Unix only - so heißt das Konzept der IT-Sicherheitsfirma Genua[1] aus Heimstetten bei München. 1992 von Dr. Magnus Harlander gegründet, ist sie auf 50 Mitarbeiter angewachsen und bietet seit 2001 als bisher einziger Hersteller eine Firewall an, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nach den strengen Kriterien von "ITSEC E3 hoch" zertifiziert wurde. Sicherheitsparadigmen spielen auch firmenintern eine große Rolle.
Abbildung 1: Magnus Harlander, Geschäftsführer der Genua mbH, hat die betriebswirtschaftliche Software seiner Firma jahrelang selbst entwickelt.
Es lag auf der Hand, die IT-Struktur der Firma möglichst komplett auf Unix/Linux auszurichten. Denn von Anbeginn waren Harlander und seinen Mitstreitern die 1992 für die Buchhaltung notgedrungen installierten DOS-Rechner mit KHK-Buchhaltungssoftware ein Dorn im Auge. Trotzdem taten sie bis zum Ende des Jahres 2000 ihren Dienst. Never change a running system - das ist mitunter ein Gebot der Vernunft. Die Firma war klein gestartet und organisch gewachsen, außerdem spielten am Anfang die Ausgaben für ein Buchhaltungsprogramm durchaus eine Rolle. Während der ersten acht Jahre erfüllte es schließlich seinen Zweck. Jahr-2000-fähig war das alte Programm allerdings nicht: Zeit für einen Wechsel.
Ablösung oder Integration
Abbildung 2: Dokumente erstellen auch ohne Latex-Kenntnisse. Das System holt Produktinformationen aus der Datenbank und berechnet Summen oder Rabatte.
Nur gab es an das neue System zusätzliche Anforderungen, die sich daraus ergaben, womit Magnus Harlander in den ersten sechs Jahren nach Firmengründung etwa zehn bis 20 Prozent seiner Arbeitszeit verbrachte. Nach und nach entwickelte er nämlich eine komplette betriebswirtschaftliche Software, allein aus Anforderungen, die sich seinem Unternehmen täglich stellten. So entstand zunächst ein Tcl/Tk-basiertes Programm für Adressverwaltung, Bestellwesen und ähnliche Aufgaben.
1995 wurde dieses Programm entweder zu klein für die gewachsene Firma oder Harlander wollte das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und seiner Lieblingssprache Perl fröhnen - wahrscheinlich spielte beides eine Rolle. Jedenfalls schrieb er in Perl alles neu und schob dem Ganzen noch eine PostgreSQL-Datenbank unter. Tk diente weiterhin als GUI-Toolkit.
Das Programmpaket, intern TNT genannt, war inzwischen zum Mädchen für alles in der Firma geworden. Adress- und Dokumentenverwaltung, das komplette Auftrags- und Bestellwesen - TNT war unverzichtbar. Die Oberfläche zeigte sich zwar gewöhnungsbedürftig, aber da mussten neue Mitarbeiter eben durch. Nach kurzer Zeit konnten sie schließlich äußerst effizient arbeiten.
Wer soll das bezahlen?
Abbildung 3: Die Daten des fiktiven Nutzers Lazlo Killer. Das Interface erlaubt es bei Bedarf, sehr viele Daten von Personen einzublenden.
Das Jahr 2000 rückte näher und die Geschäftsleitung suchte einen Ersatz für die Finanz- und Lohnbuchhaltung. Sie legte ein Pflichtenheft nach allen Regeln der Kunst an und sah sich unter anderem SAP/R3 an. Eine der SAP-Beratungsfirmen veranschlagte allein für die Umstellung der Finanzbuchhaltung einen Bedarf von etwa 100 Beratertagen - das war jenseits der Möglichkeiten.
Zumal man in den sauren Apfel hätte beißen müssen, die R3-Sprache ABAP zu lernen, schließlich will eine Firma mit dem IT-Know-how wie Genua nicht auf Gedeih und Verderb externen Beratern ausgeliefert bleiben. Man beachte: Harlander war offensichtlich bereit, für eine gute Komplettlösung sein jahrelang gepflegtes Baby TNT zu verstoßen. Dazu sollte es jedoch nicht kommen.