Open Source im professionellen Einsatz

Das Global Grid Forum 4 in Toronto

Graue Eminenzen

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Das diesjährige GLobal Grid Forum bewies das große Interesse der Industrie am verteilten Rechnen. Anwendungen lassen jedoch noch immer auf sich warten.

Abbildung 1: Toronto bei Nacht. Links das Sheraton Center, Tagungsort des Global Grid Forum.

Abbildung 1: Toronto bei Nacht. Links das Sheraton Center, Tagungsort des Global Grid Forum.

Kritische Stimmen meinen gelegentlich, das Global Grid Forum sei eine Veranstaltung für Häuptlinge ohne Indianer; die rege Beteiligung der Industrie zeigt aber, dass sich das jetzt ändert. Das Forum übernimmt damit die Funktion eines Standardisierungs-Gremiums im Grid-Bereich, vergleichbar der Internet Engineering Task Force (IETF). Trotzdem bleibt der Eindruck einer Spielwiese für grauen Eminenzen aus Industrie und Wissenschaft teilweise bestehen. Die Wahl des exklusiven Sheraton Centers als Veranstaltungsort passte dabei gut ins Bild.

IBM war durch Irving Wladawsky-Berger vertreten, General Manager und eng involviert in IBMs Milliarden-Investition in Linux. Compaq und Sun waren genauso vor Ort vertreten wie Microsoft. Die akademische Forschung glänzte mit Celebrities wie Ian Foster und Carl Kesselman, den beiden Autoren der Bibel des Grid-Computings.

Die Veranstaltung war mit über 500 Teilnehmern gegenüber ihrer Vorgängerin in Rom deutlich besser besucht. In über 50 Arbeitsgruppentreffen und 19 "Birds of a Feather"-Sessions (BOF) sowie verschiedenen Tutorials lagen die Schwerpunkte der Diskussionen bei Sicherheit und Ressource Management sowie beim zentralen Thema Web-Services.

Auf Letztere zielt die Entwicklung einer so genannten Open Grids Service Architecture (OGSA) ab. OGSA wird auf den akzeptierten Standards WSDL, XML und anderen aufbauen und soll die Basis für das Globus Toolkit in Version 3 werden, das bereits gegen Ende dieses Jahres erwartet wird.

Der Applikationsentwicklung kommt nach wie vor zu wenig Raum zu. Immer noch wird sehr viel Grundlagenforschung im Bereich der Middleware betrieben. Auch ist der Aufbau der vom Grid benötigten Breitbandnetze noch in vollem Gange. In diesem Zusammenhang zeigte sich wieder, dass es zwar eine Reihe nationaler Grids gibt; ein World Wide Grid, das heißt die Verknüpfung dieser nationalen Grids, lässt womöglich noch einige Zeit auf sich warten: Zu groß sind die Schwierigkeiten bei Bildung und Akzeptanz international gültiger Vereinbarungen zwischen den beteiligten Computerzentren.

Abbildung 2: Irving Wladawsky-Berger von IBM macht sich für das Grid-Computing stark.

Abbildung 2: Irving Wladawsky-Berger von IBM macht sich für das Grid-Computing stark.

Deutschland muss aufholen

Vor allem Deutschland hat hier einigen Nachholbedarf. So gab es zwar Vorträge zu beeindruckenden und großzügig finanzierten Projekten in Korea, Japan und Thailand, jedoch keinen entsprechende Präsentation aus Deutschland. Diesen Vorsprung der anderen Länder aufzuholen ist derzeit die Aufgabe der Forscher aus den deutschen Grid-Kompetenzzentren unter anderem in Karlsruhe, Berlin oder Jülich.

Die technischen Beiträge zeigten interessante neue Wege, mit praktischen Limitierungen beim Grid-Computing umzugehen: Eines seiner Hauptprobleme ist die lange Transferzeit von Daten über verteilte Netze (Latenzzeit). Die Firma Canary [www.ccc.on.ca/wdd] stellte deshalb das Projekt Wavelength Disk Drive (WDD) für die Verbesserung der Zugrifsszeiten vor.

Speicher und Netz vereint

Dort fungiert ein optisches Netzwerk als Speichermedium, Daten gehen auf eine permanente Reise durch ein System aus Lichtleitern und Router. Durch die Zusammenfassung der Speicher- und Netzwerkfunktionen steigt die Qualität des Zugriffs auf Daten deutlich an. Da das Speichervermögen eines solchen Netzes noch sehr begrenzt ist - ein existierendes, auf Kanada begrenztes WDD kann etwa 4 GByte an Daten speichern -, ist es aber derzeit bestenfalls als schneller verteilter Cache für häufig benötigte Daten nutzbar.

Interessenten können die gesamte Agenda des GGF4 sowie viele der Vorträge der Konferenz einsehen: [http://www.gridforum.org]. Das nächste Global Grid Forum wird vom 20. bis 25. Juli in Edinburgh stattfinden. (uwo)

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