Open Source im professionellen Einsatz

Interview mit Dieter Hoffmann von Red Hat

Erfolgreich konkurrieren

Red Hat Alliance, United Linux, Softwarepatente und Akquisitionen: Gesprächsstoff über Red Hats Positionen gibt es genug. Wir befragten Dieter Hoffmann, bei Red Hat verantwortlich für das Geschäft in Mittel- und Osteuropa.

Noch vor zweieinhalb Jahren wiesen Red-Hat-Manager jede Konkurrenzsituation mit anderen Linux-Anbietern energisch zurück. Aber die Zeiten und auch die Ausrichtungen der anderen Marktteilnehmer haben sich geändert. Jetzt richtet sich das seit jeher energische Marketing nicht nur gegen traditionelle Unix-Hersteller und gelegentlich gegen Microsoft, sondern auch gegen gegen SuSE & Co.

Linux-Magazin: Herr Hoffmann, sehen Sie die United-Linux-Initiative von SuSE, Caldera, Turbolinux und Connectiva als Angriff auf Red Hat oder treten Sie irgendwann selbst bei?

Dieter Hoffmann: Es hat Gespräche zwischen United Linux und Red Hat gegeben und es wird sie weiter geben. United Linux zielt offensichtlich auf den Unternehmensmarkt. Hier ist Red Hat schon seit zwei Jahren bestens positioniert. Auch haben wir die nötige weltweite Service- und Support-Infrastruktur. Insofern ist die Teilnahme am United-Linux-Projekt momentan für Red Hat nicht interessant genug.

Für die vier beteiligten Firmen mag es aufgrund der jeweiligen lokalen Stärke Sinn machen. Wir sind in allen diesen Märkten bereits selbst aktiv. Der Red Hat Advanced Server wird bereits heute von ISVs (Independend Software Vendors) und IHVs (Independend Hardware Vendors) unterstützt. United Linux wird hingegen wohl erst im vierten Quartal ein Produkt vorlegen. Wie die tatsächliche Unterstützung der ISVs und IHVs für dieses Produkt aussehen wird, bleibt also abzuwarten.

Linux-Magazin: SuSE hat in Deutschland die deutlich höheren Marktanteile. Wie positioniert Red Hat seine Professional- und Personal-Versionen gegenüber den entsprechenden SuSE-Ausgaben?

Dieter Hoffmann: Wir bewegen uns hier durchaus im selben Marktsegment und konkurrieren sehr erfolgreich. Es mag richtig sein, dass wir in Bezug auf verkaufte Einheiten hinter SuSE liegen, der Verbreitungs- und Bekanntheitsgrad von Red Hat ist dagegen bedeutend höher. Außerdem gelingt es uns, mit unseren Boxen Geld zu verdienen, im Gegensatz zu unseren Mitbewerbern, die permanent auf externe Finanzspritzen angewiesen sind.

Red Hat Alliance festigt Partnerschaften

Linux-Magazin: Bei vielen Linux-Usern und teilweise auch in den Medien wurde die Red Hat Alliance entweder als Antwort oder als Ursache der United-Linux-Initiative gedeutet. Ist da etwas dran?

Dieter Hoffmann: Nein. Das Red-Hat-Alliance-Programm hat den Zweck, die Zusammenarbeit zwischen uns und den ISVs auf eine vertragliche Grundlage zu stellen, vor allem im Zusammenhang mit dem Advanced Server. Bisher gab es da hauptsächlich lose Verbindungen, die oft auf das Betreiben der Softwarehersteller zustande kamen, so war es zum Beispiel mit Harald Kuck bei der SAP. Jetzt verlangen wir von den Softwareherstellern ein lang- und mittelfristiges Commitment. Schließlich leben wir von dem Produkt.

Wenn wir für jeden der jetzt schon über 20 ISVs, die den Red Hat Advanced Server unterstützen, ein bis zwei Mitarbeiter abstellen würden, wäre das schon eine mittelständische Firma nur für den Support der Softwarehersteller. Damit wir das leisten können, brauchen wir eine vertragliche Grundlage.

Linux-Magazin: Welche Rolle spielen die Hardwarehersteller dabei?

Dieter Hoffmann: Für die gilt im Grunde genommen das Gleiche. Durch die angestrebten Release-Zyklen von 24 Monaten haben diese natürlich die Möglichkeit, ihre Hardware auf das Produkt abzustimmen. Was aber das Wichtigste ist: Wir können ebenfalls optimieren, bei der Software, aber auch bei der Hardware. Das hat die Ankündigung zusammen mit Oracle und Dell gezeigt. Durch die längeren Release-Zyklen haben wir da mehr Luft.

Linux-Magazin: Welche ISVs haben den Advanced Server schon zertifiziert?

Dieter Hoffmann: Etwa 20 Hersteller, unter anderem SAP und die IBM Software Group, haben sich dazu verpflichtet, spätestens innerhalb von 120 Tagen nach Erscheinen des Advanced Servers die Zertifizierung fertig zu haben. Die einzige schon vorhandene Zertifizierung ist die von Oracle.

Weiterhin klassische Comsumer-Produkte

Linux-Magazin: Wie steht Red Hat zu seinen Produkten, die unterhalb des Advanced Servers anzusiedeln sind? Den Online-Verkauf haben Sie ja beispielsweise an Linuxland abgegeben. Sind Sie überhaupt noch an Umsätzen im Einzelhandel interessiert?

Dieter Hoffmann: Für den Verkauf über das Web haben wir uns lediglich einen Partner gesucht, der das besser und effizienter kann als wir. Red Hat Linux wird weiter als klassisches Consumer-Produkt entwickelt und über unsere Channels und Märkte vertrieben. Diese Linie werden wir weiterführen, die neue Version, ob sie nun 8.0 heißen wird oder anders, wird ein klassisches Produkt für den Einzelhandel sein, mit Multimedia-Fähigkeiten und so weiter.

Für den Einsatz im Unternehmen werden wir unsere Advanced-Reihe bis Ende des Jahres auch um Desktop- oder Workstation-Varianten erweitern. Wer die Consumer-Produkte trotzdem im Unternehmen einsetzen will, kann das natürlich gern tun, dafür wird es aber keinen erweiterten Support geben.

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