Open Source im professionellen Einsatz

Die monatliche GNU-Kolumne

Brave GNU World

Diese Kolumne berichtet über aktuelle Entwicklungen innerhalb des GNU-Projekts und versucht, Einblicke in die zugrunde liegende Philosophie zu vermitteln. In dieser Ausgabe: Gambas, Minkowsky, GNUnet, Webminstats, Cook, Lin Compta, freie Software für Europa.

Willkommen zu einer neuen Ausgabe der Brave GNU World. Sie widmet sich - nach dem Schwerpunkt bei kreativem Zeitvertreib in den letzten Monaten - wieder mehr den ernsthaften Aspekten und Perspektiven.

Gambas

Abbildung 1: Gambas ist eine Basic-Entwicklungsumgebung für GNU/Linux. Das Look & Feel lehnt sich stark an bekannte proprietäre Produkte an.

Abbildung 1: Gambas ist eine Basic-Entwicklungsumgebung für GNU/Linux. Das Look & Feel lehnt sich stark an bekannte proprietäre Produkte an.

Gambas[13] steht für "Gambas Almost Means Basic". Der Name deutet bereits an, worum es bei dem Projekt geht: um eine grafische Entwicklungsumgebung basierend auf einem Basic-Interpreter mit objektorientierten Erweiterungen. Inspiriert wurde der Maintainer Benoit Minisini von Java und Visual Basic (siehe Abbildung 1).

Gambas ist eine Umgebung, in der grafische Programme schnell und mit flacher Lernkurve zusammengestellt werden können. Benoit findet Java für diesen Zweck zu komplex, Visual Basic läuft nur unter Windows und ist ihm auch zu buggy. Außerdem will er sowohl die Freiheit der Oberfläche (KDE oder Gnome) als auch der Lizenz gewährleisten. Daher steht Gambas unter der GPL.

Das Projekt läuft seit drei Jahren, es nutzt C für Interpreter und Compiler, C++ für die Qt-Anbindung und Gambas selbst als die Entwicklungsumgebung. Benoit legt Wert auf die größtmögliche syntaktische Kohärenz und Kompaktheit; deshalb ist der Interpreter ohne Qt-Komponente auch nur ungefähr 200 KByte groß. Die Portierung auf eine Embedded-Umgebung sollte daher einfach sein.

Wegen des modularen Aufbaus müsste sich die derzeit genutzte, auf Qt basierende Grafik-Engine leicht durch eine Gtk+-Komponente ersetzen lassen. Das ist auch in Planung. Weitere Ziele des Projekts sind ein Debugger und eine Datenbank-Komponente. Bis Gambas eine vollständige Programmiersprache beziehungsweise -umgebung ist, wird noch einige Zeit vergehen. Etwas Unterstützung durch Software-Tester könnte alles beschleunigen.

Eine kleine Geschichte, die über die Standardfragen der Brave GNU World hinausgeht, soll den Lesern der Kolumne nicht vorenthalten werden: Eines Tages versuchte Benoit - um Windows zu reinstallieren -, eine Partition unter MS-DOS zu reformatieren. Leider waren die Laufwerksbuchstaben unter MS-DOS gegenüber Windows vertauscht. So löschte er die falsche Festplatte, von der es keine Sicherheitskopie gab.

Da nun - unfreiwilligerweise - 30 GByte frei waren, probierte er ein weiteres proprietären Betriebssystem, mit dem er aber wenig anfangen konnte. Da dachte er sich: Warum nicht die andere Platte von hier aus formatieren? Einen Mausklick später hörte seine GNU/Linux-»/home«-Partition auf zu existieren. Natürlich befand sich Gambas auf dieser Partition und ebenso natürlich gab's auch hier keine Backups.

Zufällig lag aber auf der Windows-Partition, deren versuchte Formatierung die Katastrophe einleitete, noch eine Version von Gambas, die nur einen Monat alt war. Benoit verlor also nur (!?) einen Monat Arbeit. Sein guter Rat: Speichert unwiederbringliche Dinge immer mehrfach! Seid paranoid! Natürlich könnte man die Geschichte auch so auslegen, dass man einfach die Finger von proprietären Systemen lassen sollte. :-)

Minkowsky

Abbildung 2: Die Raum-Zeit-Verwaltung bei Minkowsky. Die Agenda bietet Überblick über Projektverantwortlichkeit und Bearbeitungsfortschritte.

Abbildung 2: Die Raum-Zeit-Verwaltung bei Minkowsky. Die Agenda bietet Überblick über Projektverantwortlichkeit und Bearbeitungsfortschritte.

Stefan Kamphausen, der Autor des Logos der Brave GNU World, hat mich auf diese Groupware-Lösung seines Arbeitskollegen Rüdiger Goetz aufmerksam gemacht. Das Programm Minkowsky umfasst Kalender, Adress- und Aufgabenverwaltung und dient bevorzugt der Verwaltung von Ressourcen, zum Beispiel der Bereitstellung von Konferenzräumen zu bestimmten Terminen (Abbildungen 2 und 3). Das Programm, das damit ja eine Art Raum-Zeit verwaltet, trägt entsprechend den Namen des Physikers Minkowski, dem auch die in der speziellen Relativitätstheorie gebräuchlichen Minkowski-Diagramme ihren Namen verdanken.[5]

Minkowsky bietet eine detaillierte Rechteverwaltung, um Termine verschiedener Benutzergruppen zu koordinieren. Das Programm, das auf C++/C sowie Tcl/Tk/Tix basiert, ist hierbei auf die Nutzung innerhalb eines physikalischen LANs optimiert. Es benötigt keine externe Datenbank. Die nächste Release soll unter anderem Englisch können sowie eine PDA-Synchronisation und eine stabilere Client-Server-Kommunikation bieten. Gerade in diesen Bereichen bittet Rüdiger um Unterstützung.

Abbildung 3: Die Projektverwaltung von Minkowsky. Das Programm bietet neben der obligatorischen Aufgabenliste eine grafische Workflow-Darstellung.

Abbildung 3: Die Projektverwaltung von Minkowsky. Das Programm bietet neben der obligatorischen Aufgabenliste eine grafische Workflow-Darstellung.

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