Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2002

Transponder-Bezahlsystem unter Linux eingesetzt

Safer Cash

Was haben Skilifte, Kantinen-Kaffeeautomaten und Linux-Terminals in Internet-Cafés gemeinsam? Man muss zahlen, um sie benutzen zu dürfen, und sie akzeptieren das gleiche Plastikgeld.

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Der Betrieb von Surf-Terminals bedarf umfangreicher organisatorischer Maßnahmen. Werden die Geräte unbeaufsichtigt benutzt, zum Beispiel in einer Hotel-Lobby oder einem abgetrennten Internet-CafŽ, muss das Abrechnungssystem unter anderem ausreichend einbruchsicher, möglichst wartungsarm und leicht zu benutzen sein.

Oft werden Münzautomaten eingesetzt, die mit einer Zeitschaltung gekoppelt sind. Problematisch sind bei ihnen die Gewichtsschwankungen der Euro-Münzen aus unterschiedlichen Prägeanstalten sowie das Wechseln in Kleingeld durch weitere Automaten oder eine Aufsichtsperson. Zudem muss regelmäßig geleert werden - und es besteht die Gefahr des Diebstahls.

Berührungslose Abrechnung

Elektronische Zahlungssysteme helfen hier weiter. Mit einer Kunden-Karte kann ein vorher geladenes Guthaben aufgebraucht werden, die Leerung der Automaten entfällt. Verblieben sind mechanische Probleme der Lesegeräte: Ob es Abrieb an den Kontakten, Verschmutzung der Karten oder ein Kind ist, das dem Leseschacht eine Cola spendiert, die Wartung ist aufwändig und teuer. Zudem muss man in eigene Chipkarten investieren, was beim Kunden auf Dauer einen regelrechten Kartenstapel für verschiedene Anwendungen ergibt.

Einen anderen Weg geht die Schweizer Firma Yess Network [1]. Die auf der CeBIT 2002 vorgestellten Legic Cards arbeiten mit einem Transponder-System, das Karten berührungslos ausliest und Beträge abbucht.

Herzstück der Transponder-Karten ist ein ASIC mit Platz für 256 oder 1024 Byte Daten sowie einer Antenne. Auf der anderen Seite sitzen die Schreib-Lese-Einheit mit einem Antennenfeld, dem Legic-Modul mit Sender, Empfänger und Auswertungselektronik sowie die Ansteuer-Elektronik für die Freischaltung des Rechners und die Abbuchung der eingenommenen Beträge.

Die Transponder-Karten enthalten keine eigene Energieversorgung, sondern verwenden einen Teil der abgestrahlten Leistung der Schreib-Lese-Einheit zur Stromgewinnung. Zudem wird aus dem Signal des Schreib-Lesers die Anfrage dekodiert und mit einem eigenen Signal beantwortet, die Sendefrequenz beider Systeme liegt bei 13,5 MHz.

Eingebaute Verschlüsselung

Nicht jedes Lesegerät darf auf den Speicher der Karte zugreifen. Über den ASIC lässt sich der Kartenspeicher partitionieren und mit verschiedenen Zugriffsschlüsseln versehen. Ein Leser bekommt nur Daten, für die er einen Authentifikations-Schlüssel besitzt. Der gesamte Datenaustausch zwischen Leser und Karte wird zudem mit nicht näher beschriebenen Verfahren verschlüsselt.

Die Partitionierung bewirkt, dass der Inhaber mit derselben Karte sowohl den Skilift als auch den Kaffeeautomaten in der Kantine bezahlen und am Abend im Internet-CafŽ surfen kann. Auch lassen sich Benutzergruppen definieren: Gehört der Lift einer dem Hotel nahe stehenden Firma, muss der Gast die Karte nicht einmal für die Hotelnutzung und einmal für den Lift aufladen - beide Firmen buchen einfach einen unterschiedlichen Betrag von der gleichen Speicher-Partition ab.

Auch für Autorisierungs-Zwecke, beispielsweise als Zimmer- oder Hotel-Schlüssel, taugt das Transponder-System: Jedem ASIC wird bei der Produktion eine Seriennummer einprogammiert, die sich nachträglich weder verändern noch löschen lässt. Zudem sind die Transponder-Karten nicht für jedermann zu beziehen, Hersteller Legic [2] liefert nur an geprüfte Lizenznehmer und Integratoren.

Systeme mit Legic-Transpondern sind schon weit verbreitet, man findet sie zum Beispiel in Kaffeeautomaten der Münchner Firma Automaten Seitz, an Skiliften oder Tiefgaragen-Einfahrten. Die Transponder gibt es als Schlüssel, Schlüsselanhänger, Karten oder Uhren.

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