Immer wieder starten freie Projekte zur Entwicklung betriebswirtschaftlicher Software und Buchhaltungsprogrammen, genauso regelmäßig versanden jedoch die meisten wieder oder bleiben schon im Entwurfsstadium stecken.
Die Gründe dafür sind vielfältig, lassen sich aber gut gruppieren: Erstens machen Fibus den meisten (Freizeit-)Entwicklern keinen Spaß - seien wir ehrlich: auf den ersten Blick ist als eine Finanzbuchhaltung tatsächlich wenig sexy. Zweitens sind buchhalterische Know-how und Könnerschaft bei der Softwareentwicklung oft ungleich verteilt. Deshalb sind es oft einzelne Entwickler, die sich hier ans Werk machen, zumeist Selbständige oder Kleinunternehmer aus dem IT-Sektor. Ihr Solodasein frustriert sie auf Dauer zusätzlich, fällt als Motivationsquelle doch auch die Freude an gemeinsamer Arbeit weg. Erfreulich ist, dass dennoch nicht alle scheitern, die diesem Bereich in Angriff nehmen.
Dieser Artikel stellt deshalb vier Projekte vor, die eines gemeinsam haben: Sie sind derzeit aktiv. In Status, Zielrichtung und Umfang unterscheiden sie sich jedoch erheblich.
SQL-Ledger
Das SQL-Ledger-Projekt [1] startete 1998 mit der ersten brauchbaren Programmversion und ist bis heute sehr aktiv. Die aktuelle Version 1.8.3 stammt vom März 2002. SQL-Ledger ist ein System für Auftragsabwicklung, Finanzbuchhaltung und Lagerverwaltung. Es ist Webserver-basiert und in Perl geschrieben. Als Datenbank liegt PostgreSQL zugrunde.
Das Projekt um den in Kanada ansässigen Initiator Dieter Simader hat seit 1998 eine weltweite treue Nutzergemeinde um sich geschart, deren Mitglieder auch selbst zur Entwicklung beitragen. Lokalisierungen existieren für alle wichtigen europäischen Sprachen, aber auch für Chinesisch und Arabisch.
Vor allem die deutsche Nutzergemeinde ist in letzter Zeit sehr aktiv geworden und bemüht sich intensiv vor allem um zwei Aspekte: Die Entwicklung von Kontenrahmens und einer Datev-Schnittstelle. Die Fertigstellung des Kontenrahmens SKR 03 ist schon in den nächsten Monaten zu erwarten.
Abbildung 1: Die Web-Oberfläche von SQL-Ledger ist funktional, ohne Schnickschnack und ohne Java.
Flexibel und schlank
Auch in kleineren deutschen Unternehmen hat sich SQL-Ledger schon im praktischen Einsatz bewährt. Die Firma Linet Services [2] benutzt es beispielsweise in der Auftragsbearbeitung und zum Erstellen von Rechnungen.
Der Geschäftsführer Phillip Reetz lobt vor allem SQL-Ledgers einfache Handhabbarkeit, die meist reibungslose Installation und die gut kommentierten Schnittstellen. Die machen möglich, Anpassungen schnell und vor allem selbst auszuführen. Solche Modifizierungen sind beinahe in jedem Unternehmen nötig, da sich die internen Abläufe nie vollkommen in einem allgemeinen Modell abbilden lassen.
Hervorzuheben ist auch eine feingranulare Rechteverteilung. Für große Firmen ist das Programm dennoch wenig geeignet. Seltenheitswert hat eine weitere erfreuliche Eigenschaft von SQL-Ledger: Das Web-Interface ist auch mit textbasierten Browsern wie Lynx und W3C bedienbar. Dies kann einen Nachteil kompensieren, den Web-basierte Frontends immer haben, die zähe Bediengeschwindigkeit gegenüber nativen Clients.
Abbildung 2: Rechnungserstellung nach praktischer Art. Selbst E-Mail-Versand ist aus der Maske möglich.
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