Open Source im professionellen Einsatz

Mail-Clients, die nicht jeder kennt

Wat mutt dat mutt?

Dank des freien Klassikers Mutt und des Netscape Messenger führen einige Mail-Clients für Linux ein Schattendasein. Unverdient, wie dieser kleine Beitrag zeigt.

Es ist zu vermuten, dass Björn Engholm einst das Plattdeutsche und nicht den E-Mail-Client vor laufender Fernsehkamera noch populärer machen wollte. Wenn doch, war es unnötig - denn das Konsolen-Tool ist der Standard für viele Linuxer. Dass es neben Mutt andere, durchaus ebenbürtige Mail-Clients gibt, bringt der Beitrag ins Bewusstsein.

Sylpheed und Claws

Sylpheed[1] ist ein Mail-Client für X11, der auf GTK+ fußt. Die ansprechende, internationalisierbare Oberfläche reagiert auf Benutzeraktionen zügig. Alle Funktionen sind auch per Hotkeys erreichbar. Nachrichten-Threads werden verfolgt, Header sind definierbar, im Mail-Body hebt Sylpheed Quotings und URLs hervor. Es ergänzt Mail-Adressen automatisch; das XML-basierte Adressbuch kommt mit vCards und LDAP-Adressen zurecht. Als Filterregel sind auch reguläre Ausdrücke möglich.

Sylpheed speichert Mails im MH-Format, was die Zusammenarbeit mit Fetchmail & Co. erleichtert. Es beherrscht IMAP4 Rev. 1, POP mit UIDL, SSL und Multipart-MIME. Teilweise implementiert sind Drag & Drop, PGP- und GPG-Support und das Anzeigen von HTML-Mails. Bei einem Test mit IMAP las Sylpheed alle Mails korrekt mit Attributen ein. Anders als Netscapes Messenger reagiert es in dieser Betriebsart auch zügig auf Nutzereingaben. Es ist auch möglich, in Newsgroups zu posten und News zu lesen, wobei Sylpheed unterbrochene Newsserver-Verbindungen erneut aufnimmt.

Parallel zu Sylpheed wird Sylpheed-Claws[2] entwickelt, ein paar Tage nach einem Sylpheed-Release erscheint ein neues Claws. Der Nebenzweig bringt mehr Funktionen, etwa Rechtschreibprüfung und Mail-Scorung, andere Sylpheed-Eigenschaften erweitert es.

Sylpheed: Schön anzuschauen und mit Funktionen reichlich gesegnet.

Sylpheed: Schön anzuschauen und mit Funktionen reichlich gesegnet.

Mahogany

Mahogany[3] basiert auf den freien Crossplattformen wxWindows, der C-Client-Bibliothek von der University of Washington und OpenSSL. Seine Lizenz ähnelt der Artistic License von Perl.

Mahogany arbeitet mit POP, IMAP, NNTP (alle SSL-verschlüsselbar) und mit den Folder-Formaten Mbox, MBX und MH zusammen. Einzelne Mail-Folder können unterschiedlich konfiguriert sein. Bei IMAP wird gar das Server-seitige Sortieren und Threading unterstützt. Eine bestechende Funktion ist, die aktuelle Konfiguration auf dem IMAP-Server zu speichern - Mahoganys von anderen Client-Rechnern synchronisieren ihre Konfiguration darauf.

Das multilinguale Programm zeigt HTML und Grafiken inline an. Es besitzt leicht benutzbare und leistungsfähige Filterfunktionen und verwaltet Mailinglisten recht übersichtlich. Mails suchen kann der Benutzer im Autor- und Subject-Feld sowie per Volltext. Nicht alltäglich sind: Faxempfang über Efax, Palm-Mail-Synchronisation, Unterstützung der Emacs-Adressdatenbank BBDB und der eingebettete Python-Interpreter zum Skripten auf alle Mahogany-internen Strukturen und Klassen.

Auch gut

Kiltdown [4] ist ein Mail-Client unter der GPL, der mit Hilfe des Qt-Toolkits 2.3 entwickelt wurde, aber kein KDE braucht. Die Oberfläche von Kiltdown gehört zu den benutzerfreundlichsten (und schönsten) Mail-Clients. Das Programm beherrscht MIME, filtert Mails und verwaltet mehrere Accounts. Leider scheint der Programmautor das Interesse am Projekt etwas verloren zu haben.

Pooka[5] ist ein Java-Programm unter der GPL, das das Javamail-API benutzt. Zum Ausführen ist JRE/JDK 1.3 zu empfehlen. Die Applikation kennt POP3, IMAP und SMTP. Die Oberfläche zeigt wahlweise den Eudora- oder Outlook-Look. Pooka ist im Alphastatus.

Infos

[1] Sylpheed: [http://sylpheed.good-day.net]

[2] Sylpheed-Claws: [http://sylpheed-claws.sourceforge.net]

[3] Mahogany: [http://mahogany.sourceforge.net]

[4] Kiltdown: [http://kiltdown.sourceforge.net]

[5] Pooka: [http://www.suberic.net/pooka]

Diesen Artikel als PDF kaufen

Als digitales Abo

Als PDF im Abo bestellen

comments powered by Disqus

Ausgabe 07/2013

Preis € 6,40

Insecurity Bulletin

Insecurity Bulletin

Im Insecurity Bulletin widmet sich Mark Vogelsberger aktuellen Sicherheitslücken sowie Hintergründen und Security-Grundlagen. mehr...

Linux-Magazin auf Facebook