LUG Bremervörde
Hirte auf dem platten Land
Ein Pastor wollte sich nicht mehr mit Windows herumärgern und konvertierte zu Linux. Wie es sich für einen Mann Gottes gehört, rief er eine Gemeinde ins Leben - die LUG Bremervörde.
Ein Pastor wollte sich nicht mehr mit Windows herumärgern und konvertierte zu Linux. Wie es sich für einen Mann Gottes gehört, rief er eine Gemeinde ins Leben - die LUG Bremervörde.
Linux existiert nicht nur in der Großstadt, sondern auch in der Provinz. In Bremervörde etwa treffen sich regelmäßig Anwender, um ihr Wissen über Linux miteinander zu teilen. Angefangen hat alles im vergangenen Jahr nach den großen Sommerferien, als Pastor Peter Handrich einen Aufruf zur Gründung einer Usergroup startete. "Ich war mir nicht sicher, ob es überhaupt Interesse geben würde", so Handrich. Aber er wurde nicht enttäuscht.
Im Laufe der folgenden Woche meldeten sich rund 15 Menschen bei ihm, ausschließlich Männer, die in Bremervörde oder dem nahen Umkreis wohnen. So entstand in der Ebene zwischen Hamburg und Bremen eine neue Linux-Usergroup. "Beim ersten Mal haben wir ausgelotet, welche Vorstellungen die Einzelnen eigentlich von so einem Treffen haben. Dabei stellen wir fest, dass es ein breites Spektrum gibt", erzählt Handrich im Rückblick.
Also waren die Voraussetzungen für die Gründung einer Linux-Usergroup gegeben. Seitdem treffen sich die Mitglieder der losen Vereinigung regelmäßig einmal im Monat zum Austausch von Gedanken und neuen Tipps rund um das freie Betriebssystem und freie Software.
Im letzten Herbst veranstaltete die LUG Bremervörde eine Installationsparty, zu der sich einige Interessierte in den Räumen der evangelischen Gemeinde eingefunden hatten. Damals war vor allem Hilfestellung bei der Installation gefragt. Viele hatten zwar einen Rechner zu Hause stehen, nutzten aber bisher nur ein proprietäres Betriebssystem. Der Einsatz von Linux auf dem Laptop war ebenfalls ein Thema. Die tragbaren Geräte werden ja nicht selten als Spielwiese für neue Software eingesetzt.
Pastor Handrich ist selbst aus Ärger über das marktführende System auf Linux gestoßen. Abstürze und der berühmt-berüchtigte Blue Screen of Death haben die Arbeit im Alltag zur Qual gemacht. Nach langen Wochen und Monaten der Installation und Konfiguration erntet er heute den Lohn der Mühen. Zu Hause läuft bei ihm SuSE Linux; bald möchte er aber auf Debian wechseln.
Nach den ersten Schritten und eifrigem Selbststudium machte sich Peter Handrich damals auf den Weg nach Bremen und nahm dort an den Treffen der Linux-Usergroup teil. Auf die Dauer war der Weg aber zu weit und so kam schnell die Idee auf, doch eine eigene Linux-Usergroup vor Ort in Bremervörde ins Leben zu rufen. Heute beschäftigt er sich außer in seiner Freizeit auch bei einem Teilzeitjob mit dem Computer und sogar einen biblischen Aspekt kann der Pastor an Linux entdecken: "Jesus hätte sicher freie Software gepredigt."
Den Mitarbeitern in der Kirche wollte er Linux ebenfalls nahe bringen, stieß aber nur auf taube Ohren: "Nach wie vor wollen die auf Windows-Rechnern arbeiten und Word einsetzen." Dabei hat sich die nächsthöhere Instanz in der Kirchenhierarchie noch nicht einmal gegen den Einsatz von Star Office als Word-Ersatz gesperrt. Nach einem intensiven Gespräch mit den Vorgesetzten kam der Segen von oben. Vergebens.
Menschen aller Altersklassen treffen sich in der LUG Bremervörde, die mittlerweile ihren festen Stammplatz im Kanon des örtlichen Vereinslebens gefunden hat. Hier sitzen erfahrene Netzwerker und Computerexperten zusammen mit Studenten und diskutieren Konzepte und Lösungen mit den Mitteln, die die freien Software bietet.
Damit die Treffen künftig etwas strukturierter ablaufen, sollen die Abende einem bestimmten Thema gewidmet werden. "Das ist zumindest im Augenblick geplant", so Handrich. Für einen zugkräftigen Reigen von interessanten Vorträgen mit anschließender Diskussionsrunde braucht es schließlich viele Mitstreiter. Deshalb hoffen die Mitglieder der LUG, dass sich künftig mehr und mehr Menschen für Linux interessieren und Rat in der Gruppe suchen.
Infos |
| Hompage: [http://www.l4a.org] E-Mail: [infobrief@l4a.org] Treffen: einmal im Monat, jeden ersten Mittwoch im Monat Aktivitäten: regelmäßige Treffen; einmal im Jahr Installationsparty |
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