere Administratoren, Einrichtung lokaler Proxy-Server im Firmennetz und mehr. Ein Abo für die Enterprise-Version kostet 240 US-Dollar.

Interessant ist, wie auch beim Red Hat Network im Laufe der Zeit die Schraube anzieht. Anfangs war noch der anonyme Zugang mit einem Update-Agent (»up2date«) möglich, im Jahr 2001 wurde die Registrierung obligatorisch. Der Service-Level "Demo" erlaubte es aber trotzdem, Red-Hat-Systeme ohne kostenpflichtige Registrierung mit »up2date« aktuell zu halten. Inzwischen wurde dies ebenfalls eingestellt. Käufer der Personal- und Professional-Distribution erhalten zeitlich begrenzten Zugriff auf die Basisversion des Red Hat Network.

Eine Alternative für Firmen und Privatnutzer ist Ximians Red Carpet, das für verschiedene Distributionen funktioniert, mehr Pakete anbietet und oft aktueller ist.

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Ausgabe 07/2013

Preis € 6,40

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