Willkommen zu einer weiteren Ausgabe der Brave GNU World. Wir haben es schon immer geahnt, aber diese Ausgabe beweist es: Freie Software ist gut für die Gesundheit!
Debian-Med
Auch im Bereich medizinischer Anwendungen sind viele Projekte schon recht weit fortgeschritten. Da ein normaler Anwender meist überfordert ist, wenn es gilt, solche Lösungen zusammenzufassen, startete Andreas Tille Anfang 2002 das Debian-Med-Projekt[5].
Das Vorhaben will eine Debian-Distribution auf die Bedürfnisse von Anwendern aus dem medizinischen und mikrobiologischen Bereich zurechtschneiden und Softwareprojekte auf diesen Gebieten integrieren. Das Debian-Jr.-Projekt[6] - den Brave-GNU-World-Lesern aus dem Linux-Magazin 2/01[7] bekannt - hatte Andreas zu Debian-Med inspiriert. Die etwa 70 Beteiligten schaffen für die betroffenen Gebiete freie Softwarelösungen.
Sicherheit und Schutz der Daten gefordert
Privatsphäre, Schutz der Daten, Vertraulichkeit und Sicherheit sind die obersten Ziele. Gerade im ärztlichen Bereich, wo Software unmittelbar mit der Privat- und Intimsphäre von Menschen interagiert, muss sie hohen Anforderungen entsprechen, die ausschließlich Open-Source-Software erfüllt.
So gewährleistet nur die völlige Transparenz, dass Patientendaten vertraulich und vor fremdem Zugriff geschützt bleiben. Auch die Verlustsicherheit von Daten ist wichtig. Untersuchungen sind manchmal belastend, manchmal können sie gar nicht wiederholt werden. Gehen Daten verloren, beeinträchtigt das die ärztliche Leistung, es kann sogar das Vertrauen des Patienten in den behandelnden Arzt stören. Sichere, vertrauenswürdige und stabile Programme einsetzen - also freie Software - ist damit ein Muss für jeden verantwortungsvollen Mediziner.
Daneben besteht das Bedürfnis nach einfacher Bedienbarkeit, einfacher Installation und einfacher Administration. Sie verhindern Fehler und Frustration, die sich in diesem Bereich immer zu Lasten der Patienten auswirken, und erleichtern zudem den Umstieg von anderen Programmen.
Eine Live-CD für Vorführungen ist geplant. Das Projekt braucht Hilfe bei Dokumentation und Übersetzung. Auch ein Logo ist bisher noch nicht gefunden (Andreas schwebt aber bereits eine Kombination aus Debian-Logo und Schlange vor).
Die Lizenz muss sich bei einem derartigen Metaprojekt natürlich nach den Lizenzen der Einzelpakete richten, freie Software nach den Debian Free Software Guidelines (DFSG) ist aber bevorzugt. Bislang sieht sich das Projekt leider gezwungen, auch kostenlose proprietäre Software einzubinden. Die Entscheidung für eine solche Schwachstelle ist aber noch nicht endgültig und sollte, wenn sich genügend Gegenstimmen finden, abzuwehren sein.
Freie Software in den medizinischen Bereich einzubringen schien mir immer schon sehr wichtig. Wer in einem wirklich sinnvollen Projekt mitarbeiten möchte, ist bei Debian-Med am richtigen Platz, schließlich soll Debian-Med eine echte Alternative für Ärzte werden.