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Linux-Magazin 07/2002

Gmate Yopy YP-3000 im Test

Was lange währt ...

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Nach über zwei Jahren Ankündigungen und Vorführungen ist der Linux-PDA Yopy endlich fertig gestellt und über einen österreichischen Distributor auch in Deutschland zu haben. Was der neue Tux für die Westentasche kann, zeigt unser Test.

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Die Geburt des Linux-PDA Yopy dauerte ungewöhnlich lange, gut zwei Jahre lagen zwischen der ersten Vorstellung des Prototyps und der Markteinführung. Auf der CeBIT 2000 hatte Samsung mit der Vorstellung eines Prototyps des Yopy für Aufsehen gesorgt: Als erstes Gerät sollte der PDA über ein Farbdisplay verfügen, mit einem leistungsfähigen StrongARM-Prozessor ausgestattet sein und mit Linux arbeiten. Die Markteinführung gab Samsung optimistisch mit der zweiten Jahreshälfte 2000 an, doch nach der CeBIT wurde es ungewöhnlich ruhig um den reizvollen PDA.

Den nächsten Prototyp zeigte ein Jahr später die Firma Gmate [1]. Gmate war von Anfang an für die Entwicklung des Yopy zuständig und kündigte zusätzlich ein Development-Kit für den PDA an. Aber auch 2001 wurde es nach der CeBIT gleich wieder still um Yopy, Samsung verschob die Markteinführung wieder und wieder.

Das Irrlichtern setzte sich auf der CeBIT 2002 fort, diesmal waren am Stand von Gmate gleich mehrere Yopys zu sehen - just nachdem Samsung sich endgültig vom Vertrieb des PDA zurückgezogen hatte. Gleichzeitig wurde die Markteinführung verkündet - und tatsächlich zeigten auch verschiedene Distributoren die ersten Geräte.

Neues Design

Äußerlich hat der nun verfügbare Yopy YP-3000 nur wenig mit dem auf der CeBIT 2000 gezeigten Prototyp gemein. Der hatte wie ein Compaq iPaq nur vier Cursortasten unterhalb des Displays sowie zwei Funktionstasten. Die Entwickler haben dem Yopy jetzt eine komplette QWERTY-Tastatur mit Cursor- und einigen Funktionstasten verpasst und das Display in einem Klappdeckel untergebracht - ähnlich einem Kommunikator aus frühen Star-Trek-Tagen.

Das Display mit Touchscreen wird wie bei Palm und Handspring hochkant benutzt, ein Drehen des 240 mal 320 Pixel großen Bildschirms um 90 Grad ist nicht vorgesehen. Dank seines Portrait-Formats liegt der Yopy sehr gut in der Hand, ist aber für eine vollständige Tastatur in herkömmlicher Anordnung zu schmal. Gmate bedient sich eines gewöhnungsbedürftigen Tricks: Die oberen drei Tastenreihen enthalten den linken Teil einer amerikanischen QWERTY-Tastatur, auf den unteren drei Reihen findet sich leicht umarrangiert der rechte Teil der Tastatur wieder (Abbildung 1).

Abbildung 1: Gewöhnungsbedürftig und auf den ersten Blick chaotisch ist die geteilte QWERTY-Tastatur des Yopy. Mit zwei Daumen und viel Übung ist die Anordnung der Tasten aber durchaus praktisch.

Was auf den ersten Blick chaotisch wirkt, kann nach etwas Gewöhnung durchaus praktisch sein: Wenn der linke Daumen die oberen drei und der rechte die unteren drei Tastenreihen bedient, findet man die Tasten relativ zügig. Der Tastatur des Sharp Zaurus kann der Yopy allerdings nicht das Wasser reichen. Glücklicherweise hat Gmate sowohl eine Bildschirmtastatur als auch eine sehr gute Schrifterkennung eingebaut, doch dazu später mehr.

Die Hardware des Yopy ist ansonsten unspektakulär: Intels StrongARM-CPU mit 206 MHz, 16 MByte Flash und 64 MByte RAM gehören heute zum Stand der Technik. Unterschiede zum Sharp Zaurus oder Compaq iPaq finden sich allenfalls bei den Schnittstellen: Neben einem Slot für Multimedia-Cards (MMC) und Secure-Data-MMCs (SD-MMC) hat der Hersteller dem Yopy Irda-Port, Kopfhörer-Buchse und einen Cradle-Anschluss an der Stirnseite spendiert.

Am Cradle befindet sich auch der USB-Stecker zum Datenaustausch mit dem PC. Optional gibt es ein serielles Kabel für den Cradle-Anschluss sowie einzelne Netzteile und USB-Kabel. Offensichtlich hat Gmate auf einen Fast-Irda-Transceiver-Baustein verzichtet, die Dokumentation spricht beim Yopy nur von SIR, also Slow-Irda mit bis zu 115200 Baud.

Für Multimedia-Anwendungen gibt es neben dem Kopfhöreranschluss einen eingebauten Lautsprecher sowie ein Mikrofon. Der Sound-Codec ist genau wie in Compaqs iPaq ein Philips UDA-1341, der einen guten Klang verspricht.

USB-Master für Erweiterungen

Unter der abnehmbaren Rückwand versteckt sich ein 20-poliger Anschluss für Erweiterungs-Jackets, die wie beim iPaq aufgesteckt werden. Die Pinbelegung aus Tabelle 1 birgt Überraschungen: Bei den Pins 17 bis 20 handelt es sich um einen vollwertigen USB-Master-Anschluss zum Betrieb externer USB-Geräte, für die Ansteuerung ist ein so genannter Qmedia-Companion-Chip verantwortlich. Dieses Feature tröstet etwas über den fehlenden Compact-Flash-Anschluss hinweg, Erweiterungen können per USB eingebunden werden. Derzeit gibt es jedoch keine Jackets oder USB-Adapter.

Insgesamt ist der Yopy kleiner und leichter als seine Konkurrenten von Sharp und Compaq, er misst zugeklappt nur 102 mal 69 mal 17 Millimeter und wiegt 175 Gramm. Die Verarbeitung gibt keinen Grund zur Beanstandung, einzig das Scharnier des Displays federt etwas zu weich.

Tabelle 1: Pinbelegung des Erweiterungsports

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