Open Source im professionellen Einsatz

Finanzbuchhaltungs- und Unternehmenssoftware unter Linux

Buchhalters Freund

Das Unternehmen ganz ohne Windows-Rechner muss durchaus keine Wunschvorstellung bleiben. Für Linux gibt es zahlreiche funktionierende und auch bezahlbare Lösungen für Finanzbuchhaltung und andere Unternehmenssoftware. Nur freie Fibu-Programme sind noch rar.

Auch vermeintlich konservative Abteilungen wie Buchhaltung oder Rechnungswesen bleiben von Trends und Zeiterscheinungen nicht verschont. Ächzten die Buchhalter in den vergangenen Jahren oft unter der Umstellung auf umständlich mit der Maus zu bedienende grafische Clients, steht jetzt Application Service Providing (ASP) vor der Bürotür - und netzwerkfähige Java-Clients sowieso.

Diese sind dann - hoffentlich - plattformunabhängig, so dass die Auswahl im Prinzip allein aufgrund der Kosten des Client-Betriebssystems fallen kann, und da hat Linux ja gewisse Vorteile. Die Server-seitige Unterstützung von Linux gehört ohnehin inzwischen zum guten Ton. Aber auch hier gilt das plattdeutsche Sprichwort "Wat dem een sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall". In vielen Firmen leisten textbasierte Fibu-Programme seit Jahrzehnten ihren Dienst, selbst bei Neuinstallationen sollten sie nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Deshalb stellen wir einige davon kurz vor.

Leistungsfähige Komplettsoftware mit moderneren Interfaces ist aber trotzdem im Aufwind. Zwar wird es Navision-Software nun wohl nie für Linux geben, nachdem sich Microsoft den europäischen Marktführer für Mittelstands-Software einverleibt hat. Aber hier schlägt die Stunde der Kleineren. Parity und Pentaprise - beide von deutschen Unternehmen entwickelt - erwiesen sich im Test als sehr interessant, nicht nur wegen ihres guten Preis-Leistungs- Verhältnisses.

Freie Projekte zwischen Tod und Auferstehung

Funktionierende freie Software für die Finanzbuchhaltung ist immer noch dünn gesät. Um viele mit hohen Ambitionen gestartete und von der Linux-Gemeinde mit großer Hoffnung begrüßte Projekte ist es recht still geworden. Dabei könnten sich hier möglicherweise sogar lohnende Geschäftsmodelle entwickeln. Schließlich brauchen Finanzbuchhaltungsprogramme regelmäßige Wartung, etwa die Anpassung an sich ändernde gesetzliche Vorschriften. Zudem sollten sie von einem Wirtschaftsprüfer zertifiziert sein.

Darum kann sich nur eine Firma kümmern. Ein Open-Source-Kern und dazu als ständige, kalkulierbare Einnahmequelle die Wartung und Übernahme der Gewährleistung - das kann funktionieren. Von vier Projekten, die das Potenzial dazu hätten, lesen Sie ab Seite 42.

Auch der oft skeptisch beäugte ASP-Markt könnte bei derartigen Modellen für Auftrieb sorgen. Dort nämlich brächte ein offenes, nicht von einem Hersteller zu okkupierendes Framework als Standard für Business-Anwendungen erhebliche Vorteile. Erforderlich ist aber eine flexible Struktur auf hohem Abstraktionsgrad. Schlägt doch noch irgendwann die Stunde von GNU Enterprise?

Wäre es ein Open-Source-Projekt, könnte man es wohl als eines der besten dieser Art feiern: Unter Nutzung der Vorteile, die freie Software bietet, wurde über die Jahre im Security-Unternehmen Genua mbH eine Unternehmenslösung gestrickt, die die komplette Firmenverwaltung automatisiert: von der Rechnungslegung bis zum Trouble- Ticket-System - alles mit Perl, PostgreSQL, Latex und Tk realisiert. Es ist anzunehmen, dass auch noch in anderen Firmen solche Perlen schlummern.

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Ausgabe 07/2013

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