Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2002

VMware Workstation 3.0 gegen Connectix Virtual PC 5.0

Weltfremd

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Es kann gute Gründe dafür geben, ein oder mehrere Linux-Systeme unter Windows zu emulieren. VMware Workstation 3.0 und der Konkurrent Connectix Virtual PC müssen beweisen, dass sie leistungsfähige künstliche Welten bereitstellen können.

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Windows als Host-Betriebssystem und Linux im PC-Emulator betreiben ist eine Überlegung wert: zum Beispiel für Entwickler von Middleware in heterogenen Umgebungen, die eine virtuelle Plattform ohne Dualboot als komfortablen Workaround zum Testen und beim Cross-Developing betrachten.

Auch für Entwickler von Web-Applikationen ist die Lösung interessant. Wer mit Programmen wie Dreamweaver arbeitet, die es für Linux leider nicht gibt, kann so trotzdem Zugriff auf eine LAMP-Plattform (Linux, Apache, MySQL, PHP) erhalten. Natürlich gelten die traditionellen Argumente für den Einsatz eines virtuellen PCs noch immer: Wer parallel mit mehreren Betriebssystemen arbeitet, müsste sonst, etwa um ein neues Programm zu testen, das jeweilige System wechselseitig neu booten.

Für die Zukunft deutet sich an, dass solche Programme nicht mehr nur als Hilfsmittel für die Ausführung nicht-nativer Applikationen einzuordnen sind, sondern als intelligente Konzepte zur vollständigen Virtualisierung von Hardwareplattformen. Sie sind ein Instrument für Systemadministratoren, eine heterogene IT-Serverlandschaft transparent zu konsolidieren und - unabhängig von der tatsächlichen verwendeten Hardware - den Clients im Netz stets genau jene Dienste anzubieten, die gerade gefragt sind.

Dieser Beitrag nimmt sich zweier Produkte an, die unter einem Windows-System beliebige Linux-Distributionen booten können. Dabei stellt sich vor allem die Frage, ob die Performance einer solchen Lösung im Vergleich zu einer nativen Linux-Installation genügend Raum für plausible Einsatzszenarien lässt und was eine aktuelle Linux-Distribution mit den virtuellen Hardwarekomponenten anfängt.

Besondere Aufmerksamkeit haben wir zudem den Netzwerkmodi von VMware und Connectix gewidmet. Bisher war der Network-Layer zwischen Hostsystem und Gast bei den ersten VMware-Versionen noch zwingende Voraussetzung, um überhaupt einen Datenaustausch zwischen den Welten zu bewerkstelligen. Heute sind die multifunktionalen Netzwerkbetriebsarten von VMware und Connectix die Basis für den Umgang mit Web-Applikationen schlechthin. Der NAT-Modus bietet zudem dem Gastsystem die Möglichkeit, auf Dial-up- und Netzwerkverbindungen und elementare Dienste wie DHCP oder DNS des Hostsystems zuzugreifen.

VMware Workstation 3.0

VMware ist für Linux-Interessierte sicher der bekannteste PC-(Hardware-)Emulator. Für die neueste Version 3.0 der Workstation-Variante[1] eignet sich auch Windows XP als Host- und als Gastsystem. Als Gäste kommen auch alle gängigen Linux-Versionen und Windows, Free-, Net- und OpenBSD- sowie MS-DOS und OS/2 infrage.

Am Prinzip von VMware hat sich wenig geändert: Das Programm erzeugt virtuelle PCs, die wahlweise eine virtuelle Festplatte besitzen oder im Raw-Modus auf eine existente physikalische Festplattenpartition des jeweiligen Gastbetriebssystems zugreifen. Theoretisch kann der Anwender beliebig viele Emulationen auf dem Hostcomputer parallel ausführen - praktisch sind es vier. Andere Grenzen setzt nur die Leistungsfähigkeit des PCs, da sich alle virtuellen PCs den physikalischen Arbeitsspeicher und die CPU teilen müssen.

Die Hardware, die das Gastsystem zu sehen bekommt, simuliert (emuliert) VMware selbstständig. Einstellen lassen sich dabei die Größen der virtuellen Festplatte und des Arbeitsspeichers sowie Netzwerkkarten, COM- und LPT-Ports. Hinzu gekommen sind USB- und SCSI-Geräte. VMware vermittelt zwischen der tatsächlichen und der emulierten Hardware. Um hoch auflösende Grafikmodi zu erreichen ist die Installation einiger Zusatztools im Gastsystem nötig. Einen gegenüber dem Fenstermodus flotteren Vollbildmodus gibt es auch.

Die Installation eines Gastbetriebssystems erfolgt innerhalb des VMware-Fensters ebenso leicht oder schwer, wie man es von einem normalen PC gewöhnt ist. Noch leichter wird's, wenn man von VMware vorgefertigte Guest Operation Kits erwirbt und einspielt. Bislang ist für die Workstation 3.0 allerdings nur Windows 2000 Professional erhältlich. Beim Test überzeugt hat auch das ausführliche Handbuch.

Abbildung 1: Der Klassiker unter Linux - VMware.

Die Netzwerkfähigkeiten von VMware

Sowohl die Windows- als auch die Linux-Version von VMware Workstation 3.0 kennt drei verschiedene Netzwerkmodi: Bridged Network, NAT (Network Address Translation) und Host Only.

Beim Bridged Network konfiguriert man den virtuellen Rechner wie einen ganz normalen Rechner im Netzwerk, indem er eine gültige IP-Nummer und Subnetzmaske erhält. Die Verbindung erfolgt über einen virtuellen Switch. Im Netzwerk ist der virtuelle Client nicht von einem echten Netzwerk-Client zu unterscheiden. Optimal geeignet ist die »Bridged Network«-Option, falls auf dem virtuellen Client echte Netzwerkdienste zum Einsatz kommen und der Rechner mit anderen Clients kommunizieren soll.

Die zweite Netzwerk-Option von VMware ist ideal, um die Internet-Anbindung des virtuellen Clients über den Host herzustellen. Dazu wird im NAT-Modus über einen virtuellen Switch eine Verbindung zum Host-PC hergestellt. Ähnlich dem herkömmlichen Masqerading stülpt der Switch seine eigene IP-Nummer auf die Anforderungen des virtuellen Clients und benutzt seine Internet-Connection wie DSL, ISDN oder Modem. Die letzte Netzwerk-Option »Host Only« stellt lediglich über einen Switch eine Kommunikationsmöglichkeit zwischen Host und virtuellem Client her.

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