Das ist ein viel versprechender Name für ein Paperback-Buch: "Die XML Bibel". Immerhin spendiert der mitp-Verlag mehr als 800 Seiten für dieses Mitglied in seiner neuen "Bibel"-Reihe, in der günstige Kompendien zu populären Themen erscheinen.
Leicht verständliche Übersetzung
Das Buch ist, selbst in der zweiten Auflage, eine Übersetzung der amerikanischen XML Bible Second Edition. Hier liegt auch sein großer Vorzug: Anders als in Europa üblich sind US-amerikanische Fachbücher traditionell leicht lesbar und sehr verständlich geschrieben. Die Übersetzung hat diese Vorzüge erfolgreich übernommen.
Die größte Schwäche des Buches hängt ebenfalls damit zusammen, dass das Original aus den Vereinigten Staaten stammt: Die Wahl der Beispiele ist für das europäische Publikum etwas befremdlich. Zum großen Teil handelt es sich um statistische Daten der US-amerikanischen National Baseball League. Was in den USA eine geschickte Wahl ist, erschwert hierzulande dem Leser das Verständnis, wenn er zusätzlich zum Thema des Buches mit einer weiteren unbekannten Materie konfrontiert wird. Betrachtet man aber etwa eine Werfer-Statistik lediglich als abstrakten, komplexen Datensatz, dann verdeutlicht auch diese Statistik die Leistungsfähigkeit der Metasprache XML.
Das Buch gliedert sich in fünf Teile, von denen die ersten drei eher theoretische Grundlagen, die letzten beiden mehr die praktische Anwendung vermitteln. Nach einer recht ausführlichen XML-Einführung im ersten Teil folgt die Erklärung der Dokumenttyp-Definition. Der dritte Teil beschreibt mit CSS (Cascading Stylesheets) und XSL (Extensible Stylesheet Language) die Stylesheet-Sprachen, die das Erscheinungsbild eines Dokuments festlegen.
Die Grenze zwischen dem vierten Teil, "Unterstützende Verfahren", und dem fünften Teil, "XML-Anwendungen", ist etwas willkürlich. Betrachtet man die letzten beiden als einen großen Praxisteil, entspricht das genau der Zielrichtung des Buches: eine XML-Einführung mit praktischem Schwerpunkt.
Gegenüberstellung von XML und HTML
Um dieses Ziel zu erreichen, erklärt das Buch die Sprache XML aus der Sicht der Dokumentendarstellung, genauer an einem Vergleich mit der Sprache HTML. Das Buch setzt hierfür glücklicherweise nur wenig HTML-Kenntnisse beim Leser voraus. So erschließt sich die Einführung selbst beim ersten Kontakt mit diesem Thema überhaupt.
Der Fokus liegt bei der Darstellung von Dokumenten im Web. Die Erklärungen sind aber so ausführlich gehalten, dass der Leser das Erlernte auch auf andere Darstellungsformen anwenden kann. Die Einschätzung des Buchautors, im Web existierten derzeit bereits mehr XML- als HTML-Dokumente, scheint zwar etwas verfrüht, hat aber gute Chancen sich zu erfüllen.