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Ende der Party?
Ein vor wenigen Jahren sehr erfolgreiches Format der Linux-Veranstaltung scheint überholt. Sind die Installpartys noch zeitgemäß oder entwickeln sich neue Formen des Linux-Events? Eine Nachlese zum Augsburger Linux-Infotag.
Ein vor wenigen Jahren sehr erfolgreiches Format der Linux-Veranstaltung scheint überholt. Sind die Installpartys noch zeitgemäß oder entwickeln sich neue Formen des Linux-Events? Eine Nachlese zum Augsburger Linux-Infotag.
Augsburg, 2. März, strömender Regen. In der Innenstadt tobt der Kommunalwahlkampf. Es werden Hände gedrückt, Flyer verteilt und freundlich lächelnd Blumen unters Volk gebracht. Jeder möchte am kommenden Sonntag gewählt werden.
Angenehmer Kontrast zu den vielen farblosen Kandidaten ist ein aufblasbarer Pinguin in Überlebensgröße. Begleitet wird er von einigen Mitgliedern der Linux-Usergroup Augsburg (LUGA e.V.). Allerdings tritt hier niemand für das Amt des Oberbürgermeisters an. Ausgestattet mit Plakaten, einem Anhänger als Infostand und Handzetteln, wird aber auch hier geworben: für den Linux-Infotag an der FH Augsburg acht Tage später.
Die Idee zu einem Linux-Infotag hatten wir, die Mitglieder der örtlich Linux-Usergroup, schon länger. Nach Installparty und LUG-Camp sind wir auf der Suche nach etwas Neuem, um Linux bekannt zu machen. Eine Installparty scheint uns nach dem geringen Echo, das wir bei unserer letzten hatten, nicht mehr geeignet.
Möglicherweise weil die Linux-Installation nicht mehr die große Hürde für Anwender ist. Die Leute wollen eher wissen, was ihnen Linux bringt. Außerdem haben viele Linux schon auf ihrem Rechner. Irgendwann steht fest: Wir machen einen Linux-Infotag! Auf Anfrage stellt uns die FH Augsburg ihre Räume zur Verfügung - wir haben ein großes Problem weniger. Damit beginnt die Arbeit: Welche Themen sind interessant, wer könnte worüber vortragen? Finden wir Sponsoren für die Veranstaltung?
Mitten in der Planung stellen wir fest, dass die Chemnitzer Linux-Usergroup zeitgleich ihren Infotag machen. Einige unserer Wunschreferenten sind dort schon engagiert. Ähnlich im Ries bei Nördlingen: Dort bereitet man ebenfalls eine Veranstaltung vor.
Um effektiv zu werben, müssen wir in die Zeitung. Also setzen wir einen Text auf unter dem Motto "Installieren Sie auf Ihrem Rechner Linux parallel zu Windows". So haben wir unsere Werbung. Wir entwerfen außerdem Plakate und drucken Handzettel, um sie an Passanten zu verteilen, die an unserem Infostand vorbeikommen.
Von Distributoren erhalten wir Demo-CDs und Linux-Schmankerl, beides äußerst nützlich für eine Veranstaltung. Besucher wollen etwas mit nach Hause nehmen - CDs, Zeitschriften, Infobroschüren, ganz egal -, das ist wie auf der CeBit. Ausgerüstet mit einem ganzen Streichelzoo an Plüschtieren bereiten wir ein Preisausschreiben vor. Die Teilnahmekarten dienen gleichzeitig für eine Befragung der Besucher.
FH Augsburg, Samstag 9. März, Fachbereich Informatik. Es herrscht hektische Betriebsamkeit im Foyer und den angrenzenden Hörsälen. Hier wird ein Bücherstand aufgebaut, dort die Espressomaschine angeworfen; schon treffen die ersten Besucher ein und wir haben mit rund 150 Besuchern ein volles Haus. Nach einer offiziellen Begrüßung beginnt das Vortragsprogramm. Das Spektrum reicht von vorgeführten Linux-Installationen über Serverdienste unter Linux bis zu einem Vortrag über Zope als Applikationsserver.
Während der Vorträge wird die Frage nach den Vorzügen von Linux gestellt. Einer der Referenten antwortet augenzwinkernd: "Entweder Sie investieren in Bill Gates oder in die Menschheit."
Es ist 17 Uhr und langsam wird es ruhig in den Räumen der FH. Eine erste Hochzählung der abgegebenen Stimmen, also Teilnahmekarten, zeigt: Die Mehrheit der Besucher war mit der Veranstaltung zufrieden - wir ebenfalls! (agr)
Der Autor |
| Christian Kegler ist Mitglied der Linux-Usergroup Augsburg und arbeitet zur Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Augsburg. |
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